DEA und Gegner reichen neue Schriftsätze in Cannabis-Anhörung ein
Die DEA will den Verfahrensrekord öffnen, lehnt aber weitere Stellungnahmen ab, während Gegner eine Verzögerung anstreben.

Die US-Drogenbehörde Drug Enforcement Administration (DEA) hat in der laufenden Anhörung zur Neuklassifizierung von Marihuana eine neue Stellungnahme eingereicht. Darin erklärt die Behörde, es sei in Ordnung, die Aufzeichnung der Anhörung wieder zu öffnen, um einen Regierungsbericht einzubeziehen, der das föderale Drogenprüfungsverfahren kritisiert. Zugleich will die DEA jedoch keine weiteren Stellungnahmen zu dieser Angelegenheit anhören.
Gegner der Neuklassifizierung reichten parallel eine neue Stellungnahme ein, mit der sie eine Entscheidung weiter verzögern wollen. Sie setzen dabei auf eine breitere Öffnung der Zeugenaussagen und der Beweismittelgewinnung. Damit bleibt der Streit um den künftigen bundesrechtlichen Status von Cannabis in den USA in der Schwebe.
Neben dem Verfahren auf Bundesebene meldeten sich auch auf Ebene der Bundesstaaten prominente Stimmen zu Wort. In Kansas sprach sich die demokratische Gouverneurskandidatin Cindy Holscher für eine Legalisierung aus, während der Generalstaatsanwalt von South Dakota die praktischen Folgen einer Neuklassifizierung für sein Bundesland bewertete.
Die Details
Cindy Holscher, derzeit Senatorin im Bundesstaat Kansas und demokratische Kandidatin für das Gouverneursamt, sagte, der Staat sollte Marihuana legalisieren. Sie kritisierte zugleich ihren republikanischen Gegner, Senatspräsident Ty Masterson (R), dafür, dass er die Gesetzgebung für medizinisches Cannabis blockiert.
In South Dakota hat Generalstaatsanwalt Marty Jackley (R) eine rechtliche Meinung veröffentlicht. Darin kommt er zu dem Schluss, dass „die föderale Neuklassifizierung von Marihuana wahrscheinlich einen vernachlässigbaren Einfluss auf das medizinische Cannabisprogramm von South Dakota haben wird".
Eine neue, von der National Football League (NFL) finanzierte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass lang gehegte anti-Cannabis-Einstellungen in Sportligen sich „entwickeln". Soziale Trends führten „zu einer größeren Offenheit gegenüber Cannabis" als Alternative zu Opioiden bei der Behandlung von Schmerzen bei Athleten. Allerdings schaffe das fortbestehende Stigma Vertrauensprobleme, die es dem medizinischen Personal erschwerten, seine Arbeit zu erledigen.
„Medizinische Fachkräfte, insbesondere jüngeres oder forschungsorientiertes Personal, sehen Cannabis zunehmend als sicherere oder wirksamere Option im Vergleich zu Alkohol, Opioiden oder anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten", heißt es in der Studie.
Der ehemalige NFL-Spieler Micah Hyde argumentiert in einem neuen Meinungsartikel von Marijuana Moment, dass der Kongress Hanf-THC-Getränke regulieren sollte – wie die, die seine Firma produziert – anstatt sie zu verbieten. „Hanfgetränke verdienen dieselbe Art von Rahmenwerk, das alkoholische Getränke haben. Was ich nicht glaube, ist, dass die einzigen zwei Optionen ein unregulierter Markt oder die Abschaffung dieser Produkte insgesamt sind", schreibt Hyde.
NORML-Stellvertreterdirektor Paul Armentano argumentiert in einem weiteren Meinungsartikel von Marijuana Moment, dass ein vorgeschlagener Verfassungszusatz auf der November-Wahlurne in Idaho „anti-demokratisch" sei. Der Zusatz soll Wähler daran hindern, Cannabis jemals zu legalisieren. „Die öffentliche Unterstützung für die Legalisierung ist heute größer als fast zu jeder Zeit in der Geschichte unserer Nation. Diese Realität lässt die Gesetzgeber von Idaho, insbesondere Republikaner, Angst haben", so Armentano.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Auseinandersetzung um die Neuklassifizierung begleitet aktien.news-Leser bereits seit dem Frühjahr. Bereits am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass Marijuana Moment seine Forderung nach einem öffentlichen Livestream der historischen Bundesanhörungen zur Neueinstufung von Cannabis direkt an den Leiter der DEA gerichtet hatte. Die Anhörungen sollten damals bereits nächste Woche beginnen. Der Schritt erfolgte, nachdem der vorsitzende Richter des Verfahrens erklärt hatte, er werde Eingaben von außenstehenden Parteien nicht berücksichtigen.
Ebenfalls am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass Gegner der geplanten Änderung in neuen Schriftsätzen ihre Argumente für die bevorstehende Anhörung dargelegt hatten. Im Mittelpunkt stand eine Anordnung des amtierenden Generalstaatsanwalts Todd Blanche, die er im April erließ und die staatlich lizenziertes medizinisches Cannabis sowie von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassene Marihuana-Produkte mit sofortiger Wirkung von Anhang I des Controlled Substances Act herabstufte.
Am selben Tag meldete aktien.news zudem, dass die DEA in einem neuen Schriftsatz bekannt gegeben hatte, welche Zeugen sie bei der am Montag beginnenden Anhörung aufbieten würde. Im Mittelpunkt stand der medizinische Nutzen von Marihuana. Die Zeugenliste der Regierung umfasste den Arzt Corey Burchman aus dem Bundesstaat New Hampshire, der konkret darüber aussagen sollte, wie „medizinisches Marihuana Schmerzpatienten einen medizinischen Nutzen bietet".
Am 30.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Chief Administrative Law Judge der DEA, Derek Julius, die laufende Anhörung zur Neuklassifizierung von Marihuana per einstweiliger Verfügung ausgesetzt hatte. Auslöser war ein Bericht des Government Accountability Office (GAO), der erhebliche Lücken im Bewertungsverfahren der Bundesbehörden für kontrollierte Substanzen aufdeckte. Die Entscheidung vom Dienstag traf ein Verfahren, das bereits Zeugenaussagen im Juni und Juli gehört hatte und kurz vor dem Abschluss stand. Der Richter reagierte damit auf einen Antrag der National Drug and Alcohol Association (NDASA), der Gruppe DUID Victim Voices sowie des Mediziners Dr. Kenneth Finn.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Signal für die Unsicherheit rund um den US-Cannabismarkt. Die DEA will den Verfahrensrekord zwar für einen kritischen Regierungsbericht öffnen, lehnt aber weitere Stellungnahmen ab – während Gegner genau darauf setzen, das Verfahren durch eine breitere Beweisaufnahme zu verlängern. Eine endgültige Entscheidung über den bundesrechtlichen Status von Cannabis bleibt damit offen.
Auf Ebene der Bundesstaaten zeigt sich ein gemischtes Bild. Während Kansas über eine Legalisierung diskutiert, erwartet South Dakotas Generalstaatsanwalt für sein medizinisches Programm kaum Auswirkungen einer föderalen Neuklassifizierung. Gleichzeitig deuten die NFL-finanzierte Studie und die wachsende Zahl regulatorischer Aktivitäten in Staaten wie Pennsylvania, Minnesota, Oklahoma, Illinois und Kalifornien darauf hin, dass sich der rechtliche Rahmen weiter ausdifferenziert. Montana verzeichnet unterdessen nach Angaben des Quelltexts in diesem Jahr bereits Verkäufe von nahezu einer Viertelmilliarde US-Dollar an legalen Marihuana-Produkten.
Auch die Wissenschaft liefert neue Bausteine: Eine Studie ergab, dass „THC breite immunmodulatorische Effekte entfaltet, die durch Unterdrückung von Entzündungs- und Typ-I-Interferon-Antworten gekennzeichnet sind, während sie zelluläre Stress-Anpassungspfade fördern". Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass „CBD mit Erwachsenen mit [Lennox–Gastaut-Syndrom] eine nachhaltige Wirksamkeit und gute Verträglichkeit aufwies, mit hoher Retention und Verbesserung der Krampfanfälle und anderer klinisch relevanter Ergebnisse".
Ausblick
Auf Bundesebene bleibt die Anhörung zur Neuklassifizierung der zentrale Punkt. Die DEA hat sich bereit erklärt, den Verfahrensrekord für den kritischen Regierungsbericht zu öffnen, will aber keine weiteren Stellungnahmen zulassen. Gegner versuchen, eine Entscheidung durch eine breitere Öffnung der Zeugenaussagen und der Beweismittelgewinnung zu verzögern.
In Idaho steht im November ein Verfassungszusatz zur Abstimmung, der Wähler daran hindern soll, Cannabis jemals zu legalisieren. In Pennsylvania hat das Marijuana Policy Project einen Wählerführer für die bevorstehenden Wahlen veröffentlicht. Weitere regulatorische Schritte zeichnen sich in South Dakota, Minnesota und Pennsylvania ab, wo Regulatoren beziehungsweise ein Senator entsprechende Vorhaben und Leitlinien vorgelegt haben. Auf internationaler Ebene zog ein rumänischer Abgeordneter seinen Namen aus einem Gesetz zurück, das den Besitz von Drogen entkriminalisieren sollte.
Kurz erklärt
- Neuklassifizierung: die Überführung einer Substanz in eine andere, weniger streng regulierte Kategorie des US-Betäubungsmittelrechts.
- Anhang I: die strengste Kategorie des Controlled Substances Act, in der Substanzen mit hohem Missbrauchspotenzial ohne anerkannten medizinischen Nutzen geführt werden.
- DEA: die US-Drogenbehörde, die für die Durchsetzung und Einstufung kontrollierter Substanzen zuständig ist.
