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Das Ritz London: 300-Millionen-Renovierung macht Luxushotel zum Boutique-Erlebnis

Die größte Renovierung in der 120-jährigen Geschichte des Ritz verändert das Londoner Luxushotel – mit überraschenden Folgen für das Gästeerlebnis.

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Das Ritz London: 300-Millionen-Renovierung macht Luxushotel zum Boutique-Erlebnis

Das Londoner Traditionshotel Ritz steckt mitten in der größten Renovierung seiner 120-jährigen Geschichte. Rund 300 Millionen Pfund werden investiert, wie die Financial Times in einem aktuellen Beitrag aus der wöchentlichen Kolumne von Chefredakteurin Roula Khalaf berichtet. Die Arbeiten verändern den Hotelbetrieb spürbar – und machen aus dem Grandhotel zeitweise eine Art Boutique-Herberge.

Die Säulen an der Piccadilly-Seite werden bis etwa 2028 mit Planen und Baustellenabdeckungen verhängt bleiben. Im Keller entstehen ein Swimmingpool und ein mehrstöckiges Spa. Der laufende Betrieb findet derweil um die Ecke an der Arlington Street statt – ein Ersatz, aber kein vollständiger.

Das Gebäude dort war zuvor Hauptsitz der Eagle Star Insurance und wurde 2005 vom Ritz gekauft, um als Anbau für Hochzeiten und Firmenevents zu dienen. Heute fungiert es als verkürzte Version des Hauptprogramms. Jede ebene Fläche wurde verspiegelt oder mit Marmor furniert, um vom korridorartigen Charakter der Lobby abzulenken. Der Eingang wirkt dabei eher unauffällig als auffällig.

Luxus ohne Publikum

Wer die karikaturhafte Pracht eines Palastes erwartet, könnte dennoch enttäuscht werden. Denn die Anzahl der Zimmer hat inzwischen Boutique-Niveau erreicht. Es besteht selten die Gefahr, anderen Gästen zu begegnen. Personal in Frack und Smoking gleitet durch die Räume, führt Smalltalk und wirkt beschäftigt – statt erfreut über einen Gast zu sein, scheinen die Mitarbeiter oft leicht überrascht.

Das ist nicht immer so. Der Nachmittagstee im Ritz zieht weiterhin Menschenmassen an. Der Restaurant-Service unter Küchenchef Deepak Mallya bleibt ein Insider-Tipp für Feinschmecker. Der keineswegs geheime Secret Garden, der während der Renovierung als Ersatz für die Rivoli Bar dient, füllt sich bei gutem Wetter schnell. Zu anderen Zeiten kehrt dagegen eine fast übernatürliche Ruhe ein: Man hört nichts als das Summen der Klimaanlage und das gelegentliche Quietschen der Schuhe eines Portiers.

Der glasüberdachte Atrium-Speisesaal bietet bequem Platz für 65 Personen – bei typischer Londoner Bevölkerungsdichte wären es unbequeme 130. Beim Frühstück unter der Woche sind sechs Tische besetzt: eine Frau aus dem Fernsehen, zwei Gruppen asiatischer Touristen, ein elegant gekleideter Großgrundbesitzer aus der italienischen Finanzwelt, ein junges Paar, das Vintage-Champagner pro Flasche bestellt – und der Autor. Niemand sitzt weniger als drei Meter voneinander entfernt. Gespräche müssen selten lauter als ein Bibliotheksflüstern werden.

Preise als Filter

Es ist diese Art von Luxus, die keine Anstrengung unternimmt, Kosten mit Preisen in Verbindung zu bringen. Das völlig alltägliche „Traditional English Breakfast“ kostet 37 Pfund, bevor eine zusätzliche Gebühr von 8 Pfund für eine Runde Toast anfällt. Jeder Nachfüllvorgang aus der Orangensaftkanne wird mit 9 Pfund berechnet. Ein Mindestumsatz von 55 Pfund pro Person dient angesichts dieser Preise keinem anderen Zweck, als die falsche Art von Besuchern fernzuhalten.

Das bedeutet nicht, dass das Ritz kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet – es ist schlicht eine andere Art von Wert. Pro Stunde gerechnet ist das Frühstück nicht teurer als die Miete eines Bettes im Obergeschoss. Für deutsche Leser, die den Londoner Luxusmarkt verfolgen, zeigt das Beispiel vor allem eines: Gastfreundschaft in allen ihren Formen beruht auf der Zahlungsbereitschaft der Gäste. Die Zeit ist abgelaufen, sobald das Geld ausgeht.

Das Ritz in konzentrierter Form hat am Ende genau jene Exklusivität, die in der vollwertigen Version fehlte. Seine Grandiosität ist auf das Wesentliche reduziert – von dem nichts wirklich essenziell ist. London hat nirgendwo sonst etwas Vergleichbares, um gesehen zu werden, ohne gesehen zu werden.

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