FIFA-Partner ADI Predictstreet: Fast gesamtes Volumen aus Zirkelhandel
Eine Analyse öffentlicher Daten deutet darauf hin, dass der Großteil des Handelsvolumens auf der Plattform unecht ist.

ADI Predictstreet, ein Neuling auf dem Markt der Prognosemärkte, feierte einen hochkarätigen Start während der Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft. Möglich machte das ein Deal mit der FIFA: Mehr als 150 Millionen US-Dollar zahlte das Unternehmen, um offizieller Partner des globalen Fußballverbands zu werden. Doch eine Analyse öffentlicher Daten wirft nun ein anderes Licht auf den viel beachteten Auftritt der Plattform.
Denn seit Ende August wurden nahezu alle Transaktionen auf ADI Predictstreet von einem kleinen Netzwerk verknüpfter Konten durchgeführt. Das legt den Schluss nahe, dass der Großteil des ausgewiesenen Handelsvolumens unecht ist. Konkret zeigen die Daten, dass etwa 108 Millionen der insgesamt getätigten 167 Millionen US-Dollar an Transaktionen bis Ende September von Kryptowährungs-Wallets stammen, die offenbar mit dem Unternehmen verbunden sind.
Die Details
Besonders auffällig ist das Handelsmuster der beteiligten Konten: Sie haben fast ausschließlich untereinander gehandelt. Finanziert wurden sie von einer einzigen Kryptowährungs-Wallet, die zugleich die Handelsgebühren der Plattform einsammelt. Üblicherweise werden solche Gebühren von Wallets eingezogen, die mit dem Eigentümer einer Plattform assoziiert sind – ein Umstand, der die Verbindung zwischen den handelnden Konten und dem Betreiber zusätzlich nahelegt.
Hinter ADI Predictstreet steht ein im April gegründetes Unternehmen, das Teil eines Konglomerats ist. Angeführt wird dieses von Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, einem Mitglied der königlichen Familie Abu Dhabis. Er ist als „Spion-Scheich" bekannt und dient als Stellvertreter des Herrschers von Abu Dhabi sowie als Berater für nationale Sicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate.
Der Deal mit der FIFA verschaffte ADI Predictstreet exklusive Werberechte während der WM-Spiele 2026. Laut der Website des FIFA-Museums verfolgt die Plattform das Ziel, „die weltweit führende Prognosemarkt-Plattform mit Millionen aktiver Nutzer" zu sein. Auf Anfragen zur Stellungnahme reagierte ADI Predictstreet nicht. Auch die FIFA lehnte eine Kommentierung ab.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Fall spielt sich in einem Markt ab, der zuletzt rasant gewachsen ist. Bereits am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Prognosemarktplattform Polymarket einen bedeutenden Meilenstein erreicht hat: Die annualisierten Umsatzerlöse übersteigen nun deutlich die Marke von einer Milliarde US-Dollar. Das gab das Unternehmen exklusiv gegenüber dem US-Sender CNBC bekannt. Die Bekanntgabe kam genau sechs Wochen, nachdem Polymarket die Warteliste für seine US-amerikanische Börse aufgehoben hatte. Laut Daten von Dune Analytics stieg das tägliche Volumen von rund 50 Millionen Dollar Mitte Mai auf mehr als 200 Millionen Dollar am 20. Juni.
Am 04.07.2026 folgte der nächste Bericht: Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gilt als das größte Glücksspielereignis der Geschichte – und sie hinterließ deutliche Spuren auf den Prognosemarktplattformen. Im Juni verzeichneten die führenden Anbieter Kalshi und Polymarket Rekordvolumina. Kalshi erzielte im Juni ein nominales Handelsvolumen von mehr als 31 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von über 70 Prozent gegenüber dem Mai-Wert von 17,9 Milliarden US-Dollar. Seit dem Turnierstart am 11. Juni bewältigte Kalshi beständig hohe Volumina.
Am 28.08.2026 berichtete aktien.news über einen neuen Dienst namens Predictions.io, der kostenlose Gebühren- und Quotenrechner anbietet und über 9.700 Märkte auf Kalshi, Polymarket und Manifold verfolgt. Kalshi, Polymarket und Polymarket US verbuchten im Juli gemeinsam ein Rekordhandelsvolumen von 50,59 Milliarden US-Dollar, wobei Kalshi etwa 74,5 Prozent des Gesamtvolumens ausmachte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert der Bericht vor allem eines: einen Hinweis darauf, dass ausgewiesene Handelsvolumina auf Prognosemärkten nicht automatisch echte Nachfrage widerspiegeln. Während etablierte Plattformen wie Kalshi und Polymarket zuletzt Rekordwerte meldeten, deutet die Analyse im Fall von ADI Predictstreet darauf hin, dass ein großer Teil des Volumens durch ein intern verknüpftes Kontonetzwerk erzeugt wurde. Wer sich über Prognosemärkte informiert oder dort aktiv werden möchte, sollte daher genau prüfen, wie belastbar die veröffentlichten Kennzahlen eines Anbieters sind.
Zugleich zeigt der Fall, wie stark der Wettbewerb um Sichtbarkeit in diesem jungen Markt geworden ist. Der Deal mit der FIFA verschaffte ADI Predictstreet exklusive Werberechte während der WM-Spiele 2026 – ein Investment, das die Plattform offenbar mit einem möglichst hohen Handelsvolumen untermauern wollte. Ob dieses Volumen tatsächlich von einer breiten Nutzerbasis stammt, ist nach der vorliegenden Analyse offen.
Ausblick
Konkrete Termine oder Pläne nennt der Quelltext nur wenige. Fest steht, dass ADI Predictstreet die exklusiven Werberechte während der WM-Spiele 2026 hält und laut FIFA-Museum anstrebt, „die weltweit führende Prognosemarkt-Plattform mit Millionen aktiver Nutzer" zu werden. Ob und wann das Unternehmen zu den Vorwürfen Stellung nimmt, ist offen – auf Anfragen reagierte es nicht, die FIFA lehnte eine Kommentierung ab.
Kurz erklärt
- Prognosemarkt: Eine Handelsplattform, auf der Nutzer auf den Ausgang künftiger Ereignisse setzen und entsprechende Kontrakte kaufen oder verkaufen.
- Zirkelhandel: Handel zwischen verknüpften Konten, bei dem Umsatz erzeugt wird, ohne dass echte externe Nachfrage dahintersteht.
- Kryptowährungs-Wallet: Eine digitale Geldbörse, über die Kryptowährungen verwaltet und Transaktionen abgewickelt werden.
