Fundmanager bleiben optimistisch trotz stagnierender Aktienmärkte und Anleiheturbulenzen
Die BofA-Umfrage für Oktober zeigt widerstandsfähige Anlegerstimmung: Cash-Reserven unter 4 Prozent, sinkender Bond-Pessimismus und bullish Gewinnprognosen.

Der S&P 500 bewegt sich seit zwei Monaten in einer Seitwärtsbewegung, und im September sorgte eine Panik am Anleihemarkt für erhebliche Unruhe. Angesichts dieser Gemengelage könnte man erwarten, dass die Fund-Manager-Umfrage der Bank of America (BofA) für Oktober eine eher bärische Einschätzung der Anlegerstimmung liefert. Dem ist jedoch nicht so.
Die Cash-Niveaus der befragten Fondsmanager liegen weiterhin unter der Marke von 4 Prozent. Die Inflationserwartungen sind so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Der Pessimismus bezüglich der Anleihemärkte befindet sich nahe dem Tiefststand seit dem Frühjahr 2025.
Eine Mehrheit der Anleger erwartet zudem ein doppelstelliges Wachstum des Gewinns pro Aktie (EPS) im Jahr 2027. Und es besteht die Überzeugung, dass die Federal Reserve ihre Politik in diesem Monat unverändert lassen wird. Die Umfrage wurde am 13. Oktober 2026 veröffentlicht und stammt aus der Berichterstattung von MarketWatch.
Die Details
Die BofA-Umfrage unter Fondsmanagern gilt als einer der meistbeachteten Stimmungsindikatoren der Finanzbranche. Für den Oktober zeigt sie ein Bild, das sich deutlich von der Nervosität an den Märkten abhebt. Vier Kernpunkte stechen hervor:
- Die Cash-Reserven liegen weiterhin unter 4 Prozent.
- Die Inflationserwartungen sind auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren.
- Der Pessimismus am Anleihemarkt ist nahe dem Tiefststand seit dem Frühjahr 2025.
- Eine Mehrheit erwartet ein doppelstelliges EPS-Wachstum im Jahr 2027.
Hintergrund dieser Zahlen ist ein widersprüchliches Marktumfeld. Der S&P 500 tritt seit zwei Monaten auf der Stelle, während der Anleihemarkt im September von Panik geprägt war. Normalerweise würde eine solche Kombination die Stimmung unter professionellen Investoren belasten. Die Oktober-Umfrage deutet jedoch auf eine widerstandsfähige Anlegerstimmung hin.
Bemerkenswert ist auch die Erwartung an die Geldpolitik. Die befragten Fondsmanager gehen mehrheitlich davon aus, dass die Federal Reserve ihre Politik in diesem Monat unverändert lässt. Diese Annahme stützt die Zuversicht an den Aktienmärkten, da eine stabile Zinspolitik den Bewertungsdruck reduziert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung der Anlegerstimmung lässt sich anhand früherer Berichte von aktien.news nachzeichnen. Bereits am 20.01.2026 berichtete aktien.news, dass Investoren weltweit so bullish eingestellt waren wie seit Dezember 2021 nicht mehr. Der hauseigene Bull & Bear Indikator der BofA war damals auf einen „Hyper-Bull"-Wert von 9,4 geklettert. Netto 48 Prozent der befragten Fondsmanager gaben an, keinerlei Absicherung gegen einen starken Aktienmarkt-Rückgang zu besitzen – der höchste Wert seit acht Jahren. Parallel sanken die Barbestände auf ein Rekordtief von nur noch 3,2 Prozent.
Am 14.07.2026 meldete aktien.news, dass die globale Anlegerstimmung laut der BofA-Umfrage den höchsten Stand seit Februar erreicht hatte. Fondsmanager blickten zunehmend optimistischer auf die Wirtschaftsaussichten, die Ausgaben im Bereich künstlicher Intelligenz sowie die Erwartung einer lockereren Geldpolitik der US-Notenbank. Die Cash-Quoten fielen von 4,1 Prozent im Juni auf ein „extrem niedriges" Niveau von 3,6 Prozent. Dieser Wert löste das sogenannte konträre Verkaufssignal der BofA aus.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries die Marke von fünf Prozent überschritten hatte, während der Ölpreis aufgrund geopolitischer Spannungen weiterhin über 100 Dollar pro Barrel notierte. Dennoch blieben Anleger optimistisch für Aktien. Die Umfrage unter 170 Fondsmanagern, die gemeinsam Vermögen in Höhe von 470 Milliarden Dollar verwalten, ergab, dass netto 49 Prozent der Befragten globale Aktien übergewichtet hatten.
Nur einen Tag später, am 17.09.2026, berichtete aktien.news, dass sich die Stimmung unter professionellen Anlegern abkühlte. Die durchschnittliche Cash-Quote stieg von 3,5 Prozent im Vormonat auf 3,9 Prozent – der stärkste monatliche Anstieg seit März 2026. Hintergrund war ein nachlassender Optimismus, den die Autoren der Studie als „übermäßige Bullishness" des Sommers bezeichneten. Das breiteste Stimmungsbarometer der Umfrage, das sich aus Cash-Niveaus, Aktienallokationen und globalen Wachstumserwartungen zusammensetzt, fiel von einem Wert von 8 auf 7.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert die Oktober-Umfrage mehrere Anhaltspunkte. Die niedrigen Cash-Niveaus unter 4 Prozent zeigen, dass professionelle Investoren weiterhin nahezu vollständig investiert sind. Das kann als Signal für anhaltendes Vertrauen in die Aktienmärkte gelesen werden, birgt aber auch Risiken: Wenig Cash bedeutet wenig Puffer für den Fall, dass sich die Marktlage eintrübt.
Der nachlassende Pessimismus am Anleihemarkt deutet darauf hin, dass Fondsmanager die Turbulenzen im September zunehmend als vorübergehend einordnen. Gleichzeitig sind die Inflationserwartungen so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr – ein Umfeld, das traditionell sowohl Aktien als auch Anleihen stützt.
Die Erwartung eines doppelstelligen EPS-Wachstums im Jahr 2027 ist ein zentraler Baustein der optimistischen Haltung. Sollten sich diese Gewinnprognosen nicht bestätigen, könnte die Stimmung jedoch schnell kippen. Die Annahme einer unveränderten Fed-Politik in diesem Monat gibt den Märkten zusätzlich Halt.
Ausblick
Die Umfrage der Bank of America wird monatlich erhoben und gilt als wichtiger Frühindikator für die Stimmung professioneller Investoren. Für den weiteren Verlauf bleibt abzuwarten, ob sich die Seitwärtsbewegung des S&P 500 fortsetzt und wie sich der Anleihemarkt nach der September-Panik entwickelt. Entscheidend dürfte sein, ob die Federal Reserve ihre Politik in diesem Monat tatsächlich unverändert lässt, wie es die Mehrheit der befragten Fondsmanager erwartet. Auch die Gewinnentwicklung der Unternehmen im Jahr 2027 wird die Zuversicht der Anleger maßgeblich bestimmen.
Kurz erklärt
- Cash-Quote: Der Anteil des verwalteten Vermögens, den Fondsmanager in bar oder in kurzfristigen, liquiden Anlagen halten.
- EPS (Gewinn pro Aktie): Der auf eine einzelne Aktie entfallende Gewinn eines Unternehmens, eine zentrale Kennzahl für die Bewertung.
- Bull & Bear Indikator: Ein Stimmungsbarometer der Bank of America, das Anlegerpositionen zu einem einzigen Optimismus-Wert verdichtet.
