Aktienmarkt heute: Nasdaq und S&P 500 fallen, Dow legt zu
An einem ereignisreichen Tag voller Quartalszahlen geben Nasdaq und S&P 500 nach, während Chip-Aktien einbrechen und der Ölpreis weiter steigt.

Der Nasdaq Composite und der S&P 500 haben in den frühen Handelsstunden am Dienstag nachgegeben. Der technologieorientierte Nasdaq lag mit 0,8 Prozent im Minus, der breite Leitindex S&P 500 verlor 0,2 Prozent. Gegen den Trend stieg der Blue-Chip-Index Dow Jones Industrial Average um 0,4 Prozent. Damit trennten sich die großen US-Indizes an einem Tag, an dem eine Flut von Unternehmensergebnissen auf die Anleger einprasselte.
Der Rückzug der Tech-Werte erfolgt nach einer Erholung am Vortag. Am Montag war der Nasdaq noch gesprungen, auch der S&P 500 hatte zugelegt, weil Anleger fallende Technologietitel zum Einstieg nutzten. In der vorangegangenen Woche war die vierwöchige Gewinnserie des Nasdaq allerdings unterbrochen worden: Über fünf Handelstage verlor der Index 4,5 Prozent. Der S&P 500 schloss die Woche mit einem Minus von 2 Prozent ab – das bereits vierte negative Ergebnis in sechs Wochen. Der Dow beendete den Montag mit einem Rückgang von 0,1 Prozent, nachdem er zuvor die zweite wöchentliche Gewinnserie in Folge verbucht hatte.
Die Details
Besonders stark unter Druck standen am Dienstag die KI-nahen Aktien, die am Montag noch zugelegt hatten. Als möglicher Belastungsfaktor gilt ein Kursverlust von 32 Prozent, den das südkoreanische Neocloud-Unternehmen Elice bei seinem Börsengang hinnehmen musste. Der Indexfonds Roundhill Memory ETF (DRAM) eröffnete mit einem Minus von rund 2,5 Prozent, nachdem er am Vortag um 4 Prozent gestiegen war. Zu seinen Komponenten zählen SK Hynix (SKHY), Western Digital (WDC), Sandisk (SNDK), Micron Technology (MU) und Seagate Technology (STX) – sie fielen um bis zu 3,5 Prozent.
Der breiter aufgestellte iShares Semiconductor ETF (SOXX) verlor 2 Prozent, nachdem er zuvor fast 2 Prozent zugelegt hatte. Intel (INTC) und Marvell Technology (MRVL) gingen jeweils um etwa 2,5 Prozent zurück. Die Aktien von CoreWeave (CRWV), die in der vergangenen Woche wegen Sorgen über die Verschuldung des von Nvidia unterstützten Unternehmens um 25 Prozent eingebrochen waren, sanken erneut um 5,5 Prozent – nach einem leichten Rückgang am Vortag. Nvidia (NVDA), das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, büßte 1,5 Prozent ein. Der Roundhill Magnificent Seven ETF (MAGS), der Nvidia und die übrigen Mega-Cap-Tech-Werte der „Magnificent Seven“ abbildet, fiel um mehr als 1 Prozent, da jedes Mitglied der Gruppe nachgab. Amazon (AMZN), das die Gruppe am Montag mit einem Plus von 5 Prozent angeführt hatte, legte nur leicht zu – zuvor hatten Analysten von Morgan Stanley die Aktie zum „Top-Pick“ erklärt und ihr Kursziel angehoben.
Bei den Unternehmen, die bereits Zahlen vorlegten, ging es in beide Richtungen. General Motors (GM) verlor 5,5 Prozent, GE Aerospace (GE) 3,5 Prozent. 3M (MMM) stieg um 2 Prozent, während die Rüstungskonzerne RTX (RTX) und Northrop Grumman (NOC) um 1 beziehungsweise 5 Prozent zulegten. SpaceX (SPCX) und Netflix (NFLX) wollten ihre Ergebnisse nach dem Handelsschluss veröffentlichen.
An den Rohstoffmärkten zogen die Ölpreise an, weil die Kämpfe im Nahen Osten keine Anzeichen einer Abkühlung zeigten. Der US-Leitfutures für West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,7 Prozent auf 105,40 US-Dollar pro Barrel. Brent-Rohöl-Futures, der internationale Maßstab, legten um 0,8 Prozent auf 110,45 US-Dollar zu, nachdem sie zuvor ihren höchsten Stand seit Mitte Mai erreicht hatten. WTI-Futures sind damit neun Handelstage in Folge gestiegen und seit dem Schlusskurs über 88 US-Dollar am 7. Oktober um fast 25 Prozent geklettert. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen lag bei über 5,11 Prozent, knapp drei Basispunkte unter dem Schlusskurs vom Montag; am vergangenen Mittwoch hatte sie nach einem stärker als erwartet ausgefallenen Consumer Price Index kurz 5,33 Prozent berührt. Der Bitcoin-Kurs lag in den vergangenen 24 Stunden bei rund 81.400 US-Dollar und damit leicht niedriger. Der US-Dollar-Index rutschte um 0,2 Prozent auf 101,77 ab. Goldfutures zogen um 0,6 Prozent auf 4.135 US-Dollar pro Unze zurück.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Bewegungen sind Teil eines bereits länger andauernden Wechselspiels an den US-Märkten. Bereits am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass S&P 500 und Nasdaq nach neuen Allzeithochs einen Rückzieher machten, während eine Flut von Quartalsergebnissen, steigende Ölpreise und die zweitägige Sitzung der Federal Reserve zusammenkamen. Damals verlor der Nasdaq im frühen Handel rund 0,8 Prozent, der S&P 500 etwa 0,4 Prozent, während der Dow um 0,3 Prozent zulegte – ein Muster, das dem heutigen Tag ähnelt.
Am 24.06.2026 meldete aktien.news eine Erholung: Nach einem zweitägigen Ausverkauf stabilisierten sich die Technologiewerte, der Nasdaq stieg um 0,5 Prozent, der S&P 500 um 0,4 Prozent, der Dow um 0,1 Prozent. Auslöser des vorangegangenen Ausverkaufs waren wachsende Sorgen über Zinssätze und Bewertungen, die insbesondere Speicher- und Chipaktien wie Micron Technology unter Druck gesetzt hatten.
Am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Wall Street fester startete: Chip-Aktien erholten sich von ihrem Rücksetzer der Vorwoche, während Anleger auf wichtige Quartalsergebnisse großer Technologiekonzerne warteten. Der Dow legte damals um 0,02 Prozent auf 52.154,57 Zähler zu, der S&P 500 um 0,42 Prozent auf 7.489,18 Punkte und der Nasdaq Composite um 0,79 Prozent auf 25.720,871 Zähler.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Handelstag vor allem eines: Die Kluft zwischen Technologie- und breiteren Werten bleibt groß. Während der Nasdaq unter dem Rückzug der Chip- und KI-Aktien leidet, hält sich der Dow dank der Rüstungs- und Industrieunternehmen besser. Gleichzeitig sorgen der anhaltende Ölpreisanstieg und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen über 5,11 Prozent für ein Umfeld, in dem Bewertungen kritisch geprüft werden. Die Berichte von Goldman Sachs und Oxford Economics vom Montag deuten zudem darauf hin, dass die hohen Hypothekenzinsen über der Marke von 7 Prozent auf absehbare Zeit bestehen bleiben dürften – mit Folgen für Käufer, Verkäufer und Bauherren. Für Anleger mit US-Engagement lohnt daher der Blick auf die Unterschiede zwischen den Einzelwerten und Sektoren statt auf den breiten Index allein.
Ausblick
Weitere Impulse kommen noch am Dienstagabend: Netflix und SpaceX wollen ihre Zahlen nach dem Handelsschluss vorlegen. Von Netflix wird ein Umsatz von 12,88 Milliarden US-Dollar erwartet – ein Jahreswachstum von 12 Prozent – sowie ein Gewinn von 82 Cent je Aktie nach 59 Cent im Vorjahr. Steel Dynamics will seine Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen um 11:00 Uhr Eastern Time abhalten. Die Aktien-Futures deuteten am Dienstag auf einen Anstieg des Dow um 0,3 Prozent hin, während S&P 500-Futures weitgehend unverändert blieben und Nasdaq-100-Futures um 0,3 Prozent nachgaben.
Kurz erklärt
- Quartalszahlen: der regelmäßige Finanzbericht eines börsennotierten Unternehmens über Umsatz und Gewinn eines Geschäftsquartals.
- Börsengang (IPO): der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Aktienrückkauf: der Erwerb eigener Aktien durch ein Unternehmen, oft um den Kurs zu stützen.
- Basispunkt: eine Maßeinheit für Zinsänderungen, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel Prozentpunkt entspricht.
- ETF: ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Korb von Werten abbildet.
