CoreWeave-Anleihen im Distressed-Bereich: CDS-Kosten steigen auf über elf Prozent
Die Schuldtitel des KI-Cloud-Anbieters CoreWeave gelten nun als notleidend. Die Absicherungskosten steigen auf über elf Prozent des Nominalwerts.

Die Schuldtitel des KI-Cloud-Anbieters CoreWeave werden an den Finanzmärkten inzwischen als notleidend eingestuft. Nach einer gängigen Definition gilt eine Anleihe als „distressed debt", wenn Anleger eine Zusatzrendite von mehr als 1.000 Basispunkten über der Rendite von Staatsanleihen verlangen. Genau dieser Schwellenwert ist bei CoreWeave nach Einschätzung des Financial-Times-Newsletters erreicht.
Die Kosten für die Absicherung der CoreWeave-Schuldtitel gegen einen Ausfall über fünf Jahre sind parallel zu den Kreditspreads gestiegen. Sie liegen nun bei mehr als 11 Prozent des Nominalwerts pro Jahr. Für Käufer von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) bedeutet das drastisch höhere Prämien.
Im Mittelpunkt der Analyse steht ein Zitat von Brannin McBee, Mitgründer von CoreWeave. In der Mittwochsausgabe des MainFT findet sich laut dem Newsletter die „wohl ultimative Aussage zur KI-Finanzierung": „[Das Kapital der Versicherer] ist unbegrenzt. Ich meine damit, dass das gesamte Geld der Welt im Versicherungstranche gebunden ist." McBee hat demnach herausgefunden, dass sich der Kreis potenzieller Finanzierer erheblich erweitert, wenn man einer bestimmten Form von Schuldtiteln eine Investment-Grade-Bewertung verleihen kann.
Die Details
Der Newsletter der FT, in dem Herausgeberin Roula Khalaf wöchentlich ihre favorisierten Geschichten auswählt, rechnet die aktuellen Marktbewegungen detailliert vor. Nach den bei Bloomberg angegebenen Werten belaufen sich die Kosten für die Absicherung von 10 Mio. US-Dollar an CoreWeave-Schuldtiteln auf 1,1 Mio. US-Dollar pro Jahr.
Zur Einordnung: Normalerweise zahlt der Käufer eines Credit Default Swaps eine regelmäßige Prämie, angegeben in Basispunkten, multipliziert mit dem versicherten Betrag. Betrug der CDS-Spread also 300 Basispunkte und der Nominalwert 10 Mio. US-Dollar, würden 300.000 US-Dollar pro Jahr fällig, um Schutz zu kaufen. Bei einem High-Yield-CDS-Namen würden technisch gesehen 500.000 US-Dollar pro Jahr in vierteljährlichen Raten gezahlt, verbunden mit einer Vorauszahlung, sodass die jährlichen Kosten 300.000 US-Dollar entsprechen.
Wenn die Spreads weit genug werden, werden CDS tendenziell „upfront" notiert, also als Pauschalbetrag vorab, statt in Spread-Termen. CoreWeave hat diesen Schwellenwert inzwischen offenbar überschritten. Käufer des Schutzes müssen sofort einen beträchtlichen Pauschalbetrag entrichten und zudem jährlich eine Prämie zahlen.
Die Begründung für diese beträchtliche Vorauszahlung: Sie soll die Verkäufer des Kreditschutzes davor bewahren, mit einem massiven Verlust konfrontiert zu werden, falls ein Ausfall sehr kurzfristig eintritt. Das Rechenbeispiel aus dem Newsletter: Ein Schutzverkäufer, der mit einem guten Ausgang rechnet, verkauft Schutz zu 1.117 Basispunkten und glaubt, 1,117 Mio. US-Dollar für jeden verkauften Schutz von 10 Mio. US-Dollar zu sichern. Ohne einen Upfront-Bestandteil würde er nur 279.250 US-Dollar viermal im Jahr erhalten, und die erste Zahlung würde erst im Dezember eintreffen. Tritt jedoch ein Ausfall vorher ein, haftet er für Verluste in Höhe von bis zu 10 Mio. US-Dollar, ohne auch nur einen Cent für seine Mühen erhalten zu haben.
Konkret müsste jemand, der zum jetzigen Zeitpunkt Schutz in Höhe von 10 Mio. US-Dollar gegen einen CoreWeave-Ausfall kaufen möchte, am ersten Tag 1,95 Mio. US-Dollar zahlen und dann zusätzlich 125.000 US-Dollar jedes Quartal. Der Newsletter kommt zu dem Schluss, dass CoreWeave seine Bemühungen beschleunigen muss, herauszufinden, wie es an dieses „bodenlose Loch aus Versicherungskapital" herankommt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung ist Teil einer längeren Geschichte wachsender Finanzierungsrisiken bei CoreWeave. Bereits am 28.02.2026 berichtete aktien.news, dass CoreWeave Anleger mit einem beispiellosen Investitionsplan aufgeschreckt hat: Für das laufende Jahr plante das Unternehmen Kapitalausgaben zwischen 30 und 35 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie die 14,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Die Aktie verlor damals rund 12 Prozent.
Am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass der Auftragsbestand von CoreWeave um fast 300 Prozent im Jahresvergleich auf 99,4 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, während der Kapitalbedarf für den Bau von KI-Rechenzentren in alarmierendem Tempo wächst. Die Kosten für die Errichtung KI-fähiger Anlagen wurden damals auf 15 bis 25 Millionen US-Dollar pro Megawatt geschätzt.
Am 27.09.2026 meldete aktien.news, dass die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen auf ihr höchstes Niveau seit 2007 klettern und der Ausbau der KI-Infrastruktur dadurch noch kostspieliger wird. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag nahe bei 5,17 Prozent – ein Anstieg von rund einem Prozentpunkt seit Jahresbeginn. JPMorgan Chase schätzte im Juni, dass bis 2030 insgesamt 4,1 Billionen Dollar an mit der KI verbundenen Schulden emittiert werden.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news über den FT-Newsletter, der die massiven Anleiheemissionen der großen Technologiekonzerne wie Amazon und Meta in den Mittelpunkt stellte und die Folgen für die Unternehmensanleihemärkte weltweit untersuchte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal über die Risikowahrnehmung am Kreditmarkt. Wenn die Absicherungskosten für CoreWeave-Schulden auf über 11 Prozent des Nominalwerts pro Jahr steigen und die Titel als distressed debt gelten, spiegelt das eine deutlich gestiegene Ausfallerwartung wider. Anleger, die in Anleihen oder Kredite von Unternehmen mit hohem KI-Infrastrukturbezug investiert sind, sollten die Kreditspreads und CDS-Notierungen dieser Emittenten im Blick behalten.
Zugleich zeigt das Beispiel, wie stark die Finanzierung des KI-Booms von der Bereitschaft großer Kapitalpools abhängt. McBees Aussage über das „unbegrenzte" Versicherungskapital macht deutlich, dass CoreWeave auf neue Finanzierergruppen angewiesen ist. Ob diese tatsächlich in großem Umfang einspringen, hängt maßgeblich von der Bewertung der Schuldtitel ab.
Ausblick
Der Newsletter verweist als weiterführende Lektüre auf einen Beitrag mit dem Titel „Acht seltsame Dinge im IPO-Prospekt von CoreWeave" (FTAV). Konkrete Termine oder angekündigte Maßnahmen zur Refinanzierung nennt der Quelltext nicht. Klar ist: CoreWeave muss nach Einschätzung der FT seine Anstrengungen beschleunigen, um weiteres Versicherungskapital zu erschließen.
Kurz erklärt
- Credit Default Swap (CDS): Ein Finanzkontrakt, mit dem sich ein Käufer gegen den Ausfall eines Schuldners absichert, indem er regelmäßig eine Prämie an den Verkäufer zahlt.
- Distressed Debt: Schuldtitel, bei denen Anleger eine deutlich erhöhte Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen verlangen, weil sie das Ausfallrisiko als hoch einschätzen.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinssätze, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
