SpaceX-Managerin sagt vor New Yorker Stadtrat zur KI-Sicherheit aus
Gabriela Castillo Madrid erscheint per Videokonferenz vor dem Technologieausschuss – nach anfänglichem Widerstand und einer Vorladung.

Gabriela Castillo Madrid, die führende Expertin für Richtlinien zur künstlichen Intelligenz bei SpaceX, wird am Freitag vor dem Stadtrat von New York City aussagen. Die Anhörung ist Teil einer legislativen Untersuchung des Gremiums zur Sicherheit von KI-Systemen. Sie ist für 10:00 Uhr Eastern Time im Rathaus angesetzt, Castillo Madrid wird per Videokonferenz zugeschaltet.
Der Auftritt ist bemerkenswert, weil SpaceX zuvor sowohl Anfragen als auch eine Vorladung des Stadtrats ignoriert hatte. Das Unternehmen von Elon Musk, das in der Luft- und Raumfahrt, der Rüstung sowie der künstlichen Intelligenz tätig ist, sollte ursprünglich am 5. Oktober gemeinsam mit Führungskräften von OpenAI, Anthropic, Google und Meta aussagen. Erst nachdem der Rat damit gedroht hatte, die Vorladung gerichtlich durchzusetzen, willigte SpaceX diese Woche in die Aussage ein.
Der Stadtrat hatte seine Untersuchung nach einem Monat intensiver Debatten über die Risiken eröffnet, die von fortschrittlichen KI-Modellen ausgehen. Aus den Zeugenaussagen und den im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Informationen sollen neue Vorschriften entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob schnell aufkommende Risiken für die öffentliche Sicherheit, die Cybersicherheit, die wirtschaftliche Stabilität, den Datenschutz sowie für Verbraucher und Unternehmen sofortige gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Einwohner von New York erforderlich machen.
Die Details
Die Zeugin bringt einen ungewöhnlichen Lebenslauf mit. Laut ihrem LinkedIn-Profil arbeitete Castillo Madrid, bevor sie Anfang dieses Jahres eine Rolle in den Regierungsangelegenheiten von SpaceX übernahm, bei X, dem sozialen Netzwerk von Musk, das jetzt zu SpaceX gehört. Zuvor war sie fast drei Jahre lang beim US-Wirtschaftsministerium tätig. Sie kennt damit sowohl die Regulierungsperspektive aus Washington als auch die Kommunikationsstrukturen des Muskschen Firmenimperiums.
Das Unternehmen, das sie vertritt, ist in kurzer Zeit stark umgebaut worden. Durch die Zusammenführung von SpaceX und xAI im Februar kombinierte Musk sein KI- und Social-Networking-Geschäft mit seiner Raketenstartfirma, die auch den Starlink-Satelliteninternetdienst besitzt. Durch die Fusion erhielt SpaceX die Kontrolle über das KI-Modell Grok, das von einigen Bundesbehörden, einschließlich des Pentagon, genutzt wird.
An der Börse ist SpaceX noch ein junges Unternehmen. Der Börsengang erfolgte im Juni, inzwischen wird die Firma mit etwa 2 Billionen US-Dollar bewertet. Im August schloss SpaceX den Kauf des KI-Coding-Startups Cursor für 60 Milliarden US-Dollar ab. Beide Angaben stammen aus der Berichterstattung über den Konzern und unterstreichen, wie stark das Wachstum inzwischen an KI-Themen gekoppelt ist.
Ein zweiter Strang der Anhörung betrifft die Folgen von KI-Anwendungen für einzelne Personen. Indem SpaceX der früheren Anhörung des New Yorker Stadtrats fernblieb, entzog es sich der direkten Befragung durch das britische Parlamentsmitglied Jess Asato, die über Erfahrungen mit KI-gestützter Online-Belästigung aussagte. Asato klagt in Großbritannien gegen xAI, nachdem Nutzer von Grok sexuelle Bilder von ihr online erstellt und verbreitet hatten, ohne ihre Zustimmung. Sie fordert Schadensersatz und wirft dem Unternehmen die missbräuchliche Nutzung ihrer privaten Daten sowie Verstöße gegen europäische Datenschutzvorschriften vor.
Laut BBC kritisierte Asato SpaceX für seine „Arroganz“, nicht letzte Woche erschienen zu sein. SpaceX reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme vor dem Treffen. Offen bleibt damit bis zum Freitag, wie das Unternehmen die Vorwürfe und die regulatorischen Fragen einordnet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.02.2026 berichtete aktien.news, dass Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX unmittelbar vor einer Fusion mit seinem KI-Startup xAI stand. Laut einem Bloomberg-Bericht vom Montag befanden sich beide Unternehmen in fortgeschrittenen Verhandlungen, die bereits in derselben Woche zu einer offiziellen Ankündigung führen könnten. Mehrere Investoren seien über die geplante Transaktion informiert worden. Der Zusammenschluss war Teil von Musks strategischer Neuausrichtung, sein weitverzweigtes Unternehmensimperium enger zu verzahnen.
Am 04.04.2026 berichtete aktien.news über einen brisanten Vorgang rund um den geplanten Börsengang. Musk soll die begleitenden Banken laut einem Bericht der New York Times aufgefordert haben, Abonnements für seinen KI-Chatbot Grok zu erwerben. Mehrere Banken sollen bereits zugestimmt haben, jährlich zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar für den Dienst auszugeben, und mit der Integration in ihre IT-Systeme begonnen haben. Zu den federführenden Häusern zählten laut Reuters unter anderem Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup.
Am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass die SpaceX-Aktie im nachbörslichen US-Handel deutlich nachgab. Auslöser waren unerwartet hohe Ausgaben für den Geschäftsbereich Künstliche Intelligenz, die einen insgesamt starken ersten Quartalsbericht überlagerten. Die Anteilscheine brachen im nachbörslichen Handel um rund 7 Prozent ein. Hintergrund war die Mitteilung, dass die Investitionsausgaben im zweiten Quartal auf etwa 18,4 Milliarden US-Dollar angestiegen waren – ein Wert, der die Erwartungen der Analysten offenbar deutlich übertraf.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Stadtrat von New York City eine Vorladung an Elon Musk erlassen hat. Sie verpflichtet ihn oder einen anderen Vertreter von SpaceXAI, im Rahmen einer Untersuchung zu den Sicherheitsrisiken der künstlichen Intelligenz auszusagen. Das Schreiben wurde vom Vorsitzenden des Stadtrats, Julie Menin, und einer Anwältin des Gremiums, Nwamaka Ejebe, unterzeichnet. Die Vorladung ist damit der jüngste Schritt einer Untersuchung, die nun mit der Aussage von Castillo Madrid konkret wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre steht bei der Anhörung zunächst kein unmittelbarer Bilanzposten auf dem Spiel. Relevant ist sie dennoch, weil sie zeigt, wie stark SpaceX inzwischen regulatorischem und politischem Druck ausgesetzt ist – in New York, in Washington und in Großbritannien. Ein Unternehmen, das im Juni an die Börse ging und mit rund 2 Billionen US-Dollar bewertet wird, wird an solchen Auftritten auch gemessen.
Hinzu kommt die Erinnerung an den 05.08.2026: Schon damals reagierte der Markt empfindlich auf die Höhe der KI-Investitionen. Die Anhörung dürfte daher vor allem als Stimmungsindikator dafür dienen, wie viel zusätzlichen Aufwand Regulierung und Rechtsstreitigkeiten künftig verursachen könnten. Konkrete finanzielle Folgen nennt die Quelle nicht.
Ein dritter Aspekt ist die Reputationsseite. Der Fall Asato betrifft Inhalte, die Nutzer mit dem Modell Grok erstellt haben sollen, sowie Vorwürfe im Zusammenhang mit europäischem Datenschutzrecht. Solche Verfahren binden Managementaufmerksamkeit und können das Verhältnis zu Behörden belasten, die Grok selbst einsetzen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste feste Termin ist die Anhörung am Freitag um 10:00 Uhr Eastern Time im Rathaus von New York, bei der Castillo Madrid per Videokonferenz erwartet wird. Der Stadtrat will auf Grundlage der Zeugenaussagen und der im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Informationen neue Vorschriften gestalten. Weitere Termine oder ein Zeitplan für ein Regelwerk werden in der Quelle nicht genannt.
Klar ist, dass SpaceX die Konfrontation nicht länger vermeidet. Nach der Vorladung vom 29.09.2026 und dem Fernbleiben von der Anhörung am 5. Oktober, zu der Führungskräfte von OpenAI, Anthropic, Google und Meta erschienen waren, folgt nun die erste direkte Befragung eines SpaceX-Vertreters in dieser Untersuchung.
Kurz erklärt
- Vorladung: förmliche Aufforderung einer Behörde oder eines Gerichts, zu einem Sachverhalt auszusagen oder Unterlagen vorzulegen.
- KI-Sicherheit: Gesamtheit der Regeln und Maßnahmen, mit denen Risiken beim Einsatz künstlicher Intelligenz begrenzt werden sollen.
- Börsengang: der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Investitionsausgaben: Ausgaben eines Unternehmens für langfristige Vermögenswerte wie Anlagen, Ausrüstung und Infrastruktur.
