AWS-Auftragsbestand erreicht 496 Milliarden Dollar: Amazon-Aktie wird zum Muss
Amazon überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum und günstiger Bewertung – der Auftragsbestand von AWS hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt.

Amazon (NASDAQ:AMZN) zählt nach Einschätzung des US-Portals The Motley Fool derzeit zu den attraktivsten Kaufgelegenheiten unter den „Magnificent Seven" und unter den Large-Cap-Wachstumsaktien insgesamt. Zwei Faktoren kommen dabei zusammen: ein stark wachsendes Geschäft und eine vergleichsweise günstige Bewertung. Im Zentrum der Argumentation steht der Auftragsbestand der Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS), der auf 496 Milliarden US-Dollar gestiegen ist.
Dieser Rückstand – also Verträge, die bereits abgeschlossen sind, aber noch abgearbeitet werden müssen – hat sich seit Jahresbeginn 2026 mehr als verdoppelt. Zum Start des Jahres lag er bei 244 Milliarden US-Dollar. Das zweite Quartal des Geschäftsjahres war nach Darstellung von The Motley Fool das beste Quartal von Amazon seit mehr als vier Jahren. Der Gesamtumsatz kletterte um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar und markiert damit das stärkste Umsatzwachstum seit 2021.
Die Aktie hat sich im Jahresverlauf von einem schwachen Start erholt und liegt nun rund 13 Prozent im Plus. Anfang des Jahres hatte der Kurs einen abwärtsgerichteten Trend gezeigt, ausgelöst durch Sorgen um die damals geplanten Kapitalausgaben von 200 Milliarden US-Dollar.
Die Details
Den Kern des Wachstums bildet die Cloud-Sparte. AWS verzeichnete einen Umsatzsprung von 37 Prozent und erzielte damit die besten Ergebnisse seit 18 Quartalen. Die operative Marge im AWS-Bereich stieg um 650 Basispunkte auf 39,4 Prozent, nach 32,9 Prozent im zweiten Quartal 2025. Schließt man einen einmaligen buchhalterischen Gewinn aus, beträgt der Anstieg 520 Basispunkte.
Auf Konzernebene stieg der Nettogewinn im zweiten Quartal auf 62,6 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 5,75 US-Dollar pro Aktie, gegenüber 1,68 US-Dollar pro Aktie im zweiten Quartal 2025. Dieses Ergebnis wird durch einen enormen Gewinn von 53,4 Milliarden US-Dollar aus der Beteiligung an Anthropic verzerrt. Dennoch wurden die bereinigten Gewinnprognosen übertroffen.
Bemerkenswert ist dieses Wachstum vor allem vor dem Hintergrund der hohen Kapitalausgaben, die viele Anleger Anfang des Jahres beunruhigt hatten. Sie befürchteten, dass diese Ausgaben die Gewinne zermahlen könnten. Die ursprünglich geplanten 200 Milliarden US-Dollar für Kapitalausgaben wurden inzwischen auf 220 Milliarden US-Dollar erhöht. Drei Punkte sorgten Anfang des Jahres für Nervosität: Der Betrag lag 50 Prozent über dem Niveau von 2025, das AWS-Cloudgeschäft sah ein verlangsamtes Wachstum und verlor Marktanteile, und die Ausgaben würden den freien Cashflow belasten und im zweiten Quartal zu einem negativen Cashflow führen.
Der Cashflow war im zweiten Quartal tatsächlich negativ. CEO Andy Jassy sagte dazu kürzlich während der Gewinnkonferenz: „Wenn die Nachfrage erfordert, dass so viele Rechenzentren gleichzeitig im Voraus gebaut werden, bevor wir beginnen können, sie zu monetarisieren, werden wir viel in Kapitalausgaben investieren und bis diese Rechenzentren online gehen, mit Gegenwind beim freien Cashflow konfrontiert sein." Nach einigen Jahren, in denen die Server genutzt werden, werde das Umsatzwachstum jedoch das Wachstum der Kapitalausgaben übertreffen und der freie Cashflow zurückkehren – so zumindest der Plan.
Trotz dieser Gegenwinde beim Cashflow wirkt Amazon aktuell wie eine Must-Have-Aktie, nicht nur wegen ihres Wachstums, sondern auch wegen ihrer Bewertung. Die Aktie notiert bei rund dem 20-fachen des Gewinns, was nahe am niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren liegt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 31.07.2026 berichtete aktien.news, dass Amazon im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street beim Umsatz klar übertraf. Das beschleunigte Wachstum im Cloud-Computing-Geschäft half dabei, die weiterhin hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz auszugleichen – und trieb die Aktie zur Börseneröffnung am Freitag um mehr als 12 Prozent in die Höhe. Der Gesamtumsatz belief sich auf 200,6 Milliarden US-Dollar und übertraf die durchschnittliche Analystenprognose von 196,16 Milliarden US-Dollar deutlich. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,75 US-Dollar, war jedoch aufgrund eines hohen einmaligen Gewinns aus Investitionen nicht direkt mit der Konsensschätzung vergleichbar.
Am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass Amazon im zweiten Quartal 2026 ein beeindruckendes Comeback hingelegt habe. Das Umsatzwachstum beschleunigte sich auf 20 Prozent – das schnellste Tempo seit fünf Jahren. Die Aktie sprang daraufhin auf ein neues Allzeithoch, hat sich seitdem jedoch wieder abgekühlt. Besonders hervorzuheben war AWS, dessen Umsatz um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar stieg – das schnellste Wachstum seit 2021. Der Boom der künstlichen Intelligenz treibt diesen Anstieg maßgeblich.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass Amazon in diesem Jahr rund 220 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und KI-Infrastruktur investieren wird. Das ist eine Summe, die nahezu dem gesamten verfügbaren Cashflow des Konzerns entspricht. Eine Analyse von The Motley Fool kam damals zu dem Ergebnis, dass sich die Investitionen langfristig auszahlen könnten.
Am 08.10.2026 schließlich berichtete aktien.news, dass Amazon laut einer Analyse des US-Portals The Motley Fool das Fundament für starkes Wachstum im kommenden Jahrzehnt gelegt habe. Für etwas mehr als 10.000 US-Dollar könnten Anleger rund 40 Aktien des Konzerns erwerben. Wichtigste Wachstumsquelle ist die Cloud-Sparte AWS, die das Konzept der Infrastructure-as-a-Service (IaaS) begründet hat und heute über den größten Marktanteil im Cloud-Computing-Bereich verfügt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Kombination aus operativer Dynamik und Bewertung der zentrale Punkt. Auf der einen Seite steht ein Auftragsbestand von 496 Milliarden US-Dollar, der künftige Umsätze absichert, sowie eine AWS-Marge von 39,4 Prozent. Auf der anderen Seite steht ein negativer freier Cashflow im zweiten Quartal, der direkt aus den hohen Kapitalausgaben resultiert.
Die Bewertung von rund dem 20-fachen des Gewinns liegt nahe am niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Das ist der zweite Faktor, den The Motley Fool als Argument für einen Kauf anführt. Anleger sollten jedoch beachten, dass das ausgewiesene Ergebnis je Aktie von 5,75 US-Dollar durch den einmaligen Gewinn von 53,4 Milliarden US-Dollar aus der Anthropic-Beteiligung stark verzerrt ist. Der Vergleich mit dem Vorjahreswert von 1,68 US-Dollar pro Aktie ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.
Wer in Amazon investiert, investiert derzeit vor allem in die These, dass die Rechenzentren nach ihrer Inbetriebnahme die Erträge liefern, die den aktuellen Cashflow-Druck rechtfertigen. Diese These ist nicht risikofrei, sie wird aber durch den überfüllten Auftragsbestand gestützt.
Ausblick
Der weitere Verlauf hängt nach Darstellung des Quelltextes maßgeblich davon ab, ob das Umsatzwachstum das Wachstum der Kapitalausgaben übertrifft, sobald die Rechenzentren online gehen. Erst dann soll der freie Cashflow zurückkehren. CEO Andy Jassy hat diesen Zusammenhang auf der Gewinnkonferenz ausdrücklich als Plan des Unternehmens beschrieben. Konkrete Termine für diesen Umschwung nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Auftragsbestand (Backlog): Verträge, die bereits abgeschlossen sind, aber noch abgearbeitet und abgerechnet werden müssen.
- Betriebsmarge: Der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz eines Geschäftsbereichs oder Konzerns.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zins- und Prozentänderungen, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel Prozentpunkt entspricht.
- Kapitalausgaben (CapEx): Investitionen in langlebige Vermögenswerte wie Rechenzentren, Server und Infrastruktur.
- Freier Cashflow: Der Mittelzufluss, der nach Abzug der Investitionen aus dem operativen Geschäft übrig bleibt.
