OpenAI vertieft Präsenz in Abu Dhabi: Altman unterzeichnet Vereinbarungen
Das KI-Labor sichert sich Abkommen in den Bereichen Energie, Regierung und Investitionen und wirbt zugleich um Kapital aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

OpenAI hat in Abu Dhabi Vereinbarungen mit dort ansässigen Unternehmen in den Bereichen Energie, Regierung und Investitionen geschlossen. Das teilte das Medienbüro von Abu Dhabi am Montag mit. Parallel versucht das Unternehmen hinter dem Chatbot ChatGPT, in einer neuen Finanzierungsrunde bis zu 20 Milliarden US-Dollar einzusammeln, die von Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gemeinsam angeführt wird.
CEO Sam Altman traf sich mit Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan, dem Kronprinzen von Abu Dhabi und Vorsitzenden des Exekutivrats von Abu Dhabi. Während des Treffens sicherte das KI-Labor Arrangements für eine Reihe von Sektoren zur Nutzung seiner Modelle. Über die geplante Finanzierungsrunde hatte CNBC am Samstag berichtet.
Der Nahe Osten ist in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen KI-Hub aufgestiegen. Große US-Tech-Unternehmen haben Vereinbarungen zur Entwicklung riesiger Rechenzentren in der Region unterzeichnet. Der anhaltende Konflikt hat diese Attraktivität jedoch auf die Probe gestellt.
ADNOC und G42 vereinbaren den Einsatz von OpenAIs Spitzentechnologie
Die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) und G42 haben eine Vereinbarung unterzeichnet, um die Spitzentechnologie von OpenAI einzusetzen. Konkret wollen die drei Partner die Technologie von OpenAI in den Operationen von ADNOC verwenden. Damit erhält das KI-Labor Zugang zu einem der größten Energiekonzerne der Region.
Ein weiteres Abkommen betrifft den Finanzsektor. Der staatliche Investor Mubadala, Inception42 und OpenAI haben vereinbart, fortschrittliche KI-Fähigkeiten in der Investitionsanalyse einzusetzen. Die Regierung von Abu Dhabi kündigte zudem eine Initiative mit dem KI-Labor an, um Regierungsrichtlinien und -vorschriften in maschinenlesbarer Form zu übersetzen.
Inception42 und OpenAI haben außerdem eine fünfjährige Vereinbarung unterzeichnet. Sie soll die Einführung von KI-Spitzentechnologien in Regierung, Wirtschaft und Bildung ermöglichen.
Altman kommentierte die Vereinbarungen mit den Worten: „Abu Dhabi und die VAE setzen einen kühnen, globalen Standard für die KI-Integration in beiden Sektoren, der öffentlichen und privaten, um sicherzustellen, dass die Vorteile der KI allen zugutekommen.“ Weiter sagte er: „Wir sind stolz darauf, die Ambitionen der VAE zu unterstützen, die auf einem gemeinsamen Engagement für Sicherheit, Zugänglichkeit und verantwortungsvolle Innovation basieren.“
OpenAI hat in den vergangenen Monaten mehrfach Kapital aus der Golfregion gesucht
Die aktuellen Gespräche stehen in einer längeren Reihe von Finanzierungsbemühungen. Bereits am 22.01.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI in fortgeschrittenen Gesprächen mit Staatsfonds aus dem Nahen Osten über eine neue Finanzierungsrunde steht. Nach Informationen von CNBC könnte die Runde ein Volumen von rund 50 Milliarden US-Dollar erreichen. CEO Sam Altman hielt sich damals in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf, um persönlich an den Investitionsgesprächen teilzunehmen. Konkrete Term Sheets waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht unterzeichnet.
Am 06.10.2026 meldete aktien.news, dass OpenAI Gespräche über eine Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar führt. An den Verhandlungen waren mehrere Investmentfonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt, darunter MGX, ein in Abu Dhabi ansässiger Investmentfonds. Auch der US-Vermögensverwalter BlackRock war Teil der Gespräche. Die VAE-Fonds planten laut einer mit der Sache vertrauten Person, ein Konsortium zu bilden, um gemeinsam in die Finanzierungsrunde zu investieren.
Am 21.10.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI eine 30-Milliarden-Dollar-Runde aggressiv vorantreibt, um Kapital vor dem für Mitte November erwarteten Börsengang des Konkurrenten Anthropic einzusammeln. Zu den bestehenden Geldgebern zählten die SoftBank Group und MGX. Am 23.10.2026 folgte der Bericht, dass OpenAI kurz vor dem Abschluss einer Runde von bis zu 30 Milliarden US-Dollar steht. Die Vorher-Wertung (Pre-Money) lag demnach bei 1,25 Billionen US-Dollar. Angeführt wurde die Runde von Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeinsam mit dem Investmenthaus Coatue.
MGX hat nach Angaben von CNBC beide Labore unterstützt. Dazu zählen die gemeinsame Führung der 30-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde von Anthropic im Februar sowie der 122-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde von OpenAI im März. OpenAI und Anthropic haben sich an Investoren im Nahen Osten gewandt, weil sie nach immer größeren Kapitalpools suchen, um ihr Wachstum zu finanzieren.
Für deutsche Anleger bleibt die Bewertungsfrage der zentrale Punkt
Für Privatanleger in Deutschland ist OpenAI weiterhin nicht direkt an der Börse investierbar. Die Vorgänge in Abu Dhabi sind dennoch relevant, weil sie die Kapitalflüsse in der KI-Branche und die Bewertungsdynamik sichtbar machen. Die genannten Summen zeigen, in welchem Umfang staatliche Fonds aus der Golfregion inzwischen als Geldgeber für US-KI-Unternehmen auftreten.
Interessant ist die Verbindung zu Anthropic. Beide Labore konkurrieren um Kapital und um Marktanteile, und beide werden teilweise von denselben Investoren unterstützt. MGX ist hier das deutlichste Beispiel. Für Anleger, die über börsennotierte Technologiewerte oder Fonds indirekt am KI-Thema partizipieren, ist die Frage relevant, wie stark die Abhängigkeit dieser Unternehmen von einzelnen Kapitalgebern ausfällt.
Die Vereinbarungen mit ADNOC, Mubadala und der Regierung von Abu Dhabi zeigen zudem, dass es nicht nur um Geld geht. OpenAI sichert sich Zugang zu Anwendungsfeldern in Energie, Investitionsanalyse und öffentlicher Verwaltung. Solche Referenzprojekte können die kommerzielle Verbreitung der Modelle beschleunigen.
Die Finanzierungsrunde ist noch nicht abgeschlossen
Ob die neue Runde über bis zu 20 Milliarden US-Dollar tatsächlich in dieser Höhe zustande kommt, ist offen. Der Quelltext nennt keinen Zeitpunkt für einen Abschluss. Auch die endgültige Struktur der Beteiligung der VAE-Investoren wird nicht genannt. Klar ist bislang nur, dass die Runde von Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeinsam angeführt werden soll.
Offen bleibt ebenfalls, wie sich der anhaltende Konflikt in der Region auf die Attraktivität des Standorts auswirkt. Der Quelltext weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Attraktivität auf die Probe gestellt wird. Für die kommenden Monate bleibt daher abzuwarten, ob weitere US-Tech-Unternehmen vergleichbare Abkommen in der Golfregion abschließen.
Drei Fachbegriffe erklären die Vorgänge in Abu Dhabi
- Pre-Money-Bewertung: Die Bewertung eines Unternehmens vor dem Zufluss des neu eingeworbenen Kapitals.
- Term Sheet: Eine Absichtserklärung, die die wesentlichen Bedingungen einer Finanzierung zusammenfasst.
- Sovereign Wealth Fund: Ein staatlicher Investmentfonds, der öffentliche Mittel anlegt.
