Rio Tinto investiert 28 Millionen Australische Dollar gegen Kröteninvasion
Der Bergbaukonzern und seine Partner im Rhodes Ridge Joint Venture wollen die Ausbreitung der Kanatterren in die Pilbara stoppen.

Rio Tinto (ASX, LON: RIO) und seine Partner im Rhodes Ridge Joint Venture investieren 28 Millionen Australische Dollar (20 Millionen US-Dollar), um die zerstörerische Invasion der Kanatterren in Australien aufzuhalten, bevor die giftigen Amphibien die eisenerzreiche Pilbara-Region in Westaustralien erreichen. Das fünfjährige Finanzierungsengagement wird zu gleichen Teilen von Rio Tinto und dem Joint Venture getragen. Es unterstützt eine 7.500 Quadratkilometer große „Toad Containment Zone“ – eine Zurückhaltungszone für Kröten – zwischen dem Indischen Ozean und der Great Sandy Desert südlich von Broome.
Erste Arbeiten an dem Projekt sind bereits im Gange, der offizielle Projektstart ist für 2027 geplant. Die Initiative stützt sich auf jahrzehntelange wissenschaftliche Forschung und vereint die Curtin University, die Deakin University, indigene Landbesitzer, Weidetierhalter, Regierung und Industrie.
„Kanatterren sind auf dem besten Weg, die Pilbara innerhalb von zwei Jahrzehnten zu erreichen – es sei denn, wir handeln jetzt“, erklärte Professor Ben Phillips von der Curtin University. „Die Zurückhaltungszone für Kröten bietet eine einmalige Gelegenheit, eine der schlimmsten invasiven Arten der Welt aufzuhalten und die einzigartige Tierwelt der Region zu schützen.“
Die Zurückhaltungszone entzieht den Kröten gezielt das Wasser
Das Projekt sieht vor, 685 Wasserinfrastrukturelemente auf sechs Weidegebieten zu modifizieren oder einzudämmen. Dadurch entsteht ein trockener Korridor, der verhindern soll, dass sich die Amphibien nach Süden ausbreiten. Kanatterren benötigen alle paar Tage Wasser, um die Trockenzeit zu überstehen. In Gebieten, in denen natürliche Wasservorkommen knapp sind, sind sie auf künstliche Tränken angewiesen, die für Rinder und Bewässerungszwecke genutzt werden.
Die Forscher planen, diese Quellen für die Kröten unzugänglich zu machen und so die Routen abzuschneiden, die ihre Ausbreitung ermöglichen. „Die meisten anderen Ansätze zur Bekämpfung invasiver Arten zielten auf das Tier selbst ab. Hier geht es darum, die Umgebung so anzupassen, dass sie für sie unbewohnbar wird“, sagte Tim Dempster, Meeresbiologe an der Deakin University in Victoria. „Wenn wir dies richtig umsetzen, müssen wir nicht eine einzige Kröte berühren.“
Das Projekt soll rund 27 Millionen Hektar sensiblen Lebensraum schützen
Die Initiative zielt darauf ab, etwa 27 Millionen Hektar sensiblen Lebensraum zu schützen. In diesem Gebiet könnten schätzungsweise 25 einheimische Arten erheblich durch die Invasion betroffen sein, darunter der Nördliche Quoll und die Fledermausart Ghost Bat. Kanatterren haben bereits Millionen australischer Tiere getötet, darunter Schlangen, Warane und Krokodile.
Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Amphibien wurden 1935 in Queensland eingeführt, um Käfer zu bekämpfen, die Zuckerrohrkulturen schädigten. Sie scheiterten jedoch weitgehend daran, die Schädlinge unter Kontrolle zu bringen, und breiteten sich stattdessen in Nordaustralien aus. Nach Angaben im Quelltext gibt es in Australien heute mehr als 200 Millionen Kanatterren.
Rio Tinto hält 50 Prozent am Rhodes Ridge Joint Venture
Rio Tinto hält einen 50-prozentigen Anteil am Rhodes Ridge Joint Venture, neben Japans Mitsui mit 40 Prozent und AMB Holdings mit 10 Prozent. Die Partnerschaft erweitert die Beteiligung der Industrie an der Naturschutzinitiative über Rio Tintos Direktinvestition hinaus. Chris Osborn, Managing Director für Pilbara-Eisenbahn, -Häfen und -Dienstleistungen bei Rio Tinto, erklärte, das Unternehmen arbeite daran, die biologische Vielfalt der Region durch seine Umweltstrategie zu schützen.
Der westaustralische Umweltminister Matthew Swinbourn sagte, das Eindämmungsprojekt zeige, wie Industrie und Wissenschaft zusammenarbeiten könnten, um Umweltprobleme anzugehen. „Kanatterren von der Pilbara fernzuhalten, wäre ein großer Gewinn für die einheimische Tierwelt Westaustraliens“, sagte er. Auch die indigene Perspektive ist Teil des Projekts: „Kanatterren zerstören Wasser und Tiere. Wenn Kröten unserem Land nahekommen, wollen wir dort sein, um sie aufzuhalten, weil wir nicht wollen, dass das Land zerstört wird“, sagte Roberta Hunter, Rangerin der Nyangumarta und traditionelle Eigentümerin.
Die Invasion der Kanatterren stellt eine weitere Bedrohung für das kulturelle Erbe der Indigenen dar, da sie die Populationen einheimischer Tiere reduziert, die traditionell zur Nahrungsgewinnung gejagt werden, sogenannte Bush Tucker. Dazu gehören Warane, die verenden können, nachdem sie die giftigen Amphibien gefressen haben.
Bereits am 20.05.2026 berichtete aktien.news über acht Milliarden Tonnen Eisenerz aus der Pilbara
Die Pilbara ist das wirtschaftliche Herz von Rio Tinto. Bereits am 20.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Konzern seit Beginn der Förderung acht Milliarden Tonnen Eisenerz aus der Region auf die Weltmärkte verschifft hat. Die Jubiläumslieferung verließ am 19. Mai den Hafen von Cape Lambert an Bord des Frachters „Juno Horizon“ mit Ziel Japan, genauer gesagt an die Nippon Steel Corporation. Genau 60 Jahre nach der ersten Eisenerzlieferung von Rio Tinto aus der Pilbara, die im August 1966 ebenfalls nach Japan ging, schloss sich damit ein historischer Kreis.
Am 23.10.2026 meldete aktien.news, dass Rio Tinto 1,9 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung des Bauxitprojekts Kangwinan im australischen Bundesstaat Queensland investiert. Mit dem Vorhaben sollen die Fördermengen der alternden Andoom-Mine ersetzt und die jährliche Produktionskapazität der Bauxitaktivitäten von Weipa gesteigert werden. Die erste Förderung ist für das Jahr 2029 geplant, die volle Produktionskapazität soll bis 2032 erreicht sein.
Bereits am 14.07.2026 berichtete aktien.news über eine strategische Investition von Rio Tinto in Höhe von 15 Millionen US-Dollar in das kanadische Explorationsunternehmen Mogotes Metals Inc. Am 30.05.2026 berichtete aktien.news zudem über die Inbetriebnahme einer 1,5 Milliarden US-Dollar teuren Erweiterung der kohlenstoffarmen Aluminiumhütte von Rio Tinto im kanadischen Quebec.
Für Anleger ist der Schutz der Biodiversität ein Faktor für künftige Genehmigungen
Für deutsche Privatanleger ist der Vorgang vor allem als Risiko- und Kostenfaktor einzuordnen. Das Projekt könnte Bergbauunternehmen dabei helfen, steigende Kosten für die Einhaltung von Umweltvorschriften sowie komplexere Genehmigungsverfahren für Entwicklungsprojekte zu vermeiden, falls die giftigen Amphibien die einheimische Tierwelt dezimieren. Obwohl Kanatterren keine direkte Bedrohung für die Eisenerzförderung darstellen, könnte ihr Vormarsch die Ökosysteme in einer der wichtigsten Bergbauregionen Australiens grundlegend verändern.
Tim Dempster warnte, dass Bergbauunternehmen mit deutlich höheren Kosten für die Einhaltung von Umweltvorschriften konfrontiert sein könnten, wenn die Invasion anfällige Ökosysteme schädigt. „Die Pilbara ist das Herzland von Rio, daher ist es die richtige Sache zu tun, aber es ist auch wichtig für ihr Geschäft“, sagte er. Rio Tintos Engagement erfolgt sechs Jahre, nachdem das Unternehmen internationaler Verurteilung ausgesetzt war, weil es zwei 46.000 Jahre alte Felsunterkünfte zerstört hatte, die für die Aborigines am Juukan Gorge in Westaustralien heilig waren. Der damalige Chief Executive Jean-Sébastien Jacques erklärte später gegenüber australischen Gesetzgebern, dass die Zerstörung nicht hätte stattfinden dürfen, und entschuldigte sich vorbehaltlos bei den Puutu Kunti Kurrama und Pinikura.
Der Projektstart ist für 2027 geplant
Der Erfolg der Barriere hängt davon ab, die modifizierte Wasserinfrastruktur in einer weiten, abgelegenen Landschaft instand zu halten. Erste Arbeiten laufen bereits, der Projektstart ist für 2027 vorgesehen. Wenn dieser Ansatz wirksam ist, könnte er als Modell für das Management invasiver Arten an anderen Orten dienen, indem man ihnen die Ressourcen entzieht, die sie zum Überleben benötigen. Konkrete Angaben zu weiteren Terminen oder Meilensteinen enthält die Quelle nicht.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Projekts
- Kanatterren: Eine ursprünglich aus Südamerika stammende Amphibienart, die in Australien als invasive Art gilt.
- Joint Venture: Eine gemeinsame Unternehmung mehrerer Partner, die Risiken und Chancen eines Projekts teilen.
- Biodiversität: Die Vielfalt der Arten und Lebensräume in einem bestimmten Gebiet.
