Trump verteidigt Diesel-Deal trotz Kritik und Waffenstillstandschaos
Trump besteht auf Energiewaffenstillstand, den weder Russland noch Ukraine akzeptiert haben – Ölpreise steigen trotzdem deutlich.

US-Präsident Donald Trump hat am Montag seine umstrittene Entscheidung verteidigt, die Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend zu lockern. Auf Truth Social schrieb er: „Ich habe die richtige Wahl für das amerikanische Volk getroffen – IMMER, AMERICA FIRST!" Gleichzeitig geriet sein angeblich vermittelter Energiewaffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine zunehmend unter Druck – denn weder Moskau noch Kiew haben ihn formell akzeptiert.
Auf die Frage, warum beide Seiten bestreiten, dem Waffenstillstand zugestimmt zu haben, antwortete Trump mit bemerkenswerter Direktheit: „Nun, sie haben zugestimmt. Wissen Sie warum? Weil ich gesagt habe: ‚Ihr stimmt zu.' Deshalb." Laut Kiew haben die russischen Drohnen diese Botschaft offenbar nicht empfangen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete, dass am Montag sechs ukrainische Energieanlagen angegriffen wurden.
Selenskyj machte Moskau unmissverständlich verantwortlich: „Es wird immer deutlicher, dass Russland nicht bereit ist, einen von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Energiewaffenstillstand zu akzeptieren, und beabsichtigt, seine terroristischen Luftangriffe gegen unser Volk und unsere Gemeinden fortzusetzen", schrieb er auf X. Er warnte zudem, dass die Ukraine Vergeltung üben werde.
Die Details
Sieben US-Senatoren – vier Republikaner und drei Demokraten – haben die Regierung aufgefordert, den Kurs zu korrigieren. Ihr Argument: Washington „sollte Putin keine finanzielle Lebensader bieten, während Russland weiterhin ukrainische Zivilisten tötet." Trump hingegen begründet den Deal mit dem Ziel, die Rekordpreise für Diesel vor den Zwischenwahlen im November zu senken.
Analysten zeigen sich skeptisch. Die ersten Lieferungen seien im Vergleich zum Weltmarkt bescheiden, und beschädigte russische Raffinerien sowie logistische Hürden werfen Fragen auf, wie schnell der Kraftstoff tatsächlich eintreffen kann. Eine spürbare Entlastung an amerikanischen Zapfsäulen halten Experten für unwahrscheinlich.
Die Ölmärkte reagierten auf Trumps Waffenstillstandsbehauptungen und die Aussicht auf mehr Dieselangebot kaum beruhigt. Brent-Rohöl-Futures legten um 1,8 Prozent zu und schlossen bei 106,65 US-Dollar pro Barrel. US-West-Texas-Intermediate-Futures stiegen am Montag um 2 Prozent und notierten bei 93,74 US-Dollar. Zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Ölpreise erzeugten von Iran unterstützte Huthi-Rebellen im Jemen, die am Samstag den King Khalid International Airport in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad angriffen. Dabei wurden 12 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt – eine massive Eskalation, die die Sorgen um das globale Ölangebot weiter verschärfte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Trump ein Abkommen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Import von über 300.000 Tonnen Diesel an den US-amerikanischen und globalen Markt angekündigt hatte. Ziel war es, die stark gestiegenen Kraftstoffpreise vor den Kongresswahlen am 3. November zu senken. Das US-Finanzministerium erteilte dafür eine befristete Ausnahmegenehmigung, die den Import russischen Diesels bis zum 7. April erlaubt und die seit Oktober 2025 bestehenden Sanktionen vorübergehend aussetzt.
Ebenfalls am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Selenskyj den Deal als „Geschenk an Putin" bezeichnete und ihn einer „Investition in einen Krieg gleichsetzte, der beendet und nicht verlängert werden muss." Trump hatte damals erklärt, auf die erste Lieferung von 300.000 Tonnen sollten im November weitere 500.000 Tonnen folgen, danach noch einmal eine Million Tonnen.
Bereits am 1. Oktober 2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Dieselpreise an der Zapfsäule Rekordhöhen erreicht hatten, während das Angebot an raffinierten Produkten knapp blieb und die Sendungen weit unter dem Durchschnitt lagen – obwohl sich die Rohölexporte durch die Straße von Hormus auf das Niveau vor dem Krieg erholt hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Die anhaltend hohen Energiepreise bereiten nicht nur Verbrauchern Sorgen, sondern auch der US-Notenbank Federal Reserve. Die Präsidentin der Cleveland Fed, Beth Hammack, warnte, dass höhere Zinssätze notwendig sein könnten, um zu verhindern, dass sich eine „Inflationsmentalität" bei Unternehmen und Verbrauchern verfestigt. Hammack sprach sich dafür aus, dass die Fed sich relativ schnell in Richtung einer restriktiven geldpolitischen Haltung bewegen solle – mit kleineren und häufigeren Anpassungen statt großer Korrekturen.
Die Markterwartungen spiegeln diese Einschätzung wider: Händler preisen laut dem CME Fedwatch Tool eine Wahrscheinlichkeit von 79,5 Prozent für eine Zinserhöhung in der am 28. Oktober beginnenden Fed-Sitzung ein. Für deutsche Anleger bedeutet das: Ein weiterer Zinsschritt in den USA könnte den US-Dollar stützen und Druck auf zinssensitive Anlagen ausüben. Gleichzeitig bleibt die geopolitische Risikoprämie im Ölmarkt hoch – sowohl durch den Ukraine-Konflikt als auch durch die Eskalation im Nahen Osten.
Ebenfalls bemerkenswert aus der Tech-Welt: Microsoft kündigte an, den Einsatz seiner selbst entwickelten Chips für künstliche Intelligenz zu verstärken. Beginnend mit dem am Montag vorgestellten Maia-KI-Beschleuniger der dritten Generation will Microsoft sich hauptsächlich auf eigene Halbleiter stützen, um eingehende Anfragen zu bearbeiten – und damit weniger auf Grafikprozessoren von Nvidia. Für Anleger, die in den KI-Infrastrukturbereich investiert sind, ist diese Verschiebung ein Signal, das die Wettbewerbsdynamik im Halbleitermarkt langfristig beeinflussen könnte.
Ausblick
In Bangkok laufen die Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds in ihren zweiten Tag. Erwartet wird die Veröffentlichung des neuesten Wirtschaftsausblicks des IWF, der Aufschluss darüber geben soll, wie der Fonds den weiteren Weg einschätzt. Anleger werden dabei besonders darauf achten, ob der IWF seine Prognose für das globale Wachstum nahe 3 Prozent hält und wie deutlich er vor Inflationsrisiken warnt.
Am Freitag folgt dann das mit Spannung erwartete Gespräch zwischen Fed-Gouverneur Kevin Warsh und der geschäftsführenden Direktorin des IWF, Kristalina Georgiewa. Es ist Warshs letzter geplanter öffentlicher Auftritt, bevor die Fed am 27. und 28. Oktober tagt. Politisch sorgt zudem Elon Musk für Schlagzeilen: Er hat seit Juli mehr als 276 Millionen US-Dollar an republikanische Gruppen gespendet, davon 158 Millionen an den Senate Leadership Fund. Damit ist er der größte bekannte Spender der Zwischenwahlen 2026. Seine bekannten politischen Spenden auf Bundesebene für den Zyklus 2025-26 belaufen sich damit auf rund 366 Millionen US-Dollar.
Kurz erklärt
- Energiewaffenstillstand: Eine Vereinbarung, bei der kriegführende Parteien gegenseitig auf Angriffe gegen Energieinfrastruktur verzichten.
- Restriktive Geldpolitik: Eine Haltung der Notenbank, bei der Zinssätze angehoben werden, um die Inflation zu bremsen.
- Super-PAC: Ein politisches Aktionskomitee in den USA, das unbegrenzt Gelder sammeln und für Wahlkampfzwecke ausgeben darf.
