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Neues EU-Grenzsystem EES: Lange Wartezeiten für Reisende drohen

Das neue digitale EU-Grenzsystem EES sorgt in diesem Sommer für Verzögerungen an europäischen Flughäfen – Wartezeiten von bis zu sechs Stunden möglich.

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Neues EU-Grenzsystem EES: Lange Wartezeiten für Reisende drohen

Reisende müssen sich in diesem Sommer auf lange Warteschlangen an europäischen Flughäfen einstellen. Der Grund: Das neue Entry/Exit System der EU, kurz EES, ist seit Oktober letzten Jahres in Betrieb und erlebt nun seine erste große Bewährungsprobe während der sommerlichen Hauptreisezeit. Besonders britische Urlauber sind betroffen, da sie als Drittstaatsangehörige nach dem Brexit bei der Einreise in den Schengen-Raum biometrische Daten hinterlegen müssen.

Das EES ersetzt das bisherige manuelle Abstempeln von Reisepässen. Es überwacht, wer in den Schengen-Raum ein- und ausreist – ein Verbund aus 29 europäischen Ländern. Drittstaatsangehörige, darunter britische Staatsbürger, müssen bei der Passkontrolle Fingerabdrücke und ein Foto abgeben. An beliebten Urlaubszielen wie Frankreich, Spanien, Portugal und Italien erledigen Passagiere diesen Schritt nach der Landung an automatisierten Kiosken. Bei der Ausreise werden die gespeicherten Informationen dann verifiziert. Kinder unter 12 Jahren sind ausgenommen – bei ihnen kontrolliert weiterhin das Grenzpersonal den Reisepass.

Wartezeiten von bis zu sechs Stunden

Die Einführung des Systems verlief nicht reibungslos. Während es an einigen Flughäfen gut funktioniert, wurden an anderen mehrstündige Wartezeiten gemeldet. Ein Vertreter des internationalen Luftfahrtverbandes IATA warnte, dass die Warteschlangen an manchen Standorten bis zu sechs Stunden lang sein könnten. Reiseexperten und Branchenvertreter machen technologische Probleme sowie einen zu geringen Personalstand an den Grenzen für die Verzögerungen verantwortlich. Zudem gibt es Berichte über Reisende, die ihre biometrischen Daten mehrfach registrieren mussten.

Die Folgen können gravierend sein: Einige Passagiere haben bereits ihre Rückflüge verpasst, weil sie ihr Gate aufgrund der langen EES-Kontrollen nicht rechtzeitig erreichten. Der UK-Chef von Wizz Air empfahl gegenüber der BBC, dass Passagiere drei Stunden vor ihrem Rückflug am Flughafen erscheinen sollten. Ob Fluggesellschaften auf verspätete Passagiere warten, ist unterschiedlich. Während einige Airlines angeben, nach Möglichkeit zu warten, gilt Ryanair als Beispiel für eine Fluggesellschaft, die dies ablehnt.

Ausnahmen und Gegenmaßnahmen

Die Sommerferien gelten als wichtiger Test für das neue System. Griechenland hat entschieden, die biometrischen Kontrollen für britische Besucher während der Hauptreisezeit nicht anzuwenden. Die Europäische Kommission erlaubt eine Aussetzung des Systems unter „außergewöhnlichen Umständen, die zu übermäßigen Wartezeiten führen", bis September. An besonders belasteten Standorten sind Verbesserungen geplant: Portugal hat beispielsweise für Juli hunderte zusätzliche Grenzbeamte angekündigt. Flughäfen empfehlen Passagieren generell, den Hinweisen ihrer Fluggesellschaft zur rechtzeitigen Ankunft zu folgen.

Auch Reisende, die per Fähre oder Zug fahren, sind betroffen. An Standorten wie dem Fährhafen Dover, dem Eurotunnel-Terminal in Folkestone und dem Eurostar-Bahnhof St Pancras führt die französische Grenzpolizei Passkontrollen durch, bevor Reisende das Vereinigte Königreich verlassen. Dort stehen seit Monaten Dutzende Automaten für das EES-Verfahren bereit, befinden sich jedoch noch nicht im Routinebetrieb. In Dover bildeten sich zu Beginn der Mai-Ferien lange Autoschlangen, obwohl noch keine Fingerabdrücke und Fotos erfasst wurden. Die französischen Grenzbehörden setzten das Verfahren daraufhin aus.

ETIAS: Das nächste EU-Reisesystem kommt 2026

Parallel zum EES plant die EU die Einführung des European Travel Information and Authorisation Systems, kurz ETIAS. Dieses an den Reisepass gebundene Visumbefreiungssystem baut auf dem EES auf. Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern, die für die Einreise kein Visum benötigen – darunter Briten –, können vorab online eine Reisegenehmigung beantragen. Der Start von ETIAS ist für Ende 2026 geplant, ein genaues Datum wurde jedoch noch nicht bestätigt.

Die Kosten für ETIAS belaufen sich auf 20 Euro (rund 17,47 Pfund) pro Antrag, der drei Jahre lang gültig ist. Personen unter 18 und über 70 Jahren müssen den Antrag ebenfalls stellen, sind jedoch von der Gebühr befreit. Für deutsche Urlauber, die als EU-Bürger vom EES nicht direkt betroffen sind, ist ETIAS dennoch relevant – etwa wenn sie Reisende aus dem Vereinigten Königreich oder anderen Drittstaaten begleiten und mit Verzögerungen an gemeinsamen Grenzübergängen rechnen müssen.

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