Warum der Rocket-Lab-Kursverfall um 25 Prozent überzogen ist
Die Aktie von Rocket Lab hat seit dem 16. Oktober mehr als 25 Prozent verloren – ausgelöst durch die erneute Neutron-Verschiebung und die Dynamik von SpaceX.

Während der steile Kursverfall der CoreWeave-Aktie in der vergangenen Woche viele Schlagzeilen machte, verlief die Entwicklung für Rocket Lab und seine Anleger ebenfalls alles andere als ruhig. Die Aktien des End-to-End-Weltraumunternehmens fielen bis zum 16. Oktober um mehr als 25 Prozent. Zwei Faktoren werden in der Analyse von The Motley Fool als Ursache genannt: eine Verzögerung beim Start der Neutron-Rakete des Unternehmens sowie die Dynamik von Space Exploration Technologies, also SpaceX.
Für Anleger ist dabei vor allem eines wichtig: Der Kursrückgang trifft ein Unternehmen, dessen operatives Geschäft nach Einschätzung der Quelle weiter wächst. Rocket Lab verfügt demnach über eine Auftragsbuchhaltung von mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar, wobei etwa 45 Prozent davon im nächsten Jahr in Umsatz umgewandelt werden sollen. Hinzu kommt ein Umsatzwachstum von 62 Prozent im zweiten Quartal, und auch das dritte Quartal sieht nach einer Fortsetzung dieses Wachstumspfades aus.
Das Entscheidende daran: All dies geschieht bereits ohne die Neutron-Rakete. Die Quelle weist ausdrücklich darauf hin, dass der Betrieb der Neutron zwar wichtig ist, Rocket Lab aber durch sein Segment „Space Systems" – das Komponenten, Satelliten und Raumfahrzeuge umfasst – noch deutlich mehr zu bieten hat. Der Kursverfall der vergangenen Tage sei daher, so die Einschätzung, stark überbewertet.
Die Details
Der Auslöser für die jüngste Schwäche liegt im Raketenprogramm. Die Neutron-Rakete gilt als entscheidender Baustein in der Strategie von Rocket Lab, in das Mittelklasse-Segment vorzustoßen und dort mit SpaceX um Marktanteile zu konkurrieren. Genau dieses Vorhaben gerät ins Stocken: Ingenieure entdeckten nach Angaben der Quelle einen kleinen Fertigungsfehler, woraufhin das Unternehmen den Start auf 2027 verschob.
Bemerkenswert ist, dass es sich nicht um die erste Verschiebung handelt. Die Quelle betont ausdrücklich, dass Investoren deshalb zunehmend die Geduld verlieren. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass SpaceX ein gut kapitalierter Marktmacht-Faktor bleibt – ein Wettbewerber, dessen Momentum zusätzlich auf die Stimmung drückt.
Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt die Größe des Rücksetzers. Am Handelstag selbst notierte RKLB mit einem Minus von 2,32 Prozent, während SpaceX mit 2,74 Prozent im Minus lag. Die Momentaufnahme der Quelle zeigt den NASDAQ-Stand um 9:37 Uhr MEZ am 20.10.26. Der Rückgang um 25 Prozent innerhalb kurzer Zeit ist damit kein Einzelereignis, sondern Teil einer breiteren Bewegung.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass Rocket Lab den Jungfernflug seiner Neutron-Rakete erneut verschiebt und den Investoren damit einen erheblichen Schlag versetzt. Das Unternehmen teilte mit, dass die Rakete nun erstmals im Jahr 2027 starten soll. Ursprünglich war der Erstflug bereits für Ende 2025 geplant. Neutron wird von einigen Analysten als potenzieller Konkurrent zur Falcon-9-Rakete von SpaceX betrachtet.
Ebenfalls am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Aktienkurs am frühen Donnerstag fiel, nachdem der Anbieter von Startdiensten die Premiere seiner Mittelklasse-Trägerrakete am Mittwoch verschoben hatte. Die Anleger hatten auf einen zeitnahen Jungfernflug gehofft und reagierten entsprechend enttäuscht.
Am 16.10.2026 folgte der Bericht, dass die Neutron-Rakete in diesem Jahr nicht starten wird. Nach Börsenschluss am 14. Oktober hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass der Erstflug der Mittellastrakete nun für 2027 erwartet wird; Anfang des Jahres hatte man noch das vierte Quartal 2026 angestrebt. Die Aktie notierte zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei rund 53 US-Dollar, ein Rückgang von etwa 10 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Mittwoch. Damit lag das Papier etwa 65 Prozent unter seinem Rekord-Schlusskurs vom 27. Mai in Höhe von 150,23 US-Dollar.
Noch weiter zurück reicht ein Bericht vom 05.10.2026. Damals berichtete aktien.news, dass sich die Aktie von Rocket Lab seit Juni in einem starken Abwärtstrend befindet – etwa zeitgleich mit dem Börsengang von SpaceX. Aktuell notierte das Papier mehr als 50 Prozent unter seinem Höchststand. Das operative Geschäft laufe nach Einschätzung von The Motley Fool auf Hochtouren; im vergangenen Jahr verzeichnete Rocket Lab nahezu 770 Millionen US-Dollar Umsatz.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ergibt sich ein differenziertes Bild. Auf der einen Seite steht ein Unternehmen, das nach Einschätzung der Quelle weiterhin auf Wachstumskurs ist: Der Umsatz im zweiten Quartal legte um 62 Prozent zu, das dritte Quartal deutet auf eine Fortsetzung hin, und ein erheblicher Teil des Auftragsbestands von mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar soll im kommenden Jahr umsatzwirksam werden. Auf der anderen Seite steht ein hochriskantes Investment.
Denn die Bewertung war zuvor sehr hoch. Der Kursrückgang ist aus Sicht der Quelle deshalb eine willkommene Erleichterung für eine Aktie, die zuvor zu einem sehr hohen Aufschlag gehandelt wurde. Die Haupteinnahmequellen und die Auftragsbücher seien intakt und wüchsen weiter. Die Quelle sieht den Rücksetzer daher eher als Chance an und bewertet jede kurzfristige Panik als stark überzogen. Es handelt sich dabei ausdrücklich um eine Einschätzung, nicht um eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Anleger sollten zudem beachten, dass die langfristige Geschichte von Rocket Lab nicht allein an einer Rakete hängt. Das Segment „Space Systems" mit Komponenten, Satelliten und Raumfahrzeugen ist ein zweites Standbein, das unabhängig vom Neutron-Start Umsatz beisteuert. Die Verschiebung ist damit ein Rückschlag für den Zeitplan, aber nicht zwingend für das Geschäftsmodell insgesamt.
Ausblick
Die zentrale Erwartung für die kommenden Monate ist der Erstflug der Neutron-Rakete, der nun für 2027 vorgesehen ist. Zuvor hatten Anleger gehofft, dass die Rakete noch im vierten Quartal 2026 abheben würde; dieser Zeitplan wurde aufgegeben. Ursprünglich war sogar ein Erstflug bereits Ende 2025 geplant. Wie schnell Rocket Lab die entdeckte Fertigungsabweichung beheben kann, wird den weiteren Fahrplan bestimmen.
Ein weiterer Faktor bleibt die Konkurrenzsituation mit SpaceX, deren Dynamik laut Quelle zur schwachen Performance beigetragen hat. Auf der Ergebnisseite bleibt abzuwarten, ob das dritte Quartal tatsächlich an das Wachstum des zweiten Quartals anknüpft, wie es die Quelle erwartet. Darüber hinaus dürfte die Frage im Fokus stehen, welcher Anteil des Auftragsbestands von mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar wie geplant im nächsten Jahr in Umsatz umgewandelt wird.
Kurz erklärt
- Neutron-Rakete: Eine Mittelklasse-Trägerrakete von Rocket Lab, die als Konkurrenz zu größeren Startfahrzeugen positioniert ist.
- Auftragsbuch: Die Summe bereits gebuchter, aber noch nicht abgerechneter Aufträge eines Unternehmens.
- Space Systems: Das Geschäftssegment von Rocket Lab, das Komponenten, Satelliten und Raumfahrzeuge umfasst.
- End-to-End-Weltraumunternehmen: Ein Anbieter, der möglichst viele Stufen der Raumfahrt-Wertschöpfung aus einer Hand abdeckt.
