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Canyon-Krise: 320 Stellen fallen weg – Fahrrad-Boom ist vorbei

Der deutsche Fahrradhersteller Canyon streicht jeden vierten Arbeitsplatz. Die Branche kämpft mit Überkapazitäten nach dem Corona-Boom. Selbst das Vorzeigeunternehmen macht Millionenverluste.

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Canyon-Krise: 320 Stellen fallen weg – Fahrrad-Boom ist vorbei

Der Fahrrad-Boom ist Geschichte – und nun trifft es auch Canyon. Das Koblenzer Vorzeigeunternehmen plant den Abbau von bis zu 320 Stellen an seinen deutschen Standorten. Das entspricht etwa jedem vierten Arbeitsplatz von insgesamt 1.200 Mitarbeitern in Deutschland.

Gründer Roman Arnold informierte die Belegschaft Anfang der Woche persönlich über die drastische Maßnahme. Die IG Metall Koblenz zeigt sich skeptisch: "Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass der genannte geplante Abbau in dieser Höhe notwendig ist." Eine Betriebsversammlung soll kommende Woche Klarheit bringen.

Vom Boom zur Branchenkrise

Die Zahlen des europäischen Branchenverbands Conebi zeichnen ein dramatisches Bild: Nach einem sprunghaften Umsatzanstieg von 18,3 Milliarden Euro (2020) auf 21,1 Milliarden Euro (2022) folgte der tiefe Fall. Gestiegene Lebenshaltungskosten und vorgezogene Käufe während der Pandemie ließen die Erlöse zwei Jahre in Folge sinken.

Die Konsolidierungswelle erfasste bereits zahlreiche Wettbewerber: Die thüringische Marke Möve, Advanced Bikes aus Frankfurt und der fränkische Mountainbike-Versender YT Industries meldeten Insolvenz an. Das niederländische E-Bike-Start-up VanMoof ging pleite, der Schweizer Hersteller Flyer entließ 150 von 170 Mitarbeitern. Selbst Jobrad, Marktführer im Dienstrad-Leasing, strich im November 170 Stellen.

Teure Expansion trotz Marktrückgang

Canyons Wachstumskurs hatte seinen Preis: Zwischen 2020 und 2024 verdoppelte sich der Umsatz zwar von 416 Millionen auf 792 Millionen Euro. Doch Überkapazitäten und Rabattschlachten führten zu operativen Verlusten von 14 Millionen Euro (2023) und 38 Millionen Euro (2024).

Die Folgen zeigen sich in der Bilanz des Mehrheitseigentümers: Die börsennotierte belgische Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) – auch an Adidas und Pernod Ricard beteiligt – wertete ihre Canyon-Beteiligung von 460 Millionen auf nur noch 261 Millionen Euro ab.

Arnolds Rückkehr und neue Strategie

Im September übernahm Gründer Roman Arnold überraschend wieder das Ruder als CEO. Der bisherige Chef, Ex-Inditex- und Nike-Manager Nicolas de Ros Wallace, trat zurück. Arnold versprach Besserung und kündigte gegenüber dem "Manager Magazin" an: "Ich werde Canyon weiter nach vorn bringen. Ich habe einen Plan dafür."

Der 60-jährige Groß- und Außenhandelskaufmann sowie Fahrradmechaniker hatte Canyon 1985 mit seinem Bruder gegründet. Über Jahrzehnte baute er das Unternehmen zum Ausstatter von Tour-de-France-Teilnehmern und Ironman-Athleten auf. 2020 zog er sich zurück, 2021 verkaufte er die Mehrheit an GBL. Auch NBA-Star LeBron James investierte 2022 in Canyon.

E-Bike-Offensive als Rettungsanker

Canyons Zukunft liegt im E-Bike-Segment. In Deutschland wurden 2023 erstmals mehr E-Bikes (53 Prozent) als herkömmliche Fahrräder verkauft. Ein Paradigmenwechsel für Canyon, dessen Kernkompetenz bisher bei Rennrädern und Gravel-Bikes ohne E-Antrieb lag.

Noch in diesem Jahr eröffnet das neue E-Bike-Zentrum direkt neben der Koblenzer Unternehmenszentrale. Canyon will dort setzen, "wo sie nachhaltigen Mehrwert schaffen". Arnold strebt an, den Umsatz innerhalb von drei Jahren auf eine Milliarde Euro zu steigern.

Der Gründer relativiert die Verluste: Die IFRS-Zahlen von GBL seien "stark von den Übernahmekosten geprägt". Die operative Performance sei deutlich stärker. Seit 2023 habe Canyon Lagerbestände um über 140 Millionen Euro abgebaut und den Cashflow "deutlich verbessert".

Ausblick für Investoren

Die Canyon-Krise zeigt exemplarisch die Herausforderungen der gesamten Fahrradbranche nach dem Pandemie-Boom. Für Anleger bleibt die Entwicklung des Mehrheitseigentümers GBL relevant – die Holding ist an der Brüsseler Börse notiert. Die drastische Abwertung der Canyon-Beteiligung belastet bereits die Konzernbilanz.

Ob Arnolds Turnaround-Plan aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die E-Bike-Offensive und der Stellenabbau sollen Canyon wieder profitabel machen. Doch der Wettbewerb bleibt hart – und der europäische Markt schrumpft weiter.

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