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Steigende Dieselpreise: Bolivianischer Bauer verwandelt Müll in Traktor-Treibstoff

Ein bolivianischer Landwirt produziert aus Plastik, Reifen und Altöl eigenen Kraftstoff und spart so nach dem Ende der Dieselsubventionen bares Geld.

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Steigende Dieselpreise: Bolivianischer Bauer verwandelt Müll in Traktor-Treibstoff

Im bolivianischen Altiplano verschärfen steigende Kraftstoffkosten den Alltag der Landwirte. Ein Einheimischer hat nun eine eigene Lösung gefunden: Etson Machaca baute eine kleine Anlage, die Plastiktüten, alte Reifen und Altöl in Energie für seine Traktoren umwandelt. Der Betrieb ist klein, doch angesichts des Endes der staatlichen Dieselsubventionen kommt ihm eine entscheidende Bedeutung zu.

Die Anlage produziert nach Angaben Machacas täglich zwischen 80 und 150 Liter Benzin sowie Diesel. Die Gestehungskosten liegen bei 7 bis 10 Bolivianos (0,60 bis 0,86 US-Dollar) pro Liter. Zum Vergleich: Auf dem freien Markt kostet Diesel etwa 18 Bolivianos (1,54 US-Dollar) pro Liter und damit rund doppelt so viel. Für Machaca sind diese Einsparungen ein rettendes Element.

Die Regierung Boliviens hatte die staatlichen Dieselsubventionen im vergangenen Monat beendet. Die zentristische Regierung begründete den Schritt damit, die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren. Für viele Familien im Altiplano, die auf Diesel angewiesen sind, verändert das die Kalkulation grundlegend.

Aus Müll wird Rohstoff

„Wir verwandeln Kunststoffe, Beutel, Reifen und Altöl. All das ist für uns zur Rohstoffquelle geworden, um Kraftstoff in den Hochebenen zu produzieren", sagte Machaca. Seine Anlage befindet sich in Ancocala, einer Gemeinde in der ländlichen Gemeinde Laja, rund 35 Kilometer (22 Meilen) von La Paz entfernt.

Technisch nutzt die Anlage ein Verfahren namens Pyrolyse. Dabei werden Materialien unter Sauerstoffausschluss hohen Temperaturen ausgesetzt und so in Produkte zerlegt, die anschließend zu Kraftstoff weiterverarbeitet werden können. Diese Methode erlaubt es, Abfallstoffe in nutzbare Energie umzuwandeln – ein Ansatz, der in Zeiten knapper und teurer Kraftstoffe an Attraktivität gewinnt.

Machaca verkauft den so gewonnenen Kraftstoff eigenen Angaben zufolge nicht. Stattdessen verwendet er ihn für seine Traktoren und andere landwirtschaftliche Geräte. Damit deckt er ausschließlich den Eigenbedarf und bleibt unabhängig von den Preisen am freien Markt.

Die Einsparungen haben für die Region erhebliches Gewicht. Viele Familien im Altiplano haben ihr Vieh durch Traktoren ersetzt, um ihre Felder effizienter zu bearbeiten. Diese Umstellung macht die Betriebe in hohem Maße von Diesel abhängig. Fällt der Kraftstoff aus oder wird er zu teuer, gerät die gesamte Produktion ins Stocken.

Diesel als Lebensgrundlage

„Wenn wir heute oder morgen nicht säen, gibt es hier im Altiplano keine Produktion. Daher ist Diesel für uns sehr wichtig", sagte Machaca. Das Zitat macht deutlich, wie eng die Ernährungssicherheit der Region mit der Verfügbarkeit von Kraftstoff verknüpft ist.

Der Hintergrund reicht über die einzelne Farm hinaus. Bolivien war jahrelang von Exporten von Erdgas abhängig, um Devisen zu erwirtschaften. Doch die Förderung flüssiger Kohlenwasserstoffe ist zurückgegangen, während gleichzeitig die Abhängigkeit von ausländischen Einkäufen gewachsen ist. Das Binnenland in Südamerika importiert laut offiziellen Daten 95 Prozent des verbrauchten Diesels und 60 Prozent des verbrauchten Benzins.

Diese Zahlen verdeutlichen die Verwundbarkeit des Landes gegenüber Preisschwankungen und Lieferengpässen. Die Entscheidung, die Dieselsubventionen zu streichen, trifft damit eine Landwirtschaft, die ohnehin unter Druck steht. Für deutsche Anleger und Beobachter lateinamerikanischer Märkte ist die Entwicklung ein Beispiel dafür, wie stark politische Fiskalentscheidungen die wirtschaftliche Basis ländlicher Regionen beeinflussen können.

Ob Machacas Pyrolyse-Anlage Nachahmer findet, ist offen. Klar ist jedoch, dass sie in einer Region, in der Diesel über die Aussaat und damit über die Ernte entscheidet, einen konkreten Unterschied macht – zumindest für einen einzelnen Landwirt und seine Familie.

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