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Carneys Handelsstrategie scheitert an Kanadas US-Abhängigkeit

Trotz globaler Handelsmissionen bleibt der Zugang zum US-Markt Kanadas wichtigstes Argument für ausländische Investoren.

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Kanadas Premierminister Mark Carney wirbt weltweit für eine Allianz mittlerer Wirtschaftsmächte, die unabhängig von den protektionistischen USA unter Präsident Donald Trump agieren soll. Doch die Realität holt seine Ambitionen ein: Laut Interviews mit einem Dutzend Regierungsvertretern und Wirtschaftsführern bleibt der Zugang zum amerikanischen Markt das entscheidende Argument, das Kanada für potenzielle Handelspartner attraktiv macht.

Seit seinem Wahlsieg im April 2025 hat Carneys Team bereits vier Handelsmissionen geleitet – darunter zwei nach Asien – mit dem Ziel, ausländische Investitionen in Bergbau-, Ingenieur- und Infrastrukturprojekte anzuziehen. Eine fünfte und bisher größte Mission soll Ende dieses Monats nach Japan reisen. Der eigentliche Trumpf im Gepäck der kanadischen Delegationen ist jedoch nicht die Unabhängigkeit von den USA, sondern das Gegenteil: die Mitgliedschaft im USMCA-Freihandelsabkommen.

USMCA als Herzstück der Investitionsbotschaft

„Das USMCA-Abkommen war so etwas wie die Basis unserer Botschaft zur Anwerbung von Investitionen", sagte ein hochrangiger kanadischer Regierungsbeamter anonym gegenüber Reuters. Das Abkommen ermöglicht die zollfreie Einfuhr von Produkten, sofern ein ausreichender Teil der Produktion innerhalb Nordamerikas stattfindet. Carney selbst betont regelmäßig, dass mehr als 85 Prozent des bilateralen Handels zwischen Kanada und den USA weiterhin zollfrei abgewickelt werden.

Das USMCA-Abkommen, das in Trumps erster Amtszeit ausgehandelt wurde, steht am 1. Juli zur Verlängerung an. Die drei Mitgliedsländer – USA, Kanada und Mexiko – müssen bis zu diesem Datum entscheiden, ob sie den Pakt um weitere 16 Jahre oder auf jährlicher Basis für zehn Jahre verlängern. Alternativ kann jedes Land das Abkommen mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Während die USA bereits Gespräche mit Mexiko über eine Verlängerung aufgenommen haben, ist unklar, wann formelle Verhandlungen mit Kanada beginnen werden.

Kanadas Handelsminister Maninder Sidhu bringt die Lage auf den Punkt: „In verschiedenen Teilen der Welt will jeder wissen, was mit den USA passiert, weil wir uns einfach in so unmittelbarer Nähe befinden."

Japanische Autobauer als Paradebeispiel

Besonders deutlich zeigt sich die US-Abhängigkeit im Automobilsektor. Die japanischen Hersteller Toyota und Honda dominieren die kanadische Fahrzeugproduktion und machen zusammen über 75 Prozent der in Kanada hergestellten Fahrzeuge aus. Beide Unternehmen lobbyieren intensiv für den Erhalt des USMCA-Abkommens: Toyota thematisierte das Freihandelsabkommen bei 13 von 14 Kontakten mit der kanadischen Regierung in diesem Jahr. Honda brachte den Pakt bei 21 seiner 27 Regierungskontakte zur Sprache und begründete dies mit der „Notwendigkeit, den Schutz für Nordamerikas integrierte Automobilindustrie und das Zuliefernetzwerk zu gewährleisten".

Ishii Hideaki, Gesandter und stellvertretender Missionsleiter an der japanischen Botschaft in Ottawa, bestätigt die Bedeutung des Abkommens: „Für viele der japanischen Unternehmen, die hier investieren, ist einer der Gründe für ihr Engagement definitiv der besondere Zugang, den Kanada über die langen Jahre genossen hat."

Auch europäische und asiatische Konzerne machen Druck: Die schwedische Volvo Group forderte Ottawa auf, das USMCA „so beizubehalten, wie es ist". Der südkoreanische Autobauer Kia warnte, dass Änderungen am Pakt die Kosten erhöhen und zum Verlust von Arbeitsplätzen führen könnten.

Kanada diversifiziert – aber die USA bleiben zentral

Unter Carney hat Kanada dennoch Fortschritte bei der Handelsdiversifizierung erzielt. Ein Handelsabkommen mit Indonesien sowie ein Investitionspakt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden bereits unterzeichnet. Für das laufende Jahr strebt Ottawa Abkommen mit den Philippinen, Thailand, dem ASEAN-Staatenbund, Indien und dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur an. Zudem wurde ein begrenzteres Handelsabkommen mit China geschlossen, und der Handel mit Japan, Vietnam, Pakistan und Bangladesch soll ausgebaut werden.

Das kanadische Außenministerium, das für den Handel zuständig ist, betonte gegenüber Reuters: „Die Stärkung der langjährigen Wirtschaftspartnerschaft Kanadas mit den Vereinigten Staaten und der Ausbau unserer Handelsbeziehungen sind sich gegenseitig verstärkende Prioritäten." Diese Formulierung verdeutlicht das Dilemma der Carney-Regierung: Die Diversifizierungsstrategie und die enge Bindung an die USA schließen sich nicht aus – sie bedingen einander. Für Investoren weltweit bleibt der Zugang zum größten Markt der Welt das entscheidende Kriterium, und Kanada kann diesen Trumpf nur ausspielen, solange das USMCA-Abkommen Bestand hat.

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