Brent-Öl bei 110 Dollar: Iran eskaliert Angriffe in Hormus
Mindestens neun Schiffe attackiert, Huthi-Raketen auf Saudi-Arabien und ein geplatzter Energie-Stillstand treiben die Rohölpreise deutlich nach oben.

Die Rohölpreise sind am Freitag deutlich gestiegen. Auslöser sind gleich mehrere Eskalationen im Nahen Osten und im Ukraine-Krieg: Iran versucht, die Ölexporte durch die Straße von Hormus zu unterbinden, die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen feuerten erneut Raketen auf Saudi-Arabien, und die Ukraine kündigte an, russische Raffinerien weiterhin zu treffen.
Brent-Futures erreichten zum ersten Mal seit Mai ein Sitzungshoch von 110 US-Dollar pro Barrel, bevor sie leicht auf 109,86 US-Dollar zurückfielen – ein Plus von 3,7 Prozent. Das US-amerikanische West Texas Intermediate (WTI) legte um 3,5 Prozent zu und schloss bei 101,41 US-Dollar pro Barrel. Auf Wochensicht summiert sich das für WTI auf ein Plus von mehr als 10 Prozent, Brent stieg um fast 5 Prozent.
Im Zentrum der Eskalation steht die Straße von Hormus, eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt für Energielieferungen. Seit Sonntag sind dort mindestens neun Tanker und Frachtschiffe angegriffen worden. Am Mittwoch versenkte Iran den Containerschiff GFS Pride, wie das US Central Command mitteilte.
Die Details
Die Besatzung des in Singapur registrierten Schiffes wurde laut der singapurischen Schifffahrtsbehörde sicher evakuiert. Nach Angaben der Internationalen Maritime Organisation (IMO) wurden in dieser Woche drei Seeleute verletzt und zwei vermisst gemeldet. Die Rohölexporte durch die Straße von Hormus sind nach dem Erreichen der Niveaus vor dem Krieg im September rückläufig: Für die bis Mittwoch endende Woche lagen die Liefermengen bei 9,4 Millionen Barrel pro Tag, was etwa 70 Prozent des Durchschnittswerts vor dem Iran-Krieg entspricht, so Daten des Energieforschers Kpler.
Auch Saudi-Arabien gerät zunehmend unter Beschuss. Am Freitag fing das Königreich mehrere über das Rote Meer abgefeuerte Raketen ab, darunter eine, die auf den Ölexportterminal Yanbu zusteuerte, wie ein militärischer Sprecher sagte. Zudem wurden drei Drohnen in der Region Riad und im Süden des Königreichs zerstört. Die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen haben diese Woche wiederholt auf Saudi-Arabien geschossen.
Der Ölriese Aramco wurde ebenfalls getroffen: Eines seiner Verwaltungsgebäude in Dhahran wurde am Dienstag attackiert, wie das saudische Energieministerium mitteilte. Bereits am 10. Oktober griffen die Huthis den internationalen Flughafen von Riad an, wobei 12 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden.
Unterdessen ist der „Energie-Stillstand“, den Präsident Donald Trump zwischen Ukraine und Russland zu vermitteln versuchte, schnell zusammengebrochen. Der Kreml führte trotz des angeblichen Waffenstillstands weiterhin Angriffe auf ukrainische Infrastruktur durch. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Kiew werde die Angriffe auf russische Raffinerien zur Vergeltung wieder aufnehmen.
Die Folgen sind auch an der Zapfsäule spürbar. Dieselpreise sind in diesem Jahr aufgrund der ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien und iranischer Schläge auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten stark angestiegen. Laut Daten von AAA kostete der Kraftstoff am Freitag durchschnittlich 6,33 US-Dollar pro Gallone in den USA, was mehr als 70 Prozent über dem Niveau desselben Zeitraums im Vorjahr lag.
Zusätzlich gestützt wurden die US-Rohölpreise durch einen deutlichen Rückgang der kommerziellen Lagerbestände um mehr als 8 Millionen Barrel für die bis zum 9. Oktober endende Woche. Als Grund nannte die Energy Information Administration (EIA) Produktionsstilllegungen an der Golfküste infolge des Hurrikans Isaias.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Eskalation ist Teil einer länger anhaltenden Entwicklung. Bereits am 27.04.2026 berichtete aktien.news, dass Brent-Rohöl sich der Marke von 110 US-Dollar pro Barrel nähert, nachdem der Preis in der vergangenen Woche die Schwelle von 100 Dollar überwunden hatte. Im Mittelpunkt stand damals die Straße von Hormus, und Berichte des US-Nachrichtenportals Axios deuteten darauf hin, dass der Iran einen neuen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Wasserstraße unterbreitet hatte.
Am 10.04.2026 meldete aktien.news, dass die Ölpreise trotz eines fragilen zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran stiegen, der am Dienstag durch pakistanische Vermittlung zustande kam. Brent legte damals um 96 Cent oder 1,0 Prozent auf 96,88 US-Dollar zu, WTI um 78 Cent beziehungsweise 0,80 Prozent auf 98,65 US-Dollar. Auf Wochensicht verloren beide Kontrakte jedoch rund 11 Prozent – der stärkste wöchentliche Rückgang seit Juni 2025.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news über neue Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und iranische Angriffe auf Schiffe im Golf. Brent mit Lieferung im November stieg damals um 1,7 Prozent auf 107,48 US-Dollar, WTI mit Lieferung im Oktober um 1,79 Prozent auf 103,20 US-Dollar. Saudi-Arabien hatte seine kritische Ost-West-Pipeline geschlossen, die an der Straße von Hormus vorbeiführt, Grund waren Schäden durch Drohnen aus dem Irak.
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise deutlich stiegen, nachdem NBC News gemeldet hatte, Präsident Donald Trump und sein nationales Sicherheitsteam hätten darüber gesprochen, die groß angelegten militärischen Operationen der USA im Iran in den kommenden Wochen möglicherweise wieder aufzunehmen. Brent zur Lieferung im Dezember legte damals um 2,14 Prozent auf 102,35 US-Dollar zu, WTI für November um 1,78 Prozent auf 89,85 US-Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Lage vor allem ein Inflations- und Kostenthema. Steigende Rohöl- und Dieselpreise wirken sich auf Transport-, Produktions- und Heizkosten aus und können die Inflation antreiben. Die Kombination aus blockierter Schifffahrtsroute, Angriffen auf Energieinfrastruktur und einem geplatzten Waffenstillstand zwischen Ukraine und Russland erhöht die Unsicherheit an den Energiemärkten spürbar.
Beachtenswert ist die Dynamik: WTI legte in dieser Woche um mehr als 10 Prozent zu, Brent um fast 5 Prozent. Solche Ausschläge zeigen, wie empfindlich der Markt auf geopolitische Nachrichten reagiert. Der Rückgang der US-Lagerbestände um mehr als 8 Millionen Barrel verstärkt den Aufwärtsdruck zusätzlich, auch wenn er laut EIA auf einen einmaligen Faktor – die Produktionsstilllegungen nach Hurrikan Isaias – zurückgeht.
Anleger sollten beachten, dass die Preise bereits mehrfach in diesem Jahr stark geschwankt haben. Im April 2026 etwa verbuchten beide Kontrakte auf Wochensicht rund 11 Prozent Verlust, den stärksten wöchentlichen Rückgang seit Juni 2025. Die Märkte reagieren also nicht nur auf Eskalation, sondern auch auf Signale der Entspannung. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Im Quelltext genannte konkrete Pläne betreffen vor allem die Fortsetzung der Angriffe: Die Ukraine will die russischen Raffinerien weiterhin treffen, wie Präsident Selenskyj erklärte. Die Huthi-Rebellen haben diese Woche wiederholt Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien abgefeuert, und Iran setzt seine Versuche fort, die Ölexporte durch die Straße von Hormus zu unterbinden.
Ob der von Präsident Donald Trump vermittelte „Energie-Stillstand“ zwischen Ukraine und Russland wiederbelebt wird, ist offen – er ist laut Bericht schnell zusammengebrochen, während der Kreml weiterhin ukrainische Infrastruktur angriff. Für die Ölpreise bleibt die Straße von Hormus damit der entscheidende Faktor. Die Liefermengen liegen derzeit bei 9,4 Millionen Barrel pro Tag und damit bei etwa 70 Prozent des Durchschnittswerts vor dem Iran-Krieg.
Kurz erklärt
- Brent: Ein internationaler Referenzpreis für Rohöl, der für die Preisentwicklung an den Energiemärkten weltweit herangezogen wird.
- WTI: West Texas Intermediate ist ein US-amerikanischer Rohöl-Referenzpreis, der vor allem den nordamerikanischen Markt abbildet.
- Straße von Hormus: Eine Meerenge, durch die ein großer Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen per Schiff transportiert wird.
