Kinderdepot für Paul: 50 Euro monatlich in den MSCI World
Seine Eltern eröffneten das Depot, als Paul neun Monate alt war – das Startkapital kam aus dem Taufgeld.

Paul ist vier Jahre alt und hat kein Interesse an Aktien, Fonds oder Zinseszins. Stattdessen begeistert er sich für Spielzeugbagger. Und doch besitzt der Junge bereits ein Wertpapierdepot. Seine Eltern haben es eröffnet, als Paul neun Monate alt war, wie die Wirtschaftswoche berichtet.
Kinderdepots gelten als Instrument, mit dem Eltern für Minderjährige langfristig Vermögen aufbauen können. Im Fall von Paul begann der Vermögensaufbau mit dem Taufgeld des Kindes. Auf dieser Basis investieren seine Mutter Stefanie Kurz und ihr Partner seither monatlich 50 Euro.
Das angestrebte Ziel ist ein kleines Vermögen, das Paul bis zu seiner Volljährigkeit erreichen soll. Ob das Depot zugleich einen Beitrag zur Finanzbildung leistet, ist eine offene Frage. Der Vierjährige jedenfalls interessiert sich derzeit weder für Kurse noch für Zinseszins.
Die Eltern setzen auf einen ETF auf den MSCI World
Das Kinderdepot von Paul ist auf einen einzigen Baustein ausgerichtet: einen ETF auf den globalen Aktienindex MSCI World. Ein solcher Fonds bildet die Entwicklung eines breiten Aktienmarkts nach, statt auf einzelne Unternehmen zu setzen. Die monatliche Sparrate von 50 Euro fließt damit in ein breit gestreutes Portfolio.
Die Beteiligten sind schnell benannt: Paul als Depotinhaber, seine Mutter Stefanie Kurz und ihr Partner als Einzahler. Das Startkapital stammte aus dem Taufgeld. Die Eröffnung fiel in die Zeit, als Paul neun Monate alt war; heute ist er vier Jahre alt.
Die Frage, ob ein Kinderdepot zur Finanzbildung beiträgt, lässt sich nicht allein mit dem Kontostand beantworten. Ein Depot kann Kindern den Umgang mit Geld und Kapitalmärkten näherbringen, wenn Eltern es erklären. Im Fall von Paul steht dieser Effekt noch aus, denn der Vierjährige interessiert sich bislang ausschließlich für Spielzeugbagger.
Die Frühstartrente soll Kinder früh an die Kapitalmärkte heranführen
Das Thema ist politisch in Bewegung. Bereits am 17.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Bundestag die Frühstartrente der schwarz-roten Bundesregierung beschlossen hat. Damit treibt die Koalition aus Union und SPD eines ihrer zentralen rentenpolitischen Vorhaben voran. Ganz abgeschlossen ist das Gesetzgebungsverfahren jedoch noch nicht, denn die Zustimmung des Bundesrats stand weiterhin aus. Kernidee ist es, Kinder früh für die private Altersvorsorge zu sensibilisieren und an die Kapitalmärkte heranzuführen.
Schon am 27.03.2026 hatte aktien.news über die grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge berichtet. Ab dem kommenden Jahr können Bürger demnach das neue Altersvorsorgedepot besparen – ohne Garantiepflichten, die bislang die Rendite aufgefressen haben. Stattdessen entscheiden Sparer selbst über ihre Anlage, und der Staat belohnt sie mit Zulagen. Der Bundestag hat den entsprechenden Beschluss gefasst, womit nach 25 Jahren die Ära der renditeschwachen Riester-Verträge endet.
Auch der Blick ins Ausland gehört zum Kontext. Am 19.07.2026 berichtete aktien.news über die sogenannten Trump Accounts in den USA. Anfang Juli läutete US-Präsident Donald Trump die goldene Glocke der New Yorker Börse für den offiziellen Start eines staatlich geförderten Wertpapierdepots speziell für Kinder. Ziel des Programms ist es, Minderjährigen frühzeitig den Zugang zum Aktienmarkt zu ermöglichen und damit eine langfristige Grundlage für die private Altersvorsorge zu schaffen. Das Angebot steht grundsätzlich allen Minderjährigen unter 18 Jahren offen.
Ein weiteres Beispiel lieferte aktien.news am 06.10.2026. Die beiden Kinder von Richard und Caitlin Brain sind gerade einmal 20 Monate und fünf Monate alt, doch ihre Eltern haben bereits Rentenkonten für sie eingerichtet. Das Paar aus Swansea im Süden von Wales zahlt monatlich 50 Pfund in das jeweilige Konto seiner Kinder ein. Nach den aktuellen britischen Vorschriften für private Rentenfonds können die Kinder auf dieses Geld jedoch erst mit 57 Jahren zugreifen.
Für Privatanleger zählt vor allem der lange Anlagehorizont
Für Privatanleger, die ein Kinderdepot erwägen, ist der Anlagehorizont das entscheidende Kriterium. Wer für ein Kleinkind spart, kann über viele Jahre hinweg Schwankungen an den Aktienmärkten aussitzen. Ein monatlicher Sparplan sorgt dafür, dass Käufe zu unterschiedlichen Kursen erfolgen, statt alles zu einem einzigen Zeitpunkt zu investieren.
Zugleich sollten Eltern wissen, dass das Vermögen im Depot rechtlich dem Kind gehört. Bis zur Volljährigkeit verwalten die Eltern das Konto, danach verfügt das Kind selbst über das Geld. Wer ein Kinderdepot eröffnet, bindet Kapital also langfristig und gibt die Kontrolle zu einem festen Zeitpunkt ab. Auch die laufenden Kosten eines ETF sollten Anleger vor dem Abschluss prüfen, da sie die Rendite über die Jahre beeinflussen.
Ein breit gestreuter Index-ETF verteilt das Risiko über zahlreiche Unternehmen und Länder. Das schützt nicht vor Verlusten, reduziert aber die Abhängigkeit von einzelnen Titeln. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; die Entscheidung hängt von Ziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft ab.
Ein weiterer Aspekt ist die Auswahl des Index. Der MSCI World umfasst Unternehmen aus zahlreichen Industrieländern, nicht aber aus allen Regionen der Welt. Anleger, die eine breitere Streuung wünschen, können dies bei der Produktauswahl berücksichtigen. Entscheidend bleibt, dass die gewählte Strategie zum eigenen Plan passt und über die gesamte Laufzeit durchgehalten wird.
Der Ausblick bleibt an Pauls Volljährigkeit gebunden
Der konkrete Plan im Fall von Paul ist eng an seine Volljährigkeit geknüpft: Bis dahin soll aus den monatlichen 50 Euro ein kleines Vermögen entstehen. Auf politischer Ebene bleibt abzuwarten, ob die Frühstartrente nach dem Beschluss des Bundestags auch die Zustimmung des Bundesrats erhält. Das neue Altersvorsorgedepot soll derweil ab dem kommenden Jahr für Sparer verfügbar sein.
Drei Begriffe erklären das Modell Kinderdepot
- Kinderdepot: ein Wertpapierdepot, das auf den Namen eines Minderjährigen läuft und von den Eltern oder Erziehungsberechtigten geführt wird.
- ETF: ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet und Anlegern eine breite Streuung ermöglicht.
- MSCI World: ein globaler Aktienindex, der die Entwicklung von Unternehmen aus zahlreichen Industrieländern abbildet.
