Shopify-Aktie fällt um 8,7 Prozent nach verfehlten Q3-Schätzungen
Der E-Commerce-Anbieter enttäuschte beim Bruttowarenvolumen und im Abonnementgeschäft, während der bereinigte Gewinn je Aktie die Erwartungen übertraf.

Shopify hat am Dienstag seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorgelegt und die Erwartungen der Analysten beim Bruttowarenvolumen sowie im Abonnementgeschäft verfehlt. Die Aktie des E-Commerce-Plattformanbieters verlor im Handel daraufhin 8,74 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 49 Cent über den LSEG-Schätzungen von 46 Cent und war damit einer der wenigen Lichtblicke des Berichts, der vor Börsenbeginn veröffentlicht wurde.
Beim Gesamtumsatz verfehlte Shopify die Prognosen nur knapp: 3,74 Milliarden US-Dollar standen LSEG-Schätzungen von 3,75 Milliarden US-Dollar gegenüber. Deutlicher fiel die Lücke beim Bruttowarenvolumen (GMV) aus, also dem Gesamtwert der über die Plattform abgewickelten Waren. Hier meldete das Unternehmen 119,15 Milliarden US-Dollar und blieb damit unter den von StreetAccount erfassten Analystenschätzungen von 120,03 Milliarden US-Dollar. Der Ausblick auf das Schlussquartal, in dem der Onlinehandel traditionell das Weihnachtsgeschäft abwickelt, liegt nicht klar über den Markterwartungen.
Der Bruttogewinn aus Abonnements bleibt knapp 20 Millionen Dollar unter den Schätzungen
Zwei Detailzahlen des Berichts dürften die Anleger besonders interessiert haben. Der Bruttogewinn aus Abonnements lag mit 661 Millionen US-Dollar nahezu 20 Millionen US-Dollar unter den StreetAccount-Schätzungen von 680,3 Millionen US-Dollar. Der Abonnementumsatz in Höhe von 836 Millionen US-Dollar blieb laut FactSet ebenfalls hinter den Analystenschätzungen von 848,1 Millionen US-Dollar zurück. Ausgleichend wirkte das Händlergeschäft: Sowohl der Bruttogewinn aus dem Händlergeschäft als auch der Händlerumsatz übertrafen die Erwartungen.
Das Bruttowarenvolumen misst den Wert aller über die Plattform abgewickelten Waren
Das GMV ist für die Bewertung von Shopify die zentrale operative Kennzahl, weil daran die Gebühreneinnahmen des Plattformbetreibers hängen. Anders als der Umsatz zeigt es nicht, was Shopify selbst verdient, sondern wie viel Ware überhaupt über die Infrastruktur des Unternehmens bewegt wird. Steigt das Volumen langsamer als erwartet, fällt damit auch das künftige Wachstumspotenzial der Gebühren- und Zusatzdienste geringer aus. Genau dieser Zusammenhang dürfte die Kursreaktion vom Dienstag erklären.
Für das Schlussquartal erwartet Shopify ein Umsatzwachstum im unteren Dreißigerbereich
Shopify gab an, im vierten Quartal ein Umsatzwachstum im „unteren Dreißigerbereich“ im Jahresvergleich zu erwarten. Die LSEG-Schätzungen liegen bei 32,1 Prozent. Der Ausblick liegt damit nicht über den Markterwartungen, was die Kursreaktion zusätzlich belastet haben dürfte. Für deutsche Anleger ist der Ausblick besonders relevant, weil das Schlussquartal für nordamerikanische E-Commerce-Unternehmen regelmäßig das umsatzstärkste des Jahres ist.
Präsident Finkelstein nennt die GMV-Entwicklung konsistent und dauerhaft
Shopify-Präsident Harley Finkelstein verteidigte die GMV-Entwicklung in einem Interview mit CNBCs „Squawk on the Street“. Er bezeichnete die Ergebnisse als „konsistent“ und „dauerhaft“ und verwies darauf, dass es sich um das 13. Quartal in Folge mit einem GMV-Wachstum von mehr als einer bestimmten Schwelle handele; die genaue Wachstumsgrenze, die das Unternehmen in diesem Zusammenhang zugrunde legt, nennt der Bericht nicht. Ein wesentlicher Wachstumstreiber könnte nach Einschätzung des Managements der agentenbasierte Handel werden.
Meta hatte im dritten Quartal seinen verbraucherorientierten KI-Agenten Muse vorgestellt, und Shopify war einer der frühen Partner. Die Partnerschaft ermöglicht es Muse, innerhalb der Muse-App Artikel auf der Shopify-Plattform zu durchsuchen und zu kaufen. Der Checkout läuft dabei über den Zahlungsdienst von Shopify, Shop Pay. Finkelstein ging zudem auf Bedenken hinsichtlich eines möglichen Preisdrucks ein, da KI-Agenten im Namen der Nutzer Preise aushandeln und Kosten vergleichen können.
Er widersprach dieser Sorge: KI-Agenten brächten neuen Traffic in das Geschäft von Shopify und hülfen Verbrauchern, neue Marken und Produkte zu finden. „Marken wie das Tin Can Phone, ein bildschirmloses Telefon für Kinder, verzeichnen enorme Erfolge aufgrund agentenbasierter Handelsmodelle, bei denen Verbraucher sehr spezifisch sind und sehr ergebnisorientierte Ergebnisse nutzen sowie den Shopify-Katalog verwenden. Es werden diesen Verbrauchern großartige Produkte präsentiert, die sie sonst nirgendwo gefunden hätten“, sagte Finkelstein.
Finkelstein räumte zugleich ein, dass die Verbraucher angesichts der wirtschaftlichen Lage vor der Weihnachtssaison unter Druck stehen. Die Unternehmen seien dennoch optimistisch, betonte er, und das agentenbasierte Shopping könne einen Durchbruch erleben. Für die Bewertung der Aktie dürfte in den kommenden Wochen entscheidend sein, ob Shopify die Umsatzdynamik im Schlussquartal halten kann. Der Kursrutsch vom Dienstag zeigt, dass der Markt nach dem Bericht zunächst Zweifel an dieser Entwicklung hat.
