EssilorLuxottica legt Smartglasses-Zahlen vor, Lombard Odier setzt auf Gesundheit
Der Brillenriese meldet erstmals Umsätze für Wearables, während Lombard Odier den Gesundheitssektor übergewichtet und Bernstein zur Vorsicht mahnt.

Der französisch-italienische Brillenkonzern EssilorLuxottica hat erstmals spezifische Umsatzzahlen für seine Wearables-Sparte vorgelegt. Das geht aus den jüngsten Market Talks zum Gesundheitssektor hervor, die exklusiv bei Dow Jones Newswires um 4:20 Uhr ET, 12:20 Uhr ET und 16:50 Uhr ET erscheinen. Die Sparte umfasst die KI-Brillen auf Basis der Meta-Technologie sowie die Audio-Brillen des Konzerns.
Im jüngsten Quartal trugen die Wearables 486 Millionen Euro zu einem Gesamtumsatz von 7,49 Milliarden Euro bei. Damit machen die intelligenten Brillen weiterhin nur einen kleinen Anteil am Gesamtgeschäft aus. Der Analyst Alexandre Germann von Baader Europe wertet die Offenlegung als Schritt in Richtung mehr Transparenz.
"Wir sehen dies als klares positives Signal für die Transparenz, da es die Stärke und Größe des Kerngeschäfts unterstreicht", zitiert die Notiz den Analysten. Für Anleger ist die neue Detailtiefe insofern relevant, als sie erstmals eine direkte Verhältnisbestimmung zwischen dem wachsenden Wearables-Geschäft und dem etablierten Kerngeschäft mit Brillen und Optik erlaubt.
Die Details
Bernstein-Analysten halten es für klug, dass EssilorLuxottica im vierten Quartal dieses Jahres eine vorsichtige Note anschlägt. Der Konzern hatte im dritten Quartal einen Umsatzanstieg von 9 Prozent gemeldet, einschließlich eines Anstiegs der Wearables um 20 Prozent. Diese Kategorie umfasst die KI-gestützten Ray-Ban- und Oakley-Smartglasses, die in Partnerschaft mit Meta Platforms hergestellt werden.
Der Anstieg könnte im vierten Quartal jedoch deutlich geringer ausfallen. Als Grund nennen die Analysten eine schwierige Vergleichsbasis, nachdem Ende 2025 ein starker Sprung bei den Verkäufen von Smartglasses verzeichnet worden war. Konkurrent Google plant seinerseits, im kommenden Herbst seine eigene Version von Smartglasses auf den Markt zu bringen.
"Wenn sich konkurrierende Smartglasses irgendwann als überzeugend erweisen – und das bleibt ein Wenn –, wird die erste Opferrolle erneut EssilorLuxotticas Multiplikator treffen", warnt Bernstein. Der Multiplikator, also die Bewertungskennzahl der Aktie, steht damit unter besonderer Beobachtung.
Ein zweiter Schwerpunkt der Market Talks liegt auf der strategischen Ausrichtung des Gesundheitssektors insgesamt. Der globale Vermögens- und Assetmanager Lombard Odier bleibt bei Aktien übergewichtet und setzt dabei einen Schwerpunkt auf den Gesundheitssektor. Pharmazeutische Aktien hätten sich 2026 erholt, weil sich die Bedenken hinsichtlich der US-Politik verringert hätten und die Bewertungen trotz steigender Zinsen stabil geblieben seien.
Biotech-Unternehmen profitieren laut dem Bericht der Strategen von besseren Finanzierungsbedingungen und einer zunehmenden M&A-Aktivität. Für den gesamten Gesundheitssektor erwarten sie, dass sich das Gewinnwachstum 2027 auf 18 Prozent beschleunigt. Damit wäre er der am schnellsten wachsende Sektor nach der IT.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass EssilorLuxottica im Jahr 2025 mehr als 7 Millionen intelligente Brillen der Marken Ray-Ban und Oakley verkauft hatte – mehr als eine Verdreifachung gegenüber den Vorjahren. In den Jahren 2023 und 2024 zusammen hatte der Konzern lediglich 2 Millionen KI-Brillen abgesetzt. Der sprunghafte Anstieg zeigte damals die wachsende Akzeptanz von Wearable-Technologie im Brillenmarkt.
Am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass Konzernchef Francesco Milleri auf der Jahreshauptversammlung Zuversicht ausstrahlte, der Vorstoß in die Medizintechnik werde langfristig zu einer Erholung des Marktwerts führen. Milleri räumte ein, dass genau dieser Strategieschwenk zuletzt mit zu dem massiven Kursrückgang beigetragen habe. Der Aktienkurs war seit dem Rekordhoch im November um mehr als 40 Prozent eingebrochen, der Marktwert schrumpfte von 150 Milliarden Euro auf zuletzt rund 86 Milliarden Euro. Als Ursachen nannte Milleri neben dem Medizintechnik-Engagement auch US-Zölle, die Dollarschwäche, militärische Konflikte sowie den zunehmenden Wettbewerb.
Am 01.05.2026 berichtete aktien.news über den Analystencheck zu ResMed und Eli Lilly. RBC-Analyst Craig Wong-Pan bewertete das Ergebnis von ResMed für das dritte Quartal positiv, da der Anbieter von Atemtechnologie bei der Mehrheit der Kennzahlen die eigenen Prognosen sowie die Konsensschätzungen leicht übertroffen habe. Eli-Lilly-Chef David Ricks sorgte mit optimistischen Aussagen zur neuen Abnehmpille Foundayo und zur Kostenübernahme durch Medicare für Aufsehen.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger einer Einschätzung der Analysten von RBC Capital Markets zufolge ihre Positionen in der Life-Sciences-Branche erhöhen, weil die KI-getriebene Nachfrage für Hersteller von Laborgeräten und andere Unternehmen in der Arzneimittel-Lieferkette an Bedeutung gewinnt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ergeben sich aus den Market Talks mehrere Beobachtungspunkte. Erstens liefert die neue Segmentberichterstattung von EssilorLuxottica eine belastbarere Grundlage, um das Wachstum der Wearables-Sparte einzuordnen. Die Zahlen zeigen, dass das Geschäft mit KI-Brillen trotz hoher Wachstumsraten gemessen am Gesamtumsatz noch klein ist.
Zweitens weist Bernstein auf die Vergleichsbasis hin: Ein prozentualer Anstieg von 20 Prozent im dritten Quartal lässt sich im vierten Quartal nicht ohne Weiteres wiederholen, wenn das Vorjahresquartal bereits einen starken Sprung aufwies. Anleger sollten prozentuale Wachstumsraten daher im Zeitverlauf und nicht isoliert betrachten.
Drittens rückt der Gesundheitssektor als Ganzes in den Fokus. Lombard Odier nennt mehrere Argumente: die erwartete Beschleunigung des Gewinnwachstums, die mögliche Entlastung durch nachlassende Erwartungen an geldpolitische Verschärfungen sowie die Diversifizierung gegenüber tech-lastigen Indizes. Gesundheitsaktien bieten dem Bericht zufolge zudem eine alternative Möglichkeit, vom Nutzen der KI zu profitieren.
Ausblick
Lombard Odier erwartet, dass das Gewinnwachstum im gesamten Gesundheitssektor 2027 auf 18 Prozent beschleunigt wird. Die Bewertungen könnten von einer Dämpfung der globalen Renditen profitieren, da Investoren ihre Erwartungen an künftige geldpolitische Verschärfungen zurückfahren.
Bei EssilorLuxottica richtet sich der Blick auf das vierte Quartal dieses Jahres, für das Bernstein eine vorsichtige Gangart empfiehlt. Zusätzlich steht der Markteintritt von Google im kommenden Herbst im Kalender, wenn der Konzern seine eigene Version von Smartglasses auf den Markt bringen will.
Kurz erklärt
- Wearables: Am Körper tragbare elektronische Geräte, die Daten erfassen oder Funktionen wie Audio und KI-Assistenz bieten.
- Overweight: Eine Gewichtung, bei der ein Anleger oder Fonds einen Sektor stärker gewichtet als im Vergleichsmaßstab.
- M&A-Aktivität: Sammelbegriff für Fusionen und Unternehmensübernahmen, englisch Mergers and Acquisitions.
