Chinas Zentralbank kauft 23 Tonnen Gold – Schmucknachfrage sinkt
Chinas Zentralbank kauft im September 23 Tonnen Gold – der größte Monatszukauf seit fast drei Jahren.

Die People's Bank of China hat im September 23 Tonnen Gold gekauft. Das ist der größte monatliche Zukauf der chinesischen Zentralbank seit fast drei Jahren. Damit beschleunigt die Notenbank ihre Akkumulation von Edelmetallen erneut. Die Angaben stammen aus einem Bericht des kanadischen Branchendienstes Northern Miner.
Über das gesamte dritte Quartal summierten sich die Goldkäufe der chinesischen Zentralbank auf 63 Tonnen. Der September steuerte mit 23 Tonnen den größten Einzelbeitrag bei und markierte zugleich den stärksten Monat seit fast drei Jahren. Die People's Bank of China setzt ihre Strategie damit fort, ihre Währungsreserven schrittweise stärker mit Gold zu unterlegen.
Ganz anders sieht es auf dem Schmuckmarkt des Landes aus. Während die Zentralbank ihre Bestände ausbaute, kämpfte das Geschäft mit Goldschmuck mit Schwierigkeiten. Für deutsche Anleger ist diese Divergenz aufschlussreich: Sie zeigt, dass die Goldnachfrage in China nicht einheitlich verläuft, sondern sich zwischen institutionellen Käufern und privaten Verbrauchern auseinanderentwickelt.
Die Details
Die zentralen Zahlen aus dem Bericht des Northern Miner lassen sich klar benennen. Im September stockte die People's Bank of China ihre Goldbestände um 23 Tonnen auf. Das war der größte Monatszukauf seit fast drei Jahren. Im dritten Quartal summierte sich das Kaufvolumen auf 63 Tonnen.
Der Zukauf steht im Kontrast zum Schmucksegment. Der Schmuckmarkt des Landes kämpfte im selben Zeitraum mit Schwierigkeiten. China ist das Land mit dem größten Goldkonsum weltweit und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Veränderungen in der chinesischen Nachfrage haben deshalb Gewicht für den gesamten globalen Goldmarkt.
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: Der starke September-Zukauf fällt in eine Phase, in der das private Geschäft mit Gold in China bereits länger an Dynamik verloren hatte. Die Zentralbank kaufte also in einem Umfeld, in dem die Verbrauchernachfrage nachgab.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news, dass die People's Bank of China ihre Goldeinkäufe im März fortgesetzt und damit die Serie auf 17 aufeinanderfolgende Monate ausgeweitet hatte. Mit einem Zukauf von 160.000 Feinunzen stiegen die chinesischen Gesamtreserven auf 74,38 Millionen Feinunzen. Der in US-Dollar gemessene Wert der Goldreserven sank im März jedoch deutlich, von 387,59 Milliarden US-Dollar auf 342,76 Milliarden US-Dollar. Ursache dafür war nicht ein Rückgang der physischen Bestände, sondern der erhebliche Preisrückgang.
Am 07.05.2026 folgte der nächste Bericht: China erhöhte seine Goldreserven zum 18. Mal in Folge. Die Bestände erreichten Ende April 74,64 Millionen Feinunzen – nach 74,38 Millionen Unzen im März. Der Gesamtwert der chinesischen Goldreserven belief sich Ende April auf 344,17 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 342,76 Milliarden US-Dollar im Vormonat. Der Wertzuwachs markierte eine Erholung nach dem ersten Rückgang seit Monaten im März. Der Gold-Spotpreis sank im April den zweiten Monat in Folge.
Am 13.06.2026 berichtete aktien.news über eine Abkühlung des chinesischen Goldmarktes im Mai. Laut einem Bericht des World Gold Council sorgte ein Zusammenspiel aus schwächeren Goldpreisen, robusten Aktienmärkten und einer gedämpften Nachfrage im Schmuckbereich für eine merkliche Abkühlung der Investitionstätigkeit im weltgrößten Goldkonsumentenland. Besonders auffällig: Chinesische börsengehandelte Goldfonds (ETFs) verzeichneten ihre ersten monatlichen Abflüsse seit August 2025. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei der Großhandelsnachfrage aus.
Am 22.09.2026 meldete aktien.news, dass China in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres eine Rekordsumme von 158,8 Milliarden US-Dollar für den Import von mehr als 1.000 Tonnen Gold ausgegeben hatte. Das ging aus Handelsdaten hervor, die die Financial Times ausgewertet hatte. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab China 96,5 Milliarden US-Dollar für 886 Tonnen Gold aus. Der diesjährige Anstieg erfolgte, nachdem die Goldkäufe Chinas im vergangenen Jahr während einer intensiven Rallye zwischenzeitlich zurückgegangen waren.
Was das für Anleger bedeutet
Die jüngsten Zahlen zeigen zwei gegenläufige Kräfte im wichtigsten Goldmarkt der Welt. Auf der einen Seite steht die Zentralbank, die ihre Bestände systematisch und über viele Monate hinweg ausbaut – die Serie reicht nach den vorliegenden Berichten weit über ein Jahr zurück. Auf der anderen Seite steht die private Nachfrage, die sich zuletzt deutlich abgekühlt hat, sowohl im Schmuckbereich als auch bei börsengehandelten Fonds.
Für deutsche Privatanleger ist dabei ein Aspekt wichtig: Der in US-Dollar gemessene Wert der chinesischen Goldreserven schwankt auch dann stark, wenn die physischen Bestände unverändert bleiben oder steigen. Genau das zeigte sich im März, als der Reservenwert fiel, während die Zentralbank weiter zukaufte. Die reine Mengenbetrachtung und die Wertbetrachtung können also auseinanderfallen.
Hinzu kommt, dass sich die Nachfrageseite ausdifferenziert. Institutionelle Käufer wie Zentralbanken handeln strategisch und über lange Zeiträume, während private Nachfrage stärker auf Preisentwicklung und die Lage an den Aktienmärkten reagiert. Der Bericht des World Gold Council führte die Abkühlung im Mai ausdrücklich auf schwächere Goldpreise, robuste Aktienmärkte und eine gedämpfte Schmucknachfrage zurück.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Daten liefern jedoch einen Anhaltspunkt dafür, wie sich die Nachfragestruktur im größten Goldkonsumland der Welt verschiebt.
Ausblick
Der Bericht des Northern Miner nennt keine konkreten Termine, Zielmarken oder Stückzahlen für weitere Goldkäufe der People's Bank of China. Auch eine Aussage dazu, wie sich der Schmuckmarkt im weiteren Jahresverlauf entwickeln soll, enthält der Quelltext nicht.
Beobachtbar bleibt zunächst die Serie kontinuierlicher Zentralbankkäufe, die nach den vorliegenden Berichten seit mindestens März 2025 ununterbrochen andauert. Auf der anderen Seite steht die private Nachfrage, die laut dem Bericht des World Gold Council zuletzt an Schwung verloren hat.
Kurz erklärt
- Feinunze: Eine Feinunze ist die Standardmaßeinheit für Gold und bezeichnet eine genau definierte Masse reinen Goldes.
- Währungsreserven: Währungsreserven sind die von einer Notenbank gehaltenen Vermögenswerte, zu denen auch Goldbestände zählen.
- Gold-ETF: Ein Gold-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der Anlegern indirekt Zugang zur Preisentwicklung von Gold verschafft.
