Gold steigt: Warsh dämpft Zinserwartungen, Futures erreichen 4.200 Dollar
Der Gold-Spotpreis legt um 0,4 Prozent auf 4.180,29 Dollar je Unze zu, nachdem Äußerungen von Fed-Chef Warsh die Erwartung weiterer Zinserhöhungen abkühlen.

Gold hat den Handel mit Gewinnen aufgenommen. Um 00:51 Uhr ET (04:51 Uhr GMT) stieg der Gold-Spotkurs um 0,4 Prozent auf 4.180,29 US-Dollar pro Unze. Die US-Gold-Futures legten um 0,5 Prozent auf 4.200,92 US-Dollar je Unze zu und notierten damit erstmals wieder über der Marke von 4.200 Dollar. Auslöser der Bewegung sind Äußerungen des Fed-Vorsitzenden, die von den Marktteilnehmern als Signal für eine Pause bei den Zinserhöhungen gelesen werden.
Die gesamte Edelmetallgruppe profitierte von der freundlichen Stimmung. Silber verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 57,7300 US-Dollar pro Unze, Platin kletterte ebenfalls um 1,3 Prozent auf 1.655,53 US-Dollar. Der Spot-Preis für Palladium stieg um 1,5 Prozent auf 1.132,74 US-Dollar. Der US-Dollar-Index bewegte sich dagegen kaum und gab um 0,04 Prozent auf 101,80 nach.
Für Gold ist das insofern bemerkenswert, als das Edelmetall die vorangegangene Woche mit einem Verlust von 0,7 Prozent beendet hatte. Händler senkten die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um einen viertel Prozentpunkt auf weniger als 20 Prozent, nachdem Warshs Äußerungen so interpretiert wurden, dass sie eine Zinspause bei der nächsten Fed-Sitzung in der kommenden Woche unterstützen würden.
Die Details
Ein stärker als erwartet ausgefallener US-Inflationswert in der vergangenen Woche hatte die Erwartungen an weitere Verschärfungen der Geldpolitik zunächst wiederbelebt und den Dollar gestützt. Die Kommentare des Fed-Vorsitzenden durchbrachen diesen Aufwärtstrend. Höhere Kreditkosten wirken sich typischerweise belastend auf Gold aus, da das Metall keine Zinsen abwirft und im Vergleich zu verzinslichen Anlagen damit an Attraktivität verliert, sobald die Zinsen steigen.
Trotz der jüngsten Schwächephase hat sich Gold seit August oberhalb des wichtigen Support-Niveaus von 4.000 US-Dollar pro Unze gehalten. Die Nachfrage nach sicheren Häfen bot den Notierungen ein Fundament, nachdem ein durch den Krieg getriebener Einbruch die Preise Anfang dieses Jahres in das Gebiet einer Baisse getrieben hatte. Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA und Iran Ende Februar ist Gold allerdings immer noch um rund ein Fünftel gefallen.
Die Analysten der ANZ sehen darin eine Verschiebung der Bewertungslogik am Goldmarkt. Fiskalische Bedenken und Fragen der Schuldennachhaltigkeit ließen erhöhte Renditen weniger als Zeichen eines stärkeren Wachstums denn als Grund erscheinen, Gold als Absicherung zu halten. Das stütze die langfristigen Aussichten des Edelmetalls, auch wenn kurzfristig hohe Renditen und ein starker Dollar weiteren Verkaufsdruck auslösen könnten, bevor eine nachhaltige Rallye einsetzt.
Zusätzliche Nachfrage kommt aus China und aus den Notenbanken. Chinesische Anleger hätten angesichts der Schwäche an den Aktien- und Immobilienmärkten weiterhin Gold bevorzugt, so die ANZ. Zentralbanken hätten ihre Bemühungen zur Diversifizierung ihrer Reserven weg von der Abhängigkeit von einzelnen Vermögenswerten beschleunigt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Goldpreise spürbar zugelegt hatten: Um 09:56 Uhr ET (13:56 Uhr GMT) war der Spot-Goldpreis um 0,9 Prozent auf 4.104,21 US-Dollar pro Unze gestiegen, die Gold-Futures kletterten sogar um 1,6 Prozent auf 4.100,50 US-Dollar pro Unze. Auslöser waren damals gleich mehrere Faktoren: die Neubewertung der Fed-Kommunikation, ein schwächerer US-Dollar sowie eine erneute Eskalation der Spannungen im Nahen Osten. Die Fed ließ die Leitzinsen unverändert, Fed-Vorsitzender Kevin Warsh bekräftigte das Engagement der Zentralbank, die Inflation wieder auf das langjährige Ziel von 2 Prozent zu senken.
Am 02.07.2026 hatte sich der Goldpreis von einem Achtmonatstief erholt. Der Kassapreis für Gold stieg bis 20:40 Uhr ET um 0,3 Prozent auf 4.043,23 US-Dollar je Unze, die Gold-Futures legten um 0,7 Prozent auf 4.054,67 US-Dollar pro Unze zu. Getragen wurde die Erholung von Schnäppchenkäufern, nachdem das Edelmetall im Juni-Quartal den schlechtesten Quartalsrückgang seit 13 Jahren verbucht hatte. Auch Silber und Platin profitierten von der Erholungsbewegung: Silber stieg um 1,3 Prozent auf 59,8790 US-Dollar pro Unze, Platin legte um 2,1 Prozent zu.
Am 11.08.2026 notierte Gold nahe dem höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. XAU/USD stieg um 0,4 Prozent auf 4.407,79 US-Dollar pro Unze, während Gold-Futures sogar um 1,1 Prozent auf 4.467,59 US-Dollar zulegten. Bemerkenswert war damals, dass die Kaufdynamik selbst den Gegenwind durch einen festeren US-Dollar, steigende Treasury-Renditen und höhere Energiepreise überwog. Den Auftakt zur Rally bildete ein Kurssprung von 2,4 Prozent am Freitag, nachdem Daten zu den US-Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft im Juli veröffentlicht worden waren.
Am 17.10.2026 beendeten die Gold-Futures eine dreitägige Verlustserie. Fallende US-Zinsen und ein schwächerer US-Dollar stützten die Notierungen des Edelmetalls. Der Gold-Future mit dem nächsten Fälligkeitsmonat stieg um 1,5 Prozent auf 4.147,70 US-Dollar pro Feinunze, der Silber-Future im Frontmonth legte um 2,3 Prozent auf 56,837 US-Dollar pro Feinunze zu.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Gemengelage zweigeteilt. Kurzfristig hängt die Richtung des Goldpreises stark an den Erwartungen über den weiteren Zinspfad der US-Notenbank und an der Entwicklung des US-Dollar. Steigt die implizite Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen wieder, dürfte das den Dollar stützen und Gold belasten – ein Mechanismus, der sich in den vergangenen Monaten mehrfach gezeigt hat.
Mittelfristig sprechen nach Einschätzung der ANZ andere Faktoren für das Edelmetall: fiskalische Risiken, die Nachfrage der Zentralbanken und das anhaltende Kaufinteresse chinesischer Anleger. Wer Gold als Absicherung hält, sollte beachten, dass das Metall keine laufenden Erträge abwirft und deshalb besonders empfindlich auf Veränderungen der Zinserwartungen reagiert. Das Support-Niveau von 4.000 US-Dollar pro Unze hat seit August gehalten.
Ausblick
Die ANZ erwartet, dass das Aufwärtspotenzial von Gold kurzfristig begrenzt bleibt, bevor die Preise im Jahr 2027 über 5.000 US-Dollar pro Unze steigen. Diese Prognose hängt teilweise von der fortgesetzten Investitionstätigkeit und der Nachfrage der Zentralbanken ab, selbst wenn Anleger den Verlauf der US-Zinssätze und die Entwicklung des Dollars abwägen. Der nächste wichtige Termin ist die Fed-Sitzung in der kommenden Woche, bei der die Märkte derzeit eine Pause bei den Zinserhöhungen einpreisen.
Kurz erklärt
- Implizite Wahrscheinlichkeit: Kennzahl aus dem Handel mit Zins-Futures, die angibt, wie stark der Markt eine bestimmte Zinsentscheidung erwartet.
- Support-Niveau: Preiszone, in der erfahrungsgemäß verstärkt Käufer auftreten und einen weiteren Kursverfall bremsen.
- Safe Haven: Anlage, die Anleger in unsicheren Marktphasen bevorzugt halten, weil sie als vergleichsweise stabil gilt.
