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Kanadas neue Staatsbürgerschaftsregeln: Massives Interesse aus den USA

Erweiterte Abstammungsregeln locken Tausende Amerikaner – fast die Hälfte aller neuen Genehmigungen stammt aus den USA.

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Kanadas neue Staatsbürgerschaftsregeln: Massives Interesse aus den USA

Kanada hat seine Staatsbürgerschaftsregeln ausgeweitet, und die Nachfrage aus den USA ist enorm. Seit das neue Gesetz in Kraft getreten ist, steigen die monatlichen Genehmigungen für den Nachweis der Staatsbürgerschaft durch Abstammung rasant an. Daten der kanadischen Einwanderungsbehörde IRCC zeigen, dass die Genehmigungen in diesem Jahr bisher um mehr als 1.000 pro Monat gestiegen sind – verglichen mit lediglich 275 zusätzlichen Genehmigungen im Dezember 2025, als das Gesetz erstmals in Kraft trat.

Konkret beliefen sich die Genehmigungen im Januar auf 1.140, im Februar auf 1.255 und im März bereits auf 1.405. Besonders auffällig: Rund 48 Prozent der zusätzlichen Genehmigungen bis Februar stammten aus den Vereinigten Staaten. Das zeigt, wie stark das Interesse amerikanischer Staatsbürger an einer kanadischen Staatsbürgerschaft ist.

Hintergrund: Was hat sich geändert?

Das neue kanadische Staatsbürgerschaftsgesetz reagiert auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2023. Damals stellte ein Gericht fest, dass die bisherige Beschränkung der Staatsbürgerschaft auf die erste im Ausland geborene Generation verfassungswidrig war. Seitdem können auch Personen, deren Vorfahren seit mehreren Generationen außerhalb Kanadas gelebt haben, die kanadische Staatsbürgerschaft beantragen – sofern sie ihre Abstammung nachweisen können.

Dies steht in einem bemerkenswerten Kontrast zur sonstigen Einwanderungspolitik Kanadas: Die Regierung in Ottawa hat in den vergangenen Jahren die allgemeinen Einwanderungsziele deutlich gesenkt. Die Abstammungsregelung bildet hier eine Ausnahme und öffnet eine neue Tür für Hunderttausende Menschen weltweit mit kanadischen Wurzeln.

Politische Unsicherheit in den USA als Treiber

Einwanderungsanwälte sehen in dem hohen Anteil amerikanischer Antragsteller ein klares Signal. Nick Berning, ein in den USA ansässiger Einwanderungsanwalt, erklärt: „Das aktuelle Interesse an der kanadischen Staatsbürgerschaft ist definitiv von der US-Politik beeinflusst. Sie wollen in den USA bleiben, aber falls die Situation unhaltbar wird, wollen sie einen Ausweg."

Die politischen Spannungen zwischen den USA und Kanada haben sich unter Präsident Donald Trump deutlich verschärft. Trump hat hohe Zölle auf kanadische Waren erhoben und wiederholt davon gesprochen, Kanada als 51. Bundesstaat der USA zu annektieren. Gleichzeitig zeigen Umfragen eine wachsende Unzufriedenheit mit der Trump-Regierung innerhalb der amerikanischen Bevölkerung.

Ein konkretes Beispiel liefert William Hunnewell, ein 41-jähriger Amerikaner aus Seattle. Sein Urgroßvater war vor dem Ersten Weltkrieg Siedler in der kanadischen Provinz Saskatchewan, sein Großvater wurde in Kanada geboren. Hunnewell hat Anfang des Jahres einen Antrag gestellt und rechnet in neun Monaten bis zu einem Jahr mit einer Antwort. „Das Wichtigste ist, dass es unserer Familie Optionen gibt", sagt er. „Wenn meine Tochter in Kanada studieren oder leben möchte, kann sie einfach gehen – es gibt kein Visum, keine Fristen."

Optionen sichern, nicht unbedingt auswandern

Experten betonen, dass die meisten neuen Staatsbürger, die unter dem Gesetz zugelassen werden, voraussichtlich im Ausland bleiben werden. Viele wollen sich schlicht ihre Möglichkeiten offenhalten – sei es für Studium, Arbeit oder im Notfall eine dauerhafte Umsiedlung. Einwanderungsanwälte erklären, dass der hohe Anteil an Amerikanern auch die historisch engen Bindungen zwischen den beiden Nachbarländern widerspiegelt.

Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Neue Staatsbürger, die nie in Kanada gelebt haben, können die Staatsbürgerschaft nicht unbegrenzt an ihre im Ausland geborenen Kinder weitergeben. Die Regelung schafft also Optionen für die aktuelle Generation, ist aber nicht automatisch auf alle künftigen Generationen übertragbar.

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