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FIFA-Partner ADI Predictstreet: WSJ meldet verdächtig zirkuläres Handelsvolumen

Der neue FIFA-Partner ADI Predictstreet zahlte mehr als 150 Millionen Dollar – doch laut WSJ stammt fast jede Transaktion von verknüpften Konten.

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FIFA-Partner ADI Predictstreet: WSJ meldet verdächtig zirkuläres Handelsvolumen

ADI Predictstreet ist ein Neuling im Geschäft mit Prognosemärkten – und feierte sein Debüt ausgerechnet dort, wo die größte Aufmerksamkeit der Welt lag: in den Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Auftritt war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Deals. Mehr als 150 Millionen US-Dollar zahlte das Unternehmen an die FIFA, um offizieller Partner des globalen Fußballverbands zu werden.

Der teure Auftritt gerät nun in ein anderes Licht. Laut einer Analyse öffentlicher Daten, über die das Wall Street Journal berichtet, wurde seit Ende August nahezu jede Transaktion auf der Plattform von einem kleinen Netzwerk verknüpfter Konten getätigt. Die Zahlen legen damit nahe, dass ein Großteil des Handelsvolumens von ADI Predictstreet nicht authentisch ist.

Das ist mehr als ein Detail am Rand. Prognosemärkte leben von der Annahme, dass die dort gehandelten Wahrscheinlichkeiten ein breites Stimmungsbild der Nutzer abbilden. Ein Handelsvolumen, das von einem kleinen Kreis verbundener Konten erzeugt wird, verzerrt genau dieses Bild. Für Beobachter stellt sich damit die Frage, wie belastbar die auf der Plattform angezeigten Kurse überhaupt sind.

Die Details

Im Zentrum des Berichts steht der Zahlungsstrom: ADI Predictstreet habe der FIFA mehr als 150 Millionen US-Dollar gezahlt, um offizieller Partner des Weltverbands zu werden. Die Gegenleistung war Sichtbarkeit – das Debüt der Plattform fiel mitten in die Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft, eines der reichweitenstärksten Sportereignisse überhaupt.

Die zweite zentrale Angabe betrifft die Handelsaktivität selbst. Nach Auswertung öffentlicher Daten wurde seit Ende August nahezu jede Transaktion auf der Plattform von einem kleinen Netzwerk verknüpfter Konten ausgeführt. Die Formulierung ist bewusst vorsichtig: Es handelt sich ausdrücklich um eine Analyse öffentlich zugänglicher Daten, nicht um eine Aussage der Plattform oder der FIFA.

Grundlage der Berichterstattung ist eine Untersuchung des Wall Street Journal. Der Text stammt aus dem Umfeld von Dow Jones & Company, Inc., die Rechte liegen bei Dow Jones. Eine Stellungnahme von ADI Predictstreet oder der FIFA zu den Ergebnissen der Analyse wird in dem Bericht nicht wiedergegeben.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Branche der Prognosemärkte steht seit Monaten unter Beobachtung. Bereits am 25.05.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse des Hauses Evercore ISI: Unter der Leitung von Julian Emanuel hatte das Strategenteam untersucht, unter welchen Bedingungen Plattformen wie Kalshi und Polymarket tatsächlich nützliche Wahrscheinlichkeiten liefern. Kernaussage: Kontrakte mit höherem Handelsvolumen liefern zuverlässigere Wahrscheinlichkeiten als marktenge Märkte, und Kontrakte nahe ihrem Fälligkeitsdatum haben eine höhere Vorhersagekraft als langfristige.

Diese Feststellung ist deshalb relevant, weil hohes Volumen in der Branche als Qualitätsmerkmal gilt. Wenn jedoch ein großer Teil des Volumens aus einem kleinen Kreis verknüpfter Konten stammt, verliert diese Kennzahl ihre Aussagekraft.

Am 22.06.2026 berichtete aktien.news über einen weiteren Befund: Polymarket, eine der bekanntesten Plattformen für Prognosemärkte, stand im Zentrum eines Medienskandals. Seit 2022 ist es dem Unternehmen untersagt, US-Nutzern den Handel auf seiner Website zu ermöglichen. Dennoch führe Polymarket laut einer Untersuchung des Wall Street Journal eine verdeckte Marketingkampagne durch, die gezielt auf amerikanische Nutzer in sozialen Medien abzielt: Content-Ersteller seien dafür bezahlt worden, Handelsvorgänge auf gefälschten Websites zu filmen, zusätzlich sollen ausländische Mitarbeiter eingestellt worden sein, um diese Videos in den USA viral zu verbreiten.

Nur wenige Tage später, am 26.06.2026, meldete aktien.news gleich zweimal über den Wachstumskurs derselben Plattform. Polymarket gab gegenüber dem US-Sender CNBC bekannt, dass die annualisierten Umsatzerlöse die Marke von einer Milliarde US-Dollar deutlich übersteigen – genau sechs Wochen, nachdem das Unternehmen die Warteliste für seine US-amerikanische Börse aufgehoben hatte. Laut Daten von Dune Analytics stieg das tägliche Volumen von rund 50 Millionen Dollar Mitte Mai auf mehr als 200 Millionen Dollar am 20. Juni.

Als zentraler Wachstumstreiber galt dabei das starke Nutzerinteresse an der FIFA-Weltmeisterschaft. Sportereignisse dieser Größenordnung sorgen traditionell für erhöhte Aktivität auf Prognosemärkten, weil Nutzer auf Spielausgänge, Torschützen oder Turniersieger setzen können. Genau dieses Umfeld nutzte auch ADI Predictstreet für seinen als offizieller FIFA-Partner bezahlten Markteintritt.

Was das für Anleger bedeutet

Prognosemärkte sind für deutsche Privatanleger in erster Linie ein Beobachtungsfeld, kein klassisches Investment. Relevant sind sie dennoch – als Stimmungsbarometer für Ereignisse, auf die sich andere Märkte nur indirekt bepreisen lassen. Wer solche Wahrscheinlichkeiten als Signal interpretiert, sollte wissen, wie belastbar die zugrunde liegenden Volumina sind.

Der WSJ-Bericht liefert dafür einen wichtigen Anhaltspunkt. Wenn nahezu jede Transaktion seit Ende August auf ein kleines Netzwerk verknüpfter Konten zurückgeht, dann spiegelt das angezeigte Handelsvolumen nicht die Breite des Marktes wider. Nach der Logik der Evercore-ISI-Analyse vom 25.05.2026, wonach höheres Volumen zuverlässigere Wahrscheinlichkeiten bedeutet, wäre eine solche Kennzahl mit Vorsicht zu behandeln.

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt. Die Analyse fällt in eine Phase, in der der Sektor ohnehin unter kritischer Beobachtung steht – von der aufgedeckten Social-Media-Kampagne rund um Polymarket bis zum rasanten, WM-getriebenen Volumenwachstum. Für Anleger, die Prognosemärkte oder die dahinterstehenden Wettanbieter als Themen verfolgen, ist die zentrale Frage damit nicht mehr nur das Wachstum, sondern die Datenqualität. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

ADI Predictstreet bleibt offizieller Partner der FIFA – an dieser Vereinbarung ändert der Bericht nichts. Wie sich das Handelsvolumen auf der Plattform nach Ende August weiterentwickelt, wird sich an den öffentlich zugänglichen Daten ablesen lassen, auf die sich die Analyse stützt. Eine Reaktion der Plattform oder des Verbands auf die Ergebnisse wird in dem Bericht nicht wiedergegeben.

Für den gesamten Sektor gilt: Der durch die Weltmeisterschaft ausgelöste Schub war zuletzt erheblich, wie die Zahlen von Polymarket zeigen. Ob dieses Wachstum nach dem Turnier nachhaltig ist und wie stark sich Marktteilnehmer künftig an Volumenkennzahlen orientieren, dürfte die weitere Berichterstattung bestimmen. Weitere Termine oder konkrete Pläne von ADI Predictstreet oder der FIFA nennt die Quelle nicht.

Kurz erklärt

  • Prognosemarkt: Eine Handelsplattform, auf der Nutzer auf die Wahrscheinlichkeit künftiger Ereignisse setzen und sich daraus Marktpreise bilden.
  • Zirkulärer Handel: Handelsaktivität, die nicht von einer Vielzahl unabhängiger Marktteilnehmer stammt, sondern von einem kleinen, untereinander verbundenen Kreis von Konten.
  • Offizieller Partner: Eine vertraglich bezahlte Werbe- und Lizenzpartnerschaft, die einem Unternehmen Sichtbarkeit im Umfeld eines Verbands oder Events verschafft.
  • Handelsvolumen: Die Summe aller gehandelten Positionen auf einer Plattform, die in der Branche häufig als Maßstab für Zuverlässigkeit gilt.
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