Gucci-Verkäufe enttäuschen: China-Schwäche bremst die Trendwende bei Kering
Die Kering-Aktie fällt stark, nachdem Gucci im dritten Quartal auf vergleichbarer Basis 6 Prozent weniger Umsatz machte als erwartet.

Die Aktien des französischen Luxusgüterkonzerns Kering SA sind am Donnerstag deutlich gefallen. Auslöser war die Nachricht, dass die Umsätze der Kernmarke Gucci im dritten Quartal stärker zurückgingen als von Analysten erwartet. Die Schwäche in China untergrub dabei die jahrelangen Bemühungen des Unternehmens um eine Trendwende.
Konkret sank der Umsatz der italienischen Modemarke auf vergleichbarer Basis um 6 Prozent. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Rückgang von 3,3 Prozent gerechnet. Die Zahlen wurden am Donnerstag über den Bloomberg Terminal veröffentlicht.
Auf Konzernebene fiel das Minus kleiner aus: Die Gesamtumsätze der Gruppe sanken um 1 Prozent. Für die Reaktion an der Börse dürfte jedoch entscheidend sein, dass Kering keine Bestätigung für sein Ziel lieferte, in diesem Jahr wieder zum Wachstum zurückzukehren. Genau dieses Ziel hatte das Management erst im Februar ausgegeben.
Die Details
Die Kernzahl des Tages ist der Rückgang von 6 Prozent bei Gucci auf vergleichbarer Basis. Diese Kennzahl vergleicht die Umsätze von Filialen, die bereits im Vorjahr geöffnet waren, und rechnet Wechselkurseffekte heraus. Sie gilt deshalb als der aussagekräftigste Indikator für die tatsächliche Nachfrage nach einer Marke.
Die Erwartungen der Analysten lagen bei einem Minus von 3,3 Prozent. Die tatsächliche Entwicklung fiel damit deutlich schwächer aus als am Markt prognostiziert. Kering selbst meldete die Zahlen am Donnerstag über den Bloomberg Terminal.
Auf Ebene des Gesamtkonzerns betrug der Rückgang 1 Prozent. Kering bündelt unter seinem Dach neben Gucci unter anderem die Marken Yves Saint Laurent und Bottega Veneta. Gucci ist dabei seit Jahren die größte und zugleich problematischste Marke des Portfolios.
Die geografische Verteilung der Schwäche ist ein zentraler Punkt: Der Umsatzrückgang geht maßgeblich auf die Schwäche in China zurück. Das Land war über Jahre der wichtigste Wachstumstreiber für die europäische Luxusindustrie. Ein Gucci-Geschäft im Einkaufsviertel Nanjing Road in Shanghai steht sinnbildlich für die Bedeutung, die der chinesische Markt für die Marke hat.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.02.2026 berichtete aktien.news, dass Kering im vierten Quartal 2025 erste Anzeichen einer Trendwende präsentiert hatte. Der Quartalsumsatz lag bei 3,905 Milliarden Euro (4,65 Milliarden Dollar) und damit 9 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Gegenüber dem dritten Quartal bedeutete das jedoch eine Stabilisierung, denn damals hatte der Konzern einen Umsatzeinbruch von 10 Prozent auf 3,415 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Die Problemmarke Gucci erwirtschaftete im Schlussquartal einen Umsatz von 1,62 Milliarden Euro, ein Minus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, lag damit aber leicht über den Analystenschätzungen.
Ebenfalls am 10.02.2026 meldete aktien.news, dass die Kering-Aktie deutlich zulegte, nachdem das Unternehmen eine Rückkehr zum Wachstum im Jahr 2026 angekündigt hatte. Auf vergleichbarer Basis war der Umsatz im vierten Quartal 2025 um 3 Prozent gesunken. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang gerechnet, weshalb die Zahlen positiv aufgenommen wurden.
Am selben Tag berichtete aktien.news zudem über einen Kursanstieg von 12 Prozent bei der Kering-Aktie. Der neue CEO Luca de Meo hatte die Führung der Vorzeigemarke Gucci übernommen und eine strategische Neuausrichtung angekündigt.
Am 10.10.2026 berichtete aktien.news über einen Führungswechsel im Konzern: Anthony Vaccarello, Kreativdirektor von Saint Laurent, scheidet nach zehn Jahren aus dem Unternehmen aus; bekannt gegeben wurde dies am 9. Oktober. Unter Vaccarello war der Jahresumsatz von Saint Laurent im Jahr 2023 auf über 3 Milliarden Euro gestiegen, getragen von der starken chinesischen Nachfrage. Auf den Boom folgte die Ernüchterung: 2024 und 2025 verzeichnete Kering Umsatzrückgänge von 9 bzw. 6 Prozent. Die Aktie des Konzerns ist im laufenden Jahr um 31 Prozent eingebrochen. CEO Luca de Meo sucht seither nach einer neuen strategischen Ausrichtung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft des Tages eindeutig: Die erhoffte Trendwende bei Gucci lässt weiter auf sich warten. Der Umsatzrückgang von 6 Prozent auf vergleichbarer Basis liegt deutlich unter den Markterwartungen von 3,3 Prozent, und die Schwäche in China trifft ausgerechnet den Markt, der die Luxusbranche über Jahre getragen hat.
Besonders relevant ist, dass Kering sein Ziel, in diesem Jahr wieder zum Wachstum zurückzukehren, nicht bestätigt hat. Damit fehlt Anlegern ein wichtiger Orientierungspunkt, der im Februar noch für Kursfantasie gesorgt hatte. Die Aktie hatte damals deutlich zugelegt, unter anderem um 12 Prozent an einem Handelstag.
Zugleich bleibt die Bewertung des Konzerns eng an die Entwicklung der Kernmarke Gucci gekoppelt. Solange die Nachfrage in China schwach bleibt, dürften sich die Erwartungen an eine nachhaltige Erholung nur schwer erfüllen. Die im Oktober gemeldete Personalie bei Saint Laurent zeigt zusätzlich, dass der Konzern auf mehreren Baustellen gleichzeitig arbeitet.
Ausblick
Kering hat für das laufende Jahr keine Bestätigung seines Wachstumsziels vorgelegt. Ob und wann der Konzern wieder zu steigenden Umsätzen zurückkehrt, bleibt damit offen. CEO Luca de Meo sucht nach einer neuen strategischen Ausrichtung für den Konzern.
Beobachten sollten Anleger vor allem die Entwicklung in China sowie die nächsten Quartalszahlen der Marke Gucci. Auch die Neuaufstellung bei Saint Laurent nach dem Abgang von Anthony Vaccarello dürfte den weiteren Kursverlauf beeinflussen.
Kurz erklärt
- Vergleichbare Basis: Umsatzkennzahl, die Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Filialen herausrechnet und so die tatsächliche Nachfrageentwicklung zeigt.
- Luxusgüterkonzern: Unternehmen, das mehrere teure Modemarken unter einem gemeinsamen Dach bündelt.
- Trendwende: dauerhafte Rückkehr zu steigenden Umsätzen nach einer Phase des Rückgangs.
