Gold-Futures schließen höher: US-Zinsen und Dollar geben nach
Fallende US-Zinsen und ein schwächerer Dollar beenden die dreitägige Verlustserie des Goldes – Silber legt deutlich zu.

Die Gold-Futures haben eine dreitägige Verlustserie beendet. Fallende US-Zinsen und ein schwächerer US-Dollar stützten die Notierungen des Edelmetalls. Der Gold-Future mit dem nächsten Fälligkeitsmonat stieg um 1,5 Prozent auf 4.147,70 US-Dollar pro Feinunze.
Auch der Silber-Future im Frontmonth verzeichnete einen Gewinn und legte um 2,3 Prozent auf 56,837 US-Dollar pro Feinunze zu. Die Erholung fällt damit kräftig aus, nachdem die Edelmetalle zuvor unter Druck gestanden hatten.
Der Gold-Kontrakt für die Oktober-Lieferung an der Comex legte um 62,90 US-Dollar pro Feinunze oder um 1,54 Prozent auf 4.147,70 US-Dollar zu. Damit schlossen die Gold-Futures nach drei Verlusttagen wieder im Plus.
Die Details
Der Analyst Fawad Razaqzada von Forex.com ordnet die Entwicklung in einer Notiz zurückhaltend ein. "Zwar hat der kurzfristige Druck nachgelassen, doch ich wäre zurückhaltend, die heutigen Gewinne als klares Signal dafür zu interpretieren, dass die Korrektur beendet ist", zitiert der Bericht den Marktbeobachter. Der Anstieg sei also nicht automatisch als Trendwende zu verstehen.
Als dämpfenden Faktor für die Abwärtsbewegung nennt Razaqzada die Käufe der Zentralbanken des Edelmetalls. Diese Nachfrage stütze den Goldpreis und begrenze größere Rückschläge. Zugleich verweist der Analyst auf die höheren als erwarteten US-Inflationszahlen dieser Woche.
Angesichts dieser Inflationsdaten "muss die Fed erneut Zinsen anheben und vorübergehend eine hawkische Ausrichtung beibehalten, insbesondere wenn die Ölpreise weiter steigen", so Razaqzada weiter. Ein solches Umfeld gilt traditionell als Belastung für Gold, da höhere Zinsen das Halten des zinslosen Edelmetalls weniger attraktiv machen. Der Bericht stammt aus der Redaktion der US-Wirtschaftszeitung und trägt die Autorenkennung anthony.harrup@wsj.com.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Bewegung ist Teil einer längeren Phase von Schwankungen am Goldmarkt, die aktien.news in den vergangenen Monaten begleitet hat. Bereits am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Goldpreise nach einem Zweimonatshoch nachgaben. Damals fiel der Spot-Goldpreis (XAU/USD) um 0,5 Prozent auf 4.388,64 US-Dollar pro Unze, während Gold-Futures ebenfalls um 0,5 Prozent auf 4.446,12 US-Dollar nachgaben. Auch Silber (XAG/USD) verlor damals 0,4 Prozent auf 65,08 US-Dollar, Platin (XPT/USD) gab um 0,6 Prozent auf 1.746,71 US-Dollar nach. Auslöser des zwischenzeitlichen Anstiegs war der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli, der im Vergleich zum Vormonat lediglich um 0,1 Prozent zulegte.
Bereits am 15.05.2026 hatte aktien.news über eine viertägige Verlustserie beim Gold berichtet. Damals verzeichnete das Edelmetall den vierten Rückgang in Folge, nachdem eine Reihe starker US-Konjunkturdaten den Dollar beflügelte und die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der Federal Reserve zurückschraubte. Der Spot-Goldpreis sank seinerzeit um 0,7 Prozent auf 4.620,67 US-Dollar pro Unze, die US-Gold-Futures gaben um 1,3 Prozent auf 4.624,87 US-Dollar nach. Auf Wochensicht summierte sich das Minus damals auf rund 2 Prozent.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Goldpreise gestiegen waren und den stärksten Tagesverlust seit einer Woche vom Vortag wieder wettgemacht hatten. Ausschlaggebend war ein deutlicher Rückgang der Ölpreise, der die Inflationsängste dämpfte. Hinzu kamen ein schwächerer US-Dollar sowie neue diplomatische Signale aus Washington in Richtung Iran. Die Feinunze Gold (XAU/USD) legte damals um 0,4 Prozent auf 4.359,40 US-Dollar zu, die Gold-Futures stiegen um 0,3 Prozent auf 4.396,85 US-Dollar. Silber kletterte um 0,6 Prozent auf 66,43 US-Dollar, Platin gewann 0,3 Prozent auf 1.809,03 US-Dollar.
Nur wenige Tage später, am 26.09.2026, drehte die Stimmung wieder. Nach dem Bericht von aktien.news fiel der Goldpreis am Donnerstag auf das Niveau des Vortages zurück und notierte so niedrig wie zuletzt vor einer Woche. Am Donnerstagmorgen in New York stand Gold im Spotmarkt 0,4 Prozent tiefer bei 4.271,16 US-Dollar pro Unze, nachdem es zuvor seinen Tiefststand seit dem 16. September berührt hatte. Die US-Gold-Futures für die Lieferung im Dezember verloren 0,3 Prozent und schlossen bei 4.306 US-Dollar. Drei Faktoren lasteten damals auf dem Edelmetallmarkt: steigende Ölpreise, ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung, dass die Federal Reserve bei den Zinsen einen eher restriktiven Kurs verfolgen wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt die aktuelle Entwicklung, wie stark der Goldpreis von der US-Zinspolitik und der Dollar-Entwicklung abhängt. Sinkende US-Zinsen und ein schwächerer Dollar wirken als Rückenwind, während eine hawkische Fed und steigende Ölpreise den Gegenwind verstärken. Der Bericht macht deutlich, dass beide Kräfte derzeit gleichzeitig wirken.
Hinzu kommt die Nachfrage der Zentralbanken, die nach Einschätzung von Razaqzada die Abwärtsbewegung dämpft. Diese institutionelle Nachfrage kann Phasen schwacher Kurse abfedern, ersetzt aber keine klare Richtungsentscheidung. Anleger sollten daher die weiteren Inflations- und Zinsdaten im Blick behalten, da sie die Richtung des Edelmetalls maßgeblich bestimmen.
Auch der Blick auf Silber lohnt sich: Der Frontmonth-Kontrakt legte mit 2,3 Prozent stärker zu als Gold. Silber reagiert häufig kräftiger auf Bewegungen am Edelmetallmarkt als das gelbe Metall. Wer in Edelmetalle investiert, sollte zudem beachten, dass die Notierungen in US-Dollar notiert sind und Währungsschwankungen die Rendite in Euro zusätzlich beeinflussen können.
Ausblick
Der weitere Verlauf hängt nach Einschätzung von Razaqzada maßgeblich von der US-Geldpolitik ab. Sollte die Fed angesichts der höheren als erwarteten Inflationszahlen erneut die Zinsen anheben und vorübergehend eine hawkische Ausrichtung beibehalten, dürfte dies Gold belasten. Als zusätzlicher Faktor gilt die Entwicklung der Ölpreise: Steigen sie weiter, könnte dies den Inflationsdruck erhöhen und die Fed in ihrem restriktiven Kurs bestärken.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Zentralbanken ein stützender Faktor. Ob die jüngsten Gewinne tatsächlich das Ende der Korrektur markieren, lässt der Bericht ausdrücklich offen. Razaqzada selbst zeigt sich zurückhaltend, die heutigen Gewinne als klares Signal für eine Trendwende zu werten.
Kurz erklärt
- Gold-Future: Ein standardisierter Terminkontrakt, mit dem Marktteilnehmer Gold zu einem festgelegten Preis zu einem künftigen Zeitpunkt kaufen oder verkaufen.
- Feinunze: Die gängige Gewichtseinheit für den Handel mit Gold und anderen Edelmetallen.
- Hawkisch: Eine geldpolitische Haltung, die auf straffere Zinsen und die Bekämpfung der Inflation ausgerichtet ist.
- Frontmonth: Der Kontrakt mit dem nächstgelegenen Fälligkeitstermin an einem Terminmarkt.
