Chinas Aluminiumproduktion erreicht trotz Kapazitätsdeckel neuen Quartalsrekord
Der weltgrößte Produzent förderte im dritten Quartal 11,84 Millionen Tonnen – ein Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Chinas primäre Aluminiumproduktion hat im dritten Quartal einen neuen Quartalsrekord erreicht. Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, die das Staatliche Statistikamt am Montag veröffentlichte, hielten die Schmelzwerke ihre hohen Auslastungsraten trotz einer seit Langem bestehenden, staatlich auferlegten Kapazitätsobergrenze aufrecht. Der weltweit größte Aluminiumproduzent setzte damit seinen Expansionskurs fort.
Der weltweit größte Produzent des Metalls förderte zwischen Juli und September 11,84 Millionen metrische Tonnen primäres Aluminium. Das entspricht einem Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und von 0,5 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Quartal. Die Berechnungen stammen von Reuters auf Basis der Daten des Staatlichen Statistikamtes.
Auch der Monat September fiel kräftig aus. Die Produktion stieg um 3,1 Prozent im Jahresvergleich auf 3,91 Millionen Tonnen, lag damit aber unter dem monatlichen Rekord von 3,98 Millionen Tonnen, der im August erreicht worden war. Der durchschnittliche Tagesausstoß erhöhte sich laut Reuters-Berechnungen im September auf rund 130.300 Tonnen, nach 128.400 Tonnen im August.
Die Details
Der höhere Tagesausstoß deutet darauf hin, dass die Schmelzwerke weiterhin mit hoher Rate operierten. In den ersten neun Monaten des Jahres produzierte China 35,03 Millionen Tonnen primäres Aluminium, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei diesem Tempo würde die jährliche Produktion etwa 46,7 Millionen Tonnen erreichen.
Hinter der hohen Auslastung steht eine Besonderheit der chinesischen Kapazitätsregeln. Seit 2017 gilt eine Obergrenze für die jährliche Schmelzkapazität von 45 Millionen Tonnen, um Überkapazitäten und Umweltverschmutzung zu begrenzen. Diese Obergrenze bezieht sich jedoch auf die installierte Kapazität und nicht auf die tatsächliche Produktion. Dadurch können die Schmelzwerke durch technologische Verbesserungen und operative Effizienzsteigerungen mehr produzieren als ihre nominale Kapazität, unterstützt durch starke Gewinne.
Getrieben wird diese Entwicklung von den Margen. Höhere Aluminiumpreise infolge von Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten sowie relativ niedrige Rohstoffkosten haben die starken Schmelzmargen gestützt. Das hat chinesische Produzenten dazu ermutigt, die Ausgabe zu maximieren.
Im vergangenen Jahr hatte China bereits einen Rekord aufgestellt: 2025 produzierte das Land 45,02 Millionen Tonnen primäres Aluminium, ein Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei anderen Nichteisenmetallen legte die Produktion zu. Die Ausgabe von zehn Nichteisenmetallen – darunter Kupfer, Aluminium, Blei, Zink und Nickel – stieg um 0,1 Prozent auf 6,93 Millionen metrische Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresdurchschnittsproduktion lag im laufenden Jahr um 2,5 Prozent bei 62,35 Millionen metrischen Tonnen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass die chinesische Aluminiumproduktion im August ein neues Rekordhoch erreicht hatte. Wie das Staatliche Statistikamt am Dienstag mitteilte, stieg die Produktion um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,98 Millionen Tonnen. Damit übertraf China den bisherigen monatlichen Höchstwert von 3,979 Millionen Tonnen aus dem Juni nur knapp. Bereits im Juli hatte die Produktion bei knapp unter 3,9 Millionen Tonnen gelegen. In den ersten acht Monaten des Jahres produzierte China insgesamt 31,12 Millionen Tonnen.
Am 31.03.2026 meldete aktien.news einen historischen Preisschock am Aluminiummarkt. Iranische Militärschläge gegen wichtige Schmelzanlagen in der Golfregion trieben die Notierungen auf knapp unter Vier-Jahres-Hochs. An der London Metal Exchange kletterte der Dreimonats-Kontrakt um 3,85 Prozent auf 3.440,25 US-Dollar je Tonne, zwischenzeitlich wurden 3.492 Dollar erreicht, nahe dem Mehrjahreshoch von 3.546,50 Dollar. Auch an der Shanghai Futures Exchange zog der aktivste Kontrakt um 3,43 Prozent auf 24.725 Yuan je Tonne an.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass Analysten für 2027 einen deutlichen Angebotsüberschuss erwarten. Neue Mengen aus Indonesien und eine Erholung der Lieferungen aus Schmelzereien im Golfgebiet dürften die Versorgungslage entspannen. Die Aussicht auf ein größeres Angebot drückte die Preise in dieser Woche unter 3.000 Dollar pro Tonne – den niedrigsten Stand seit Dezember. Erst im Juni hatten die Notierungen wegen Handelsstörungen infolge des Iran-Krieges ein Vierjahreshoch erreicht.
Am 04.02.2026 berichtete aktien.news über eine Reuters-Umfrage unter Rohstoffexperten. Danach bleiben die Preise für Basismetalle wie Kupfer, Zinn und Aluminium auf erhöhtem Niveau, doch die spektakulären Rekordpreise vom Januar dürften nicht nachhaltig sein. Kupfer hatte im Januar an der London Metal Exchange mit 14.527,50 US-Dollar je metrische Tonne ein Allzeithoch erreicht, Zinn kletterte sogar auf ein beispielloses Rekordhoch von 59.040 US-Dollar pro Tonne.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht in erster Linie ein Signal zur Angebotslage. China dominiert die globale Aluminiumproduktion, und die rekordhohe Ausgabe trotz Kapazitätsdeckel zeigt, dass die Regeln die tatsächliche Fördermenge nicht wirksam begrenzen. Das kann den globalen Markt mit zusätzlichem Angebot versorgen und die Preisentwicklung dämpfen.
Gleichzeitig deuten die Archivberichte auf eine gespaltene Entwicklung hin. Einerseits trieben Angebotsunterbrechungen im Nahen Osten die Notierungen im Frühjahr nach oben, andererseits erwarten Analysten für 2027 einen Überschuss, der die Preise bereits unter 3.000 Dollar pro Tonne gedrückt hat. Hohe Margen und relativ niedrige Rohstoffkosten machen die chinesische Produktion attraktiv, während ein Überangebot die Preise belasten könnte. Anleger sollten daher Produzenten- und Preisrisiken getrennt betrachten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der Quelltext nennt konkrete Erwartungen: Bei einem Fortsetzen des Tempos aus den ersten neun Monaten würde die Jahresproduktion etwa 46,7 Millionen Tonnen erreichen. Das läge über der 2017 eingeführten Obergrenze von 45 Millionen Tonnen für die installierte Kapazität. Analysten rechnen zudem für 2027 mit einem deutlichen Angebotsüberschuss, nachdem neue Mengen aus Indonesien und eine Erholung der Lieferungen aus dem Golfgebiet die Versorgung entspannen. Weitere Angaben zu Terminen oder Plänen enthält der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Kapazitätsobergrenze: Staatlich festgelegte Höchstgrenze für die installierte Produktionskapazität, nicht für die tatsächliche Ausbringungsmenge.
- Primäraluminium: Aus Rohstoff gewonnenes Aluminium im Gegensatz zu recyceltem Sekundäraluminium.
- Schmelzmarge: Der Gewinn, der einem Schmelzwerk nach Abzug von Rohstoff- und Produktionskosten pro produzierter Tonne bleibt.
