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Carney warnt vor Alberta-Separation: „Gefährlicher Bluff" wie Brexit

Kanadas Premierminister zieht Parallelen zum Brexit-Referendum und warnt vor wirtschaftlichen Folgen einer Abspaltung Albertas.

Carney warnt vor Alberta-Separation: „Gefährlicher Bluff" wie Brexit

Kanadas Premierminister Mark Carney hat die separatistische Bewegung in der ölreichen Provinz Alberta scharf kritisiert. In einem Gespräch mit Journalisten in Ottawa bezeichnete er die Bestrebungen als „sehr gefährlichen Bluff" – und zog dabei einen direkten Vergleich zum Brexit-Referendum des Vereinigten Königreichs aus dem Jahr 2016. Carney sprach von einer „Beobachtung aus Erfahrung", denn er war zwischen 2013 und 2020 selbst Gouverneur der Bank of England.

Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Ankündigung von Albertas Premierministerin Danielle Smith. Sie kündigte vergangene Woche Pläne für eine unverbindliche Abstimmung in der Provinz an. Dabei soll die Bevölkerung entscheiden, ob Alberta Teil Kanadas bleiben oder eine zweite, diesmal bindende Abstimmung über eine Abspaltung einleiten will. Die Abstimmung soll voraussichtlich im Herbst stattfinden.

Hinter der Bewegung steht die Initiative „Stay Free Alberta", die nach eigenen Angaben mehr als 300.000 Unterschriften gesammelt hat. Unterstützer sind teilweise von der Überzeugung getragen, dass Alberta von der kanadischen Bundespolitik vernachlässigt wurde. Die Provinz ist das Zentrum der kanadischen Ölindustrie und fühlt sich wirtschaftlich und politisch oft übergangen.

Historisches Vorbild: Das Quebec-Referendum von 1995

Kanada kennt solche Debatten aus der eigenen Geschichte. Im Jahr 1995 hielt die Provinz Quebec ein Referendum über die Unabhängigkeit von Kanada ab. Das Ergebnis war denkbar knapp: 50,58 Prozent der Wähler stimmten gegen eine Abspaltung. Das Land blieb geeint – aber nur mit hauchdünner Mehrheit.

Carneys Warnung speist sich jedoch vor allem aus seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Brexit. Als Gouverneur der Bank of England erlebte er 2016 aus nächster Nähe, wie das britische Votum für den EU-Austritt die Finanzmärkte erschütterte. Das britische Pfund brach nach der Abstimmung gegenüber den wichtigsten Währungen ein und hat sich bis heute nicht auf das Niveau vor dem Brexit erholt.

Wirtschaftliche Folgen des Brexit als mahnendes Beispiel

Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Brexit sind bis heute spürbar. Der Londoner Aktienmarkt, das IPO-Umfeld und die ausländischen Direktinvestitionen litten unter den Folgen des Votums. Einige Ökonomen schätzen, dass der Brexit das britische Bruttoinlandsprodukt bis zum vergangenen Jahr um bis zu 8 Prozent verringert hat. Als Treiber für diese Entwicklung werden die schwächere Dynamik bei Beschäftigung, Produktivität und Investitionen genannt.

Auch politisch hinterließ der Brexit tiefe Spuren: Die damalige Premierministerin Theresa May trat zurück, nachdem die Verhandlungen über ein Austrittsabkommen mit der EU gescheitert waren. Großbritannien verließ den Block offiziell im Jahr 2020. Das Verhältnis zur EU bleibt bis heute ein umstrittenes Thema in der britischen Öffentlichkeit.

Im vergangenen Jahr einigten sich die EU und das Vereinigte Königreich auf ein wegweisendes Abkommen zur Neugestaltung ihrer Beziehungen, das Bereiche von Sicherheit und Handel bis hin zu Reisen und Fischerei abdeckt. Dennoch ist die politische Debatte in Großbritannien nicht zur Ruhe gekommen: Während die Green Party engere Beziehungen zur EU fordert, setzt die rechtspopulistische Reform UK auf einen noch härteren Kurs – inklusive Austritt aus der Europäischen Menschenrechtskonvention und Verschärfung der Einwanderungspolitik.

Für Carney, der im vergangenen Jahr das Amt des kanadischen Premierministers übernahm, ist die Botschaft klar: Wer eine Abspaltung leichtfertig in Gang setzt, riskiert wirtschaftliche und politische Folgen, die sich im Nachhinein kaum rückgängig machen lassen – wie das Beispiel Brexit eindrücklich zeige.

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