SpaceX vor Quartalszahlen: KI-Wachstum und Rekordausgaben im Fokus
Der zweite Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen steht an: Anleger achten auf KI-Umsätze und die stark gestiegenen Kapitalausgaben.

SpaceX wird am Dienstag nach Börsenschluss seinen zweiten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen veröffentlichen. Im Mittelpunkt steht die Performance im dritten Quartal. Zwei Themen dürften die Reaktion der Anleger bestimmen: das Wachstum im Geschäft mit KI-Rechenzentren und die Höhe der Kapitalausgaben.
Besonders das KI-Geschäft steht im Fokus. Chief Executive Elon Musk hatte im vergangenen Quartal große Versprechungen bezüglich des Ausbaus des Rechenzentrums-Geschäfts seiner Firma gemacht. Das Unternehmen generiert bereits Milliarden US-Dollar an monatlichen Umsätzen von Konkurrenten wie Anthropic und Google, die SpaceX' massive Rechenzentren nutzen, um ihre Modelle am Laufen zu halten.
Offen bleibt, wie schnell SpaceX expandieren kann und wie viele neue Kunden den Dienst bereits gebucht haben. Genau diese Fragen dürften im neuen Bericht beantwortet werden müssen – denn die Erwartungen an das KI-Segment sind nach den Ankündigungen des vergangenen Quartals hoch.
Die Details
Der zweite Schwerpunkt ist der Kapitaleinsatz. Im zweiten Quartal gab SpaceX 18,4 Milliarden US-Dollar an Kapitalausgaben aus, gegenüber 2,8 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Die Wall Street erwartet, dass diese Ausgaben mit dem Ausbau der Rechenzentren, seinem Terafab-Projekt zur Chipfertigung sowie den fortlaufenden Arbeiten an der neuen Rakete Starship weiter ansteigen werden.
Bemerkenswert ist die Konstellation im KI-Geschäft: Anthropic und Google zählen zu den Konkurrenten von SpaceX im Bereich der künstlichen Intelligenz und nutzen zugleich die Rechenzentren des Raumfahrtunternehmens, um ihre Modelle am Laufen zu halten. SpaceX verdient damit an Unternehmen, mit denen es auf anderen Feldern konkurriert. Wie tragfähig dieses Geschäftsmodell ist, hängt davon ab, wie schnell die Kapazitäten ausgebaut werden können und wie viele zusätzliche Kunden gewonnen werden.
Der Bericht erscheint nach Börsenschluss, sodass die unmittelbare Reaktion des Marktes erst im nachbörslichen US-Handel sichtbar wird. Für europäische Anleger bedeutet das: Die ersten Kursbewegungen fallen in die Nachtstunden, der reguläre Handel in Deutschland reagiert erst am folgenden Tag.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX am Dienstag kurz nach 16:00 Uhr (ET) seinen ersten Quartalsbericht der Unternehmensgeschichte vorgelegt hat. Der Bericht umfasste das zweite Quartal des laufenden Jahres, also den Zeitraum von April bis Juni. Der ausgewiesene Quartalsumsatz belief sich auf 7,8 Milliarden US-Dollar. Analysten der Wall Street hatten laut dem Finanzdatenanbieter FactSet lediglich etwas mehr als 6,8 Milliarden Dollar erwartet. SpaceX übertraf die Konsensschätzungen damit um rund eine Milliarde Dollar – ein deutliches Signal für die operative Stärke des Unternehmens.
Ebenfalls am 05.08.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie von SpaceX im nachbörslichen US-Handel deutlich nachgab. Auslöser war die Bekanntgabe unerwartet hoher Ausgaben für den Geschäftsbereich Künstliche Intelligenz, die einen insgesamt starken ersten Quartalsbericht überlagerten. Die Anteilscheine brachen im nachbörslichen Handel um rund 7 Prozent ein. Hintergrund war die Mitteilung, dass die Investitionsausgaben im zweiten Quartal auf etwa 18,4 Milliarden US-Dollar angestiegen sind – ein Wert, der die Erwartungen der Analysten offenbar deutlich übertraf.
Am 10.08.2026 berichtete aktien.news, dass der Börsengang Anfang Juni als einer der ambitioniertesten Markteintritte der Geschichte galt. Nach anfänglichen Kursgewinnen gaben die Anteilscheine im vergangenen Monat deutlich nach und notierten nun weit unter ihrem Höchststand nach dem Börsengang. Die Zahlen für das zweite Quartal zeigten ein Unternehmen, dessen Wachstum sich in allen drei Kernsegmenten beschleunigte.
Am 23.09.2026 folgte der Bericht über die ersten 100 Börsentage. Die Aktie erlebte seit dem Börsengang am 12. Juni eine extreme Achterbahnfahrt, notierte nun aber wieder nahe dem Ausgabepreis. Entscheidend für die weitere Entwicklung seien die massiv gestiegenen Umsätze durch KI-Rechenzentrumsvermietung und das starke Starlink-Wachstum. Mit einem Schlusskurs von 154,72 US-Dollar am 22. September notierte die Aktie nahezu auf dem Niveau des Ausgabepreises von 150 US-Dollar, zu dem sie am 12. Juni den Handel aufnahm. Dazwischen lag ein Kurssturz von mehr als 50 Prozent vom Höchst- zum Tiefststand im Juli, gefolgt von einer Erholung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Bericht vor allem deshalb relevant, weil er zeigt, ob die großen Wachstumsstorys des Unternehmens weiter tragen. Die Historie der ersten beiden Berichte offenbart ein Muster: Operativ starke Zahlen können durch hohe Investitionsausgaben überlagert werden. Im August reichte ein einziger Ausgabenposten, um einen ansonsten überzeugenden Quartalsbericht in den Hintergrund zu drängen und die Aktie im Nachhandel deutlich zu belasten.
Anleger sollten daher nicht nur auf den Umsatz schauen, sondern auch auf die Entwicklung der Kapitalausgaben und darauf, ob sich die offenen Fragen zu Expansionstempo und Neukundenzahl im KI-Geschäft klären. Hinzu kommt die Kurshistorie: Die Aktie notierte zuletzt nahe ihrem Ausgabepreis, nachdem sie zwischenzeitlich mehr als die Hälfte von Höchst- zu Tiefststand verloren hatte. Das zeigt, wie sensibel der Markt auf Nachrichten zu Ausgaben und Wachstum reagiert.
Entscheidend ist die Frage, ob das Unternehmen die hohen Investitionen in Rechenzentren, Chipfertigung und Raketenentwicklung in absehbare Erträge umwandeln kann. Solange die Ausgaben schneller wachsen als die Umsätze, bleibt die Bewertung angreifbar – unabhängig davon, wie stark das operative Geschäft im Einzelnen läuft.
Ausblick
Der Bericht wird am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht. Die Wall Street erwartet, dass die Kapitalausgaben mit dem Ausbau der Rechenzentren, dem Terafab-Projekt zur Chipfertigung sowie den fortlaufenden Arbeiten an Starship weiter ansteigen werden. Offen bleibt, wie schnell SpaceX im KI-Geschäft expandieren kann und wie viele neue Kunden den Dienst bereits gebucht haben. Diese beiden Punkte dürften darüber entscheiden, wie der Markt den Bericht aufnimmt.
Kurz erklärt
- Kapitalausgaben: Investitionen eines Unternehmens in langfristige Vermögenswerte wie Anlagen, Gebäude oder Rechenzentren.
- Rechenzentrum: Ein Gebäude mit einer großen Zahl von Servern, in dem Rechenleistung für Kunden bereitgestellt wird.
- Börsengang: Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Starship: Die neue Rakete des Raumfahrtunternehmens, an der weiter gearbeitet wird.
