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Bob Chapek rechnet mit Disney ab: Iger habe ihn untergraben

In seinem ersten Interview seit dem Aus als Disney-Chef erhebt Bob Chapek schwere Vorwürfe gegen Vorgänger und Nachfolger Bob Iger.

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Bob Chapek rechnet mit Disney ab: Iger habe ihn untergraben

Bob Chapek hat sein Schweigen gebrochen. In seinem ersten öffentlichen Interview über seine turbulenten 33 Monate als Chef von Walt Disney erklärte der 67-Jährige, er habe nie eine echte Chance gehabt. Sein Vorgänger und Nachfolger Bob Iger, so Chapek, habe unermüdlich daran gearbeitet, ihn zu untergraben und schließlich die Krone zurückzuerobern. „Ich finde es eigentlich erstaunlich, dass es drei Jahre gedauert hat, statt dass es überhaupt passiert ist“, sagte Chapek von seinem Zuhause in den Florida Keys aus.

Die Aussagen sind Teil seiner Memoiren mit dem Titel „Behind the Castle Walls“, die nächste Woche bei Gallery Books erscheinen. Das Buch zeichnet seinen frühen Lebensweg und seine Karriere nach sowie seine fast 30-jährige Zeit bei Disney. Darin beschreibt er seinen Aufstieg vom Direktor für Marketing im Heimvideo-Bereich bis zum Leiter der Bereiche Heimvideo, Filmvertrieb, Consumer Products und Freizeitparks – bevor er im Jahr 2020 zum CEO ernannt wurde.

Die Details

Chapek war insgesamt 33 Monate lang CEO des Unterhaltungskonzerns. In dieser Zeit sah er sich nach eigener Darstellung einem Vorgänger gegenüber, der nicht loslassen wollte. Die zentrale These seiner Darstellung: Iger habe systematisch daran gearbeitet, seine Position zu schwächen und selbst wieder an die Spitze zurückzukehren. Chapek formuliert es als bemerkenswert, dass seine Amtszeit überhaupt drei Jahre gedauert habe – und nicht früher geendet sei.

Das Interview markiert den ersten öffentlichen Auftritt Chapeks zu seiner Zeit als Disney-Chef seit seinem Ausscheiden. Er äußerte sich aus seinem Privathaus in den Florida Keys, wo er sich nach dem Ende seiner Konzernkarriere niedergelassen hat. Das Buch erscheint bei Gallery Books, einem Imprint des US-Verlags Simon & Schuster, und soll kommende Woche in den Handel kommen.

Die Karriere-Chronologie, die Chapek in seinen Memoiren nachzeichnet, ist bemerkenswert: Fast drei Jahrzehnte war er bei Disney tätig, durchlief mehrere Führungspositionen und stieg schließlich zum Vorstandsvorsitzenden auf. Der Sprung an die Konzernspitze erfolgte 2020 – inmitten einer der schwierigsten Phasen der Unternehmensgeschichte.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Vorgänge rund um die Disney-Konzernspitze beschäftigen die Öffentlichkeit seit Monaten. Bereits am 31.01.2026 berichtete aktien.news, dass Bob Iger, der langjährige CEO von Walt Disney, nach Informationen des Wall Street Journal seinen Rücktritt noch vor Vertragsende am 31. Dezember 2025 plante. Der damals 73-Jährige habe Mitarbeitern mitgeteilt, dass er sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurückziehen wolle. Der Verwaltungsrat des Unterhaltungsriesen wollte sich dem Bericht zufolge in der Konzernzentrale in Burbank, Kalifornien, treffen, um über Igers Nachfolge abzustimmen.

Ebenfalls am 31.01.2026 meldete aktien.news, dass Iger seinen Schritt mit dem Wunsch begründete, seinem Nachfolger einen „frischen Start“ zu ermöglichen. Ein längeres Verweilen bis zum Jahresende würde die neue Führung nur behindern, so der Disney-Chef. Zudem sei er frustriert über jüngste interne Konflikte gewesen. In einer weiteren Meldung vom selben Tag berichtete aktien.news, dass Iger Disney seit 2005 führte – mit einer kurzen Unterbrechung von 2020 bis 2022, bevor er als Krisenmanager zurückkehrte. Genau in dieses Zeitfenster fällt Chapeks Amtszeit als CEO.

Am 03.02.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass The Walt Disney Company Josh D'Amaro, den bisherigen Leiter der Themenpark-Sparte, zum neuen Chief Executive Officer ernannt hat. D'Amaro übernimmt das Amt am 18. März 2026 von Bob Iger. Iger, der bereits seit den 2000er Jahren das Gesicht von Disney ist, bleibt bis Ende 2026 als Senior Advisor und Verwaltungsratsmitglied im Unternehmen; sein endgültiger Abschied ist für den 31. Dezember geplant. Die Ernennung D'Amaros markierte Disneys zweiten Anlauf, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Was das für Anleger bedeutet

Für Aktionäre ist die Personalie an der Disney-Spitze seit Jahren ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Die Nachfolgeplanung stand bereits seit Jahren im Fokus der Investoren, wie aktien.news bereits am 31.01.2026 berichtete. Die nun veröffentlichten Vorwürfe Chapeks gegen Iger werfen ein Schlaglicht auf die internen Spannungen, die die Führung des Konzerns über Jahre begleiteten. Chapek selbst nennt Igers Verhalten in dem Interview unverblümt – ein öffentlicher Konflikt zwischen zwei ehemaligen Konzernchefs ist für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnlich.

Anleger sollten die Aussagen Chapeks als seine persönliche Sichtweise einordnen. Es handelt sich um die Darstellung eines ehemaligen Managers, der sein Buch bewirbt – nicht um eine unabhängig bestätigte Chronologie der Ereignisse. Eine Stellungnahme von Disney oder von Bob Iger zu den Vorwürfen liegt im vorliegenden Material nicht vor. Für die Bewertung der Aktie sind die operativen Kennzahlen und die Strategie des neuen CEO D'Amaro relevanter als der publizistische Nachhall vergangener Führungskämpfe.

Klar ist: Die Führungsphase bei Disney war über Jahre von Wechseln und Rückkehrern geprägt. Iger führte den Konzern ab 2005, übergab 2020 an Chapek, kehrte 2022 als Krisenmanager zurück und übergibt nun an D'Amaro. Diese Kontinuitätsbrüche haben das Vertrauen der Investoren in die Unternehmensführung wiederholt auf die Probe gestellt.

Ausblick

Mit der Ernennung von Josh D'Amaro zum CEO endet eine monatelange Spekulationsphase über die Nachfolge an der Spitze des Traditionskonzerns. D'Amaro übernimmt das Amt am 18. März 2026. Bob Iger bleibt bis Ende 2026 als Senior Advisor und Verwaltungsratsmitglied an Bord, sein endgültiger Abschied ist für den 31. Dezember geplant. Chapeks Memoiren „Behind the Castle Walls“ erscheinen nächste Woche bei Gallery Books. Ob Disney oder Iger auf die darin erhobenen Vorwürfe reagieren werden, ist offen.

Kurz erklärt

  • CEO: Chief Executive Officer, der oberste Geschäftsführer eines Unternehmens, der die operative Gesamtverantwortung trägt.
  • Verwaltungsrat: Das Kontrollgremium eines Unternehmens, das unter anderem über die Besetzung der Konzernspitze entscheidet.
  • Senior Advisor: Eine beratende Funktion für erfahrene Führungskräfte, die ihre operative Rolle bereits abgegeben haben.
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