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EU-Emissionshandel: Reform bringt Erleichterung und neue Pflichten

Die EU-Kommission reformiert das ETS-System – mit mehr Zertifikaten, strengeren Investitionspflichten und politisch gespaltenen Reaktionen.

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EU-Emissionshandel: Reform bringt Erleichterung und neue Pflichten

Der europäische Emissionshandel (ETS) gilt als das wichtigste Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Klimakommissar Wopke Hoekstra lässt daran keinen Zweifel: „Kein anderes politisches Instrument hat den Emissionsausstoß in ähnlichem Maße reduziert", betonte er und bezeichnete das System als „phänomenales Werkzeug" der europäischen Klimapolitik. Dennoch sieht die Kommission Reformbedarf – aus mehreren Richtungen gleichzeitig.

Einerseits geraten europäische Unternehmen zunehmend unter Druck durch internationale Konkurrenten, die von staatlichen Subventionen profitieren. Andererseits kritisiert Hoekstra, dass die Industrie selbst noch zu wenig unternimmt. Hinzu kommt ein gravierendes Problem auf Ebene der Mitgliedstaaten: Sie erhalten rund 80 Prozent der ETS-Einnahmen, leiten aber lediglich zehn Prozent davon in tatsächliche Dekarbonisierungsmaßnahmen um. „Dabei war das immer das Versprechen", mahnte Hoekstra. Der ETS solle keine Steuer sein, sondern ein Motor für den industriellen Wandel.

Mehr Zertifikate, aber strengere Verwendungspflichten

Die Kommission reagiert mit einem Kompromisspaket: Vorübergehend sollen mehr Emissionszertifikate ausgegeben werden als ursprünglich geplant. Das verschafft Unternehmen mehr Zeit und senkt kurzfristig die Kosten für die CO₂-Reduktion. Gleichzeitig soll das eingenommene Geld künftig gezielter und vollständiger in europäische Klimaschutzmaßnahmen fließen – eine direkte Antwort auf die bisherige Zweckentfremdung der Mittel.

Darüber hinaus weitet die Kommission den Geltungsbereich des ETS aus. Neu einbezogen werden unter anderem der Luft- und der Schiffsverkehr – zwei Sektoren, die bislang nur teilweise oder gar nicht dem Handelssystem unterlagen. Hoekstra betonte, die Vorschläge seien „voll auf einer Linie" mit den EU-Klimazielen: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen gemessen am Stand von 1990 um 90 Prozent sinken, bis 2050 soll die Klimaneutralität erreicht sein.

Politisch gespaltene Reaktionen im Europaparlament

Im Europaparlament fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Peter Liese von den Christdemokraten wertet den Tag als Erfolg für den Klimaschutz: „Jeder, der den ETS stoppen oder ganz abschaffen wollte, muss nun sehen, dass das nicht passieren wird. Der ETS wird bleiben, und er wird denen Vorteile bringen, die in Klimaneutralität investieren."

Deutlich kritischer äußert sich Timo Wölken, umweltpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten. Er bemängelt, dass mit dem Paket lediglich 85 Prozent der CO₂-Emissionen in den ETS-Sektoren eingespart würden – obwohl gesetzlich 90 Prozent vorgeschrieben seien. Den vorgesehenen Ausgleich über internationale Klimagutschriften und mögliche CO₂-Entnahmen aus der Atmosphäre hält Wölken für nicht verlässlich genug.

Auch beim Thema Beschäftigung sieht Wölken Nachbesserungsbedarf: „Die soziale Konditionalität, dass also auch Arbeitsplätze erhalten bleiben, kommt uns Sozialdemokraten deutlich zu kurz." Sein Fazit fällt entsprechend hart aus: „Dieses Paket ist insgesamt eine Enttäuschung und muss dringend verbessert werden."

Nächste Schritte: Parlament und Mitgliedstaaten müssen zustimmen

Für Anleger, die in klimasensible Branchen wie Energie, Stahl, Chemie, Luftfahrt oder Schifffahrt investiert sind, bleibt die Entwicklung des ETS ein zentraler Kostenfaktor. Die vorübergehend erhöhte Zertifikatsmenge könnte kurzfristig den Druck auf betroffene Unternehmen mildern. Langfristig jedoch bleibt der Kurs klar: Die EU hält an ihren ambitionierten Klimazielen fest.

Der Reformvorschlag der Kommission ist allerdings noch nicht beschlossene Sache. Er benötigt die Zustimmung sowohl der EU-Mitgliedstaaten als auch des Europäischen Parlaments. Angesichts der politischen Differenzen dürften die Verhandlungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen – und Raum für Nachbesserungen lassen.

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