North Carolinas Hanfindustrie kämpft gegen drohendes Bundesverbot für THC-Produkte
Eine 3-Milliarden-Dollar-Branche in North Carolina gerät durch ein geplantes Bundesverbot für THC-haltige Hanfprodukte unter massiven Druck.

Die Hanfindustrie in North Carolina steht vor einer existenziellen Bedrohung. Ein geplantes Bundesverbot für THC-haltige Hanfprodukte zwingt Unternehmen, die in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut wurden, zur Neuausrichtung – oder zum Aufgeben. Die Branche, die im Bundesstaat einen Wert von rund 3 Milliarden US-Dollar erreicht hat, wappnet sich gegen die Folgen der drohenden Regulierung auf Bundesebene.
Chris Karazin ist eines der Gesichter dieser Industrie. Er gründete das Unternehmen Carolindica im Jahr 2019 gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund. Die Anfänge waren bescheiden: In einer Küche stellten die drei Gründer hausgemachte CBD-Produkte her, während sie gleichzeitig anderen Jobs nachgingen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. „Ich habe bis vor drei Jahren nicht einmal ein Gehalt erhalten", sagte Karazin. Sieben Jahre später hat sich das in Raleigh ansässige Unternehmen zu einem Hanf-Betrieb mit mehreren Filialen, eigener Produktion und Dutzenden von Mitarbeitern entwickelt. Täglich kommen neue Kunden zu Carolindica.
Nun zwingt die drohende Bundesgesetzgebung Unternehmen wie Carolindica, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Die Stimmung in der Branche ist eindeutig: „Regulierung ist das, was wir brauchen. Ein Verbot ist nur ein lächerlicher Rückschritt", bringt Karazin die Haltung vieler Unternehmer auf den Punkt.
Die Details
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die bundesweite Neudefinition von Hanf und die damit verbundene Einschränkung von Produkten mit THC-Gehalt. THC – Tetrahydrocannabinol – ist die Verbindung im Cannabis, die psychoaktive Wirkungen erzeugt. Viele der derzeit legal verkauften Hanfprodukte enthalten synthetisch oder natürlich gewonnene THC-Varianten, die unter dem bisherigen Rechtsrahmen toleriert wurden.
North Carolina selbst hat auf Landesebene bereits eigene Schritte unternommen. Der Senat des Bundesstaates verabschiedete den House Bill 328 mit einer deutlichen Mehrheit von 43 zu 6 Stimmen – ein parteiübergreifendes Signal. Die vom Senat verabschiedete Fassung des Gesetzentwurfs definiert alle Produkte mit einem Gesamt-THC-Gehalt von mehr als 0,4 Milligramm als „berauschende Hanfprodukte" und würde deren Verkauf verbieten. Für eine Branche, deren Produkte oft weit über diesem Schwellenwert liegen, wäre das ein massiver Einschnitt.
Parallel dazu hat der Landwirtschafts- und Umweltausschuss des Repräsentantenhauses in North Carolina eine Neufassung des Senate Bill 59 gebilligt, die den Verkauf und Besitz bestimmter hanfbasierter Konsumgüter sowie von Kratom-Produkten für Personen unter 21 Jahren untersagen soll. Konkret betroffen wären rauchbare Hanfblüten, Hanfzigaretten, Fruchtgummis und Getränke auf Hanfbasis.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die regulatorische Entwicklung hat sich in den vergangenen Monaten rasant beschleunigt. Bereits am 5. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass der Senat von North Carolina mit dem House Bill 328 ein Gesetz verabschiedet hatte, das die meisten derzeit im Staat verkauften Cannabisprodukte verbieten würde – mit einer deutlichen parteiübergreifenden Mehrheit von 43 zu 6 Stimmen.
Schon am 14. Juni 2026 hatte aktien.news über den Vorstoß des Landwirtschafts- und Umweltausschusses berichtet, der eine Neufassung des Senate Bill 59 billigte. Diese Maßnahme zielte darauf ab, den Verkauf hanfbasierter Konsumgüter und Kratom-Produkte an Personen unter 21 Jahren zu untersagen – der jüngste in einer Reihe von Regulierungsversuchen, nachdem ähnliche Vorstöße in den Vorjahren gescheitert waren.
Am 25. Juli 2026 berichtete aktien.news über die bundesweite Dimension: Ab dem 12. November drohten die meisten Hanfprodukte unter US-Bundesrecht illegal zu werden, sofern der Kongress nicht eingreife. Das Weiße Haus unter Präsident Trump forderte den Kongress auf, das bevorstehende Verbot zu verschieben oder zu stoppen.
Den vorläufigen regulatorischen Höhepunkt markierte der 18. September 2026: aktien.news berichtete, dass Präsident Donald Trump am 3. September ein Haushaltsgesetz unterzeichnet hatte, das eine bundesweite Neudefinition von Hanf vorsieht. Die meisten Hanf-Cannabinoid-Produkte sollen demnach vom 12. November bis zum 11. Dezember verboten werden – eine Schonfrist von lediglich 29 Tagen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den US-amerikanischen Cannabis- und Hanfmarkt investiert sind oder dies erwägen, verdeutlicht die Situation in North Carolina das erhebliche regulatorische Risiko dieser Branche. Unternehmen, die wie Carolindica über Jahre organisch gewachsen sind und Dutzende Arbeitsplätze geschaffen haben, stehen plötzlich vor der Frage, ob ihre Kernprodukte überhaupt noch legal verkauft werden dürfen.
Die Unsicherheit auf Bundesebene – kombiniert mit den eigenständigen Regulierungsbestrebungen einzelner Bundesstaaten wie North Carolina – schafft ein schwer kalkulierbares Umfeld. Selbst wenn ein Bundesverbot durch Kongress-Intervention abgewendet oder verzögert wird, bleiben die einzelstaatlichen Gesetze bestehen. Anleger sollten beachten, dass die 29-tägige Schonfrist, die das im September unterzeichnete Haushaltsgesetz vorsieht, von Branchenbeobachtern nicht als echte Entlastung, sondern als Signal für die künftige Regulierungsrichtung gewertet wird.
Ausblick
Der entscheidende Termin für die US-Hanfindustrie ist der 12. November, ab dem die meisten Hanf-Cannabinoid-Produkte unter Bundesrecht verboten sein sollen. Die anschließende Schonfrist läuft bis zum 11. Dezember. Ob der Kongress bis dahin eingreift und das Verbot stoppt oder verschiebt, ist offen. Das Weiße Haus hat den Kongress bereits aufgefordert, tätig zu werden. Sollte der Kongress untätig bleiben, könnten Hanfprodukte nach dem Modell von Bundesstaaten wie Minnesota weiterhin auf Ebene der Einzelstaaten reguliert und besteuert werden – ähnlich wie staatlich legalisiertes Cannabis.
Für Unternehmen wie Carolindica in North Carolina bleibt die Lage angespannt. Die Branche fordert klare Regulierung statt pauschaler Verbote – und hofft, dass die Politik auf Bundes- wie auf Landesebene diesen Unterschied anerkennt.
Kurz erklärt
- THC (Tetrahydrocannabinol): Die chemische Verbindung in der Cannabispflanze, die für psychoaktive Wirkungen verantwortlich ist.
- CBD (Cannabidiol): Ein nicht-psychoaktiver Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der in zahlreichen Gesundheits- und Wellnessprodukten eingesetzt wird.
- Kratom: Eine aus Südostasien stammende Pflanze, deren Inhaltsstoffe stimulierende oder schmerzlindernde Wirkungen haben sollen und die in den USA regulatorisch zunehmend im Fokus steht.
