Danaher und GE Healthcare: Günstige Bewertungen vor starkem Schlussquartal
Während der S&P 500 um 13,8 Prozent zulegt, stehen zwei Gesundheitsaktien unter Druck – ihre günstigen Bewertungen könnten für Erholung sorgen.

Während der S&P 500 in diesem Jahr um 13,8 Prozent zulegt, gehören Danaher und GE Healthcare Technologies zu den Enttäuschungen im Gesundheitssektor. Die Aktie von Danaher steht nahezu 2,7 Prozent im Minus, GE Healthcare Technologies hat sogar 16,7 Prozent an Wert verloren. In wenigen Wochen müssen beide Unternehmen mit ihren Quartalszahlen für das dritte Quartal beweisen, dass sie ihre Versprechen halten können.
Die gute Nachricht für Anleger: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass genau das gelingt. Die Bewertungen beider Titel deuten nach Einschätzung des US-Finanzdienstes Motley Fool darauf hin, dass Investoren belohnt werden dürften, wenn die Unternehmen liefern. Beide Aktien könnten damit im vierten Quartal und darüber hinaus auf dem Weg nach oben sein.
Der zentrale Punkt ist die Bewertung. Die Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnisse beider Unternehmen liegen deutlich unter den Kennzahlen, zu denen die Aktien in den vergangenen Jahren gehandelt wurden. Der Grund dafür sind operative Rückschläge, die beide Konzerne erlitten haben. Genau diese Rückschläge stehen nun auf dem Prüfstand.
Die Details
Bei GE Healthcare Technologies dreht sich alles um die Margen. Das Unternehmen kann von einem starken Auftragswachstum profitieren: Die organischen Aufträge stiegen im zweiten Quartal um 11,1 Prozent, woraus sich ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,15 ergibt. Ein Wert über eins signalisiert, dass mehr neue Aufträge eingegangen sind als Umsatz abgerechnet wurde – ein Hinweis auf künftiges Umsatzwachstum.
Problematisch bleiben die Margen, die durch Kosteninflation bei Öl, Chips und Fracht belastet werden. Das Geschäftsfeld Patient Care Solutions (PCS) meldete im zweiten Quartal einen Segmentverlust von 26 Millionen Dollar, verursacht durch einen Umsatzrückgang von 13,5 Prozent im Jahresvergleich. Beide Probleme erscheinen lösbar: Das Management unterzieht PCS einer strategischen Überprüfung, eine Maßnahme, die häufig zu Veräußerungen führt. Für die Margen kündigt das Management eine Verbesserung im zweiten Halbjahr an, getrieben von höheren Preisen, der Einführung neuer Produkte und Produktivitätsmaßnahmen, die im ersten Halbjahr ergriffen wurden.
Danaher berichtet in drei Segmenten: Biotechnologie, Life Sciences und Diagnostik. In den beiden letzteren Geschäftsfeldern gab es an den Ergebnissen des zweiten Quartals nicht viel auszusetzen. Die relative Schwäche im Biotechnologie-Geschäft erschreckte jedoch den Markt. Das Segment meldete im zweiten Quartal nur ein Kernumsatzwachstum von 2,5 Prozent, weil das Management bekanntgab, dass Lieferungen aus dem Bioprocessing-Geschäft vom zweiten und dritten Quartal ins nächste Jahr verschoben wurden.
Der ausscheidende CEO Rainer Blair erklärte, das Wachstum bei Bioprocessing-Verbrauchsmaterialien habe unter den Erwartungen gelegen, da einige große Lieferungen für Programme bei kommerziellen Kunden aus dem Quartal herausgeschoben worden seien. Diese Nachricht weckte Befürchtungen, die Entbestückung im Bioprocessing-Bereich – also der Abbau von Lagerbeständen nach den massiven Investitionen während der Pandemie – könnte noch nicht vollständig abgeschlossen sein.
Blair widersprach dieser Deutung und argumentierte, die Inventarniveaus der Branche lägen niedriger als in früheren Jahren. CFO Matt Gugino prognostizierte, das Bioprocessing-Geschäft werde im dritten Quartal im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Für das vierte Quartal sagte er: „Wir werden voraussichtlich im vierten Quartal eher im mittleren bis hohen einstelligen Bereich abschließen, wenn wir weitermachen."
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Geschichte. Bereits am 04.02.2026 berichtete aktien.news, dass GE HealthCare die Gewinnerwartungen der Analysten für das vierte Quartal übertroffen hatte und sich für das laufende Jahr optimistisch zeigte. Damals profitierte der Medizintechnikkonzern von der anhaltend starken Nachfrage nach diagnostischen Geräten, die Krankenhäuser in den USA und Europa zunehmend anschaffen. Der bereinigte Gewinn pro Aktie belief sich auf 1,44 US-Dollar und lag über der Analystenschätzung von 1,40 US-Dollar; der Gesamtumsatz stieg um 7,1 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar.
Am 06.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Gesundheitssektor erneut im Mittelpunkt des Marktgeschehens stand und einzelne Aktien Anstiege von 7,2 Prozent beziehungsweise 7,4 Prozent verzeichneten, während andere Unternehmen des Sektors von negativen Nachrichten belastet wurden. Am 30.09.2026 griff aktien.news die Einschätzung des Motley Fool auf, wonach drei unterbewertete Gesundheitsaktien jetzt kaufenswert seien. Der Hintergrund: Die Aufmerksamkeit vieler Anleger richtete sich primär auf Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, sodass die Gesundheitsbranche übersehen wurde.
Erst am 08.10.2026 meldete aktien.news, dass Moderna, Eli Lilly und weitere Gesundheitsunternehmen zulegten, während die breiten Märkte an Boden verloren. Moderna stieg um rund 5 Prozent, Eli Lilly legte nahezu 3 Prozent zu und zählte damit zu den bestperformenden Aktien des Tages im S&P 500. Der Sektor setzte damit seinen starken Lauf des laufenden Jahres fort.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Konstellation interessant, weil beide Unternehmen an klar benennbaren Katalysatoren gemessen werden. Bei GE Healthcare geht es darum, den Markt davon zu überzeugen, dass sich die Margen erholen – unterstützt durch das starke Auftragswachstum, das bisher in diesem Jahr verzeichnet wurde. Bei Danaher steht die Bestätigung im Vordergrund, dass die im zweiten Quartal verschobenen Bioprocessing-Lieferungen tatsächlich Timing-Probleme waren und nicht Ausdruck einer anhaltenden Entbestückung mit Auswirkungen bis 2027.
Entscheidend ist die Diskrepanz zwischen Bewertung und operativer Entwicklung. Die Forward-Kennzahlen beider Aktien liegen deutlich unter den historischen Niveaus, zu denen sie in den vergangenen Jahren gehandelt wurden. Solange die operative Erholung gelingt, könnte sich diese Lücke schließen. Sollten die Zahlen dagegen erneut enttäuschen, besteht das Risiko weiterer Kursverluste. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Für GE Healthcare gilt: Allein die Einhaltung der gesamten Guidance dürfte wahrscheinlich positiv für die Aktie sein. Das Unternehmen stellt ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent, einen bereinigten Gewinn je Aktie von 4,80 bis 5,00 US-Dollar sowie eine Ausweitung der bereinigten EBIT-Marge von 15,3 Prozent im Jahr 2025 auf 15,4 bis 15,7 Prozent im Jahr 2026 in Aussicht. Beobachten sollten Anleger außerdem, ob sich die strategische Überprüfung von Patient Care Solutions in konkreten Schritten niederschlägt.
Auch bei Danaher dürfte es wahrscheinlich ausreichen, die Guidance zu erfüllen und die gesamte Prognose zu bestätigen, um die Aktie anzuheben. Unternehmen, die die Erwartungen übertreffen, könnten nach Einschätzung des Motley Fool sogar erleben, dass ihre Kurse in die Höhe schnellen. Der Maßstab bleibt dabei die Entwicklung des Bioprocessing-Geschäfts, das den Markt zuletzt am stärksten verunsichert hat.
Ausblick
Der nächste konkrete Termin steht bereits fest: In einigen Wochen legen beide Unternehmen ihre Quartalszahlen für das dritte Quartal vor. GE Healthcare muss dabei belegen, dass die angekündigte Margenverbesserung im zweiten Halbjahr greift und die strategische Überprüfung von Patient Care Solutions Fortschritte macht. Die Auftragslage mit einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,15 spricht dafür, dass das zugrunde liegende Geschäft intakt ist.
Danaher muss zeigen, dass das Bioprocessing-Geschäft im dritten Quartal wie vom CFO prognostiziert im mittleren einstelligen Prozentbereich wächst und im vierten Quartal den mittleren bis hohen einstelligen Bereich erreicht. Gelingt dies, hätte der Markt die Bestätigung, dass die Verschiebungen reine Timing-Effekte waren. Beide Aktien hätten damit die Chance, im vierten Quartal und darüber hinaus aufzuholen – nach einem Jahr, in dem sie deutlich hinter dem S&P 500 zurückgeblieben sind.
Kurz erklärt
- Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis: Bewertungskennzahl, die den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn je Aktie setzt.
- Book-to-Bill-Verhältnis: Verhältnis der neu eingegangenen Aufträge zum abgerechneten Umsatz einer Periode.
- Entbestückung: Abbau von Lagerbeständen bei Kunden, der die Nachfrage nach Produkten vorübergehend dämpft.
