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Fahrprüfungs-Schwarzmarkt in Großbritannien: Neue Gesetze gegen Terminwucher

Wartezeiten von über 22 Wochen treiben britische Fahrschüler in die Arme teurer Drittanbieter – nun greift die Regierung durch.

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Fahrprüfungs-Schwarzmarkt in Großbritannien: Neue Gesetze gegen Terminwucher

Robert Kamugisha wollte einfach nur seinen Führerschein machen. Doch die Warteliste für die praktische Fahrprüfung in Großbritannien erstreckte sich über Monate. Der 21-jährige Kriminologiestudent aus Croydon entschied sich schließlich, das Risiko einzugehen und über Wiederverkäufer an frühere Prüfungstermine zu gelangen – und zahlte dafür einen hohen Preis.

Insgesamt gab Robert 726 Britische Pfund für drei Prüfungstermine aus, die er allesamt über sogenannte Reseller erwarb. Diese sichern sich Termine auf der offiziellen Buchungsplattform der Driver and Vehicle Standards Agency (DVSA) und verkaufen sie zu massiv überhöhten Preisen weiter. Zum Vergleich: Der reguläre Preis für eine Fahrprüfung in Großbritannien beträgt lediglich 62 Britische Pfund. Robert zahlte hingegen 242 Pfund pro Prüfung – zuzüglich jeweils 150 Pfund für die Nutzung des Fahrzeugs seines Fahrlehrers. Seine Gesamtkosten beliefen sich damit auf 1.176 Britische Pfund, die Kosten für Fahrstunden noch nicht eingerechnet.

„Ich habe den Großteil meiner Ersparnisse ausgegeben", berichtete Robert der BBC, nachdem er die Prüfung im Dezember im dritten Anlauf bestanden hatte. „Ich fühlte mich betrogen." Sein Fahrlehrer hatte ihn sogar ermutigt, einen Wiederverkäufer zu nutzen, und ihm versichert, dies sei rechtmäßig. Der Wiederverkäufer meldete sich mit Roberts Daten an, buchte die Prüfung, und die DVSA schickte ihm eine offizielle Bestätigung. „Als ich die Buchungsbestätigung erhielt, war ich erst einmal erleichtert", so Robert. „Die Kosten waren jedoch wahnsinnig."

Wartezeiten von über 22 Wochen befeuern den Schwarzmarkt

Zahlen der DVSA zeigen, dass die landesweite durchschnittliche Wartezeit für eine praktische Fahrprüfung in Großbritannien im April 2026 bei 22,3 Wochen lag. In England betrug die Wartezeit 22,7 Wochen, in Schottland 22,9 Wochen und in Wales war sie mit 17,3 Wochen etwas kürzer. Diese langen Wartezeiten haben einen florierenden Schwarzmarkt entstehen lassen, auf dem automatisierte Buchungsprogramme – sogenannte Bots – massenhaft Termine abgreifen, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Sophie Stuchfield, eine Fahrlehrerin aus Watford, erklärt der BBC, wie das System ausgenutzt wird: „Leute haben Wege gefunden, das System zu manipulieren, um tausende Fahrprüfungen selbst zu buchen und sie dann gegen eine massiv überhöhte Gebühr weiterzuverkaufen." Sophie wurde in Messaging-Listen aufgenommen, über die Drittanbieter Prüfungstermine quer durch Großbritannien anbieten. „Ich habe 3.341 Nachrichten von Personen erhalten, die versuchten, mir Fahrprüfungen zu verkaufen", sagt sie.

Besonders besorgniserregend: Laut Sophie verlangen manche Fahrlehrer von ihren eigenen Schülern bis zu 300 Britische Pfund extra für die Nutzung des Autos am Prüfungstag – und teilen dies den Schülern erst eine Woche vor der Prüfung mit. Sophie selbst weigert sich, solche Zusatzgebühren zu erheben, was ihr Ärger von Kollegen eingebracht hat. „Mir tun die Leute ohnehin schon leid, wenn ich sehe, wie viel sie für den Führerschein ausgeben müssen", sagt sie.

Neue Gesetze sollen Drittanbieter stoppen

Die britische Regierung hat in dieser Woche neue Regeln eingeführt, die es gesetzwidrig machen, wenn jemand anderes als der Fahrschüler selbst eine Fahrprüfung bei der DVSA bucht. Wer eine Prüfung im Namen einer anderen Person verkauft oder ändert, macht sich ab sofort strafbar. Die Regierung hofft, damit Drittanbieter daran zu hindern, mit den Daten von Fahrschülern auf das Buchungssystem zuzugreifen.

Straßenminister Simon Lightwood erklärte, die Regierung habe Rekordwartezeiten und einen riesigen Rückstau an Fahrschülern geerbt. „Aber wir ergreifen Maßnahmen und sehen Ergebnisse: Im vergangenen Jahr wurden fast zwei Millionen Prüfungen durchgeführt, über 158.000 zusätzliche Prüfungen seit Juni 2025, und militärische Fahrprüfer sind nun im Einsatz, um die Kapazitäten im ganzen Land zu erhöhen", so Lightwood.

Nicht alle sind jedoch überzeugt, dass die neuen Regeln das Problem lösen werden. Carly Brookfield, Geschäftsführerin der Driving Instructors Association, kritisiert, die Regeländerung mache die Mehrheit der Fahrlehrer, die sich korrekt verhalten haben, zum Sündenbock. Sie berichtet bereits von frustrierten Fahrschülern, denen ihr Fahrlehrer nun nicht mehr bei der Buchung helfen könne. „Die Realität ist, dass wir auch ein massives Problem beim Angebot an Prüfungen haben. Wenn nicht genügend Termine bereitgestellt werden, werden die Menschen weiterhin nirgendwo eine Prüfung bekommen", sagt sie der BBC.

Die neuen Buchungsregeln werden zwar keinen direkten Einfluss auf die Wartezeiten haben, sollen aber zu weniger verfallenen Terminen führen und der DVSA helfen, die tatsächliche Nachfrage besser zu ermitteln. Im Juni sollen weitere Änderungen folgen, die es Fahrschülern ermöglichen, ihre Prüfungstermine nur noch an drei ihrer örtlichen Prüfungszentren zu tauschen. Für Robert Kamugisha kamen all diese Maßnahmen zu spät – er hat seine Prüfung bestanden, aber einen Großteil seiner Ersparnisse verloren.

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