Bill Ackman erwartet 2027 als hervorragendes Jahr für Aktien
Der Pershing-Square-Chef sieht Kriege und Inflation als Bremsen – und nennt Netflix, Meta sowie Fannie Mae als langfristige Chancen.

Bill Ackman, CEO des Hedgefonds Pershing Square, rechnet für 2027 mit einem deutlich stärkeren Umfeld für Aktien. Zwei geopolitische Konflikte – der Krieg zwischen der Ukraine und Russland sowie die Kriege im Iran – hielten zusammen mit einer erhöhten Inflation und hohen Zinssätzen ein ansonsten "bohmendes Marktumfeld" zurück. Das sagte der Milliardär-Investor in seinen jüngsten Ausführungen.
Den Konflikt im Iran bezeichnete Ackman als "äußerst gut durchgeführten Krieg". Er zeigte sich überzeugt, dass ein Frieden im Nahen Osten für die Region und "letztlich auch für die Vereinigten Staaten" großartig sein werde. Damit verknüpft er die geopolitische Lage direkt mit der Aussicht auf eine Entspannung an den Finanzmärkten.
Belastet wurden die Aktienmärkte im gesamten Jahr vor allem durch höhere Rohölpreise. Händler befürchten, dass steigende Energiekosten die Inflation in die Höhe treiben und die Federal Reserve zu weiteren Zinserhöhungen zwingen könnten. Das US-Öl ist 2026 um 72 Prozent gestiegen, während das Brent-Rohöl um 83 Prozent stark angezogen hat.
Die Details
Steigende Ölpreise scheinen sich bereits auf die Verbraucherpreise ausgewirkt zu haben. Die Benzinpreise machten mehr als die Hälfte des Anstiegs im jüngsten Bericht zum Verbraucherpreisindex (VPI) aus. Die Inflation bleibt hartnäckig und entfernt sich vom Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Höhere Preise stellen die Fed vor die Herausforderung, die Zinssätze hoch zu halten, um die Inflation zu zügeln.
Neben dem makroökonomischen Ausblick diskutierte Ackman einzelne langfristige Aktienchancen, die er im Blick hat. Der Hedgefonds-Manager bewertete die Quartalszahlen von Netflix positiv. Der Streaming-Aktienkurs fiel am Mittwoch um mehr als 5 Prozent, nachdem schwache Prognosen für Werbung und Umsatz bekannt geworden waren. Am Donnerstag jedoch erholte sich der Kurs um mehr als 3 Prozent.
Ackman sagte, dass Bedenken hinsichtlich des Inhaltsportfolios von Netflix übertrieben seien, wenn man die Stärke des Managementteams und dessen Interaktion mit den Nutzern berücksichtige. Er fügte hinzu, dass die Aktie derzeit mit dem 18-Fachen des Gewinns gehandelt werde, was "eine der niedrigsten Bewertungen in der Geschichte" darstelle. Für den absehbaren Zeitraum erwartet er künftiges Gewinnwachstum im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich.
Der Milliardär-Investor hat Meta Platforms ebenfalls als festen Bestandteil des Portfolios von Pershing Square bezeichnet. Die Aktien des Mutterunternehmens von Facebook und Instagram sind am Donnerstag trotz eines Berichts um 6 Prozent gefallen, obwohl das Unternehmen am Mittwoch bessere als erwartete Umsatzzahlen im dritten Quartal meldete und gleichzeitig starke Prognosen für den aktuellen Zeitraum abgab.
Der Rückgang der Aktie ließ Ackman nicht ins Schwanken geraten. "Wir leben in einer Welt, in der man den Handel einer Aktie am ersten Tag nach den Quartalszahlen nicht betrachten sollte, aufgrund der hohen Hebelwirkung der Marktteilnehmer und ihrer kurzfristigen Ausrichtung", sagte er. Meta habe "bewiesen, dass KI ihnen hilft, ihr Geschäft zu beschleunigen, und dies bleibt eine unglaublich unterbewertete Aktie, und genau deshalb besitzen wir sie", bemerkte Ackman.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Position bei Meta ist für Pershing Square kein neues Engagement. Bereits am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass Ackman eine bedeutende Beteiligung an Meta Platforms aufgebaut hat. Sein Hedgefonds hielt zum Jahresende 2025 eine Position im Wert von 10 Prozent des Fondskapitals am Facebook-Mutterkonzern. Die Investition erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem Meta-Aktien unter Druck standen – ein Minus von 16 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Der Kursrückgang war vor allem auf Bedenken der Anleger zurückzuführen, dass Meta zu aggressiv in künstliche Intelligenz investiert. Im Januar kündigte das Unternehmen KI-bezogene Investitionsausgaben zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar für 2026 an.
Am 14.02.2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news: Pershing Square gab eine neue Beteiligung am Facebook-Mutterkonzern bekannt, die Ende 2025 etwa 2 Milliarden Dollar oder 10 Prozent des Fondskapitals ausmachte. Dies ging aus Unterlagen der Jahreshauptversammlung hervor. Pershing Square führte den Kursrückgang auf Anlegersorgen über die massiven Ausgaben für künstliche Intelligenz zurück – genau diese KI-Investitionen sah Ackman jedoch als Chance.
Am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Beteiligung rund 10 Prozent des Fondskapitals ausmacht, was etwa 2 Milliarden Dollar entspricht. Pershing Square sah in den KI-Investitionen die eigentliche Chance. In einer Präsentation für Investoren führte Ackman damals aus, dass das "langfristige Aufwärtspotenzial von Meta durch KI eine stark rabattierte Bewertung für eines der besten Unternehmen der Welt" darstelle.
Auch abseits von Meta gab es Schlagzeilen. Am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass Ackman den sinkenden Aktienkurs seines neu aufgelegten Fonds Pershing Square USA als "schlichtweg absurd" bezeichnete. Ackmans Aktienfonds blieb im bisherigen Jahresverlauf hinter dem breiteren Markt zurück. Ackman hielt zuletzt seine erste Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen ab, seit er den gleichzeitigen Börsengang seines neuen Fonds Pershing Square USA sowie seiner Managementgesellschaft Pershing Square vollzogen hat.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert Ackmans Einschätzung mehrere Anknüpfungspunkte. Die Argumentation des Investors verknüpft die geopolitische Lage mit der Zins- und Inflationsentwicklung: Solange Ölpreise und Inflation hoch bleiben, steht die Federal Reserve unter Druck, die Zinssätze hoch zu halten. Erst eine Entspannung bei den Konflikten und beim Ölpreis könnte aus Ackmans Sicht den Weg für ein stärkeres Marktumfeld ebnen.
Bei den Einzelwerten setzt Ackman auf langfristige Perspektiven statt auf kurzfristige Kursreaktionen. Seine Bewertung von Netflix stützt sich auf das Managementteam und die Nutzerinteraktion, nicht auf die schwachen Werbe- und Umsatzprognosen. Bei Meta verweist er auf die KI-getriebene Beschleunigung des Geschäfts und eine aus seiner Sicht niedrige Bewertung. Anleger sollten beachten, dass es sich hier um die Einschätzung eines einzelnen Investors handelt und nicht um eine allgemeine Empfehlung.
Ackman bekräftigte außerdem seine bullische Haltung gegenüber Fannie Mae und Freddie Mac, an denen er ein großer Aktionär ist. Damit bleibt der Investor auch bei den staatlich geförderten US-Hypothekenfinanzierern seiner Linie treu.
Ausblick
Ackman erwartet, dass 2027 ein hervorragendes Jahr für Aktien wird, sofern Kriege und Inflation nachlassen. Für Netflix rechnet er mit künftigem Gewinnwachstum im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich für den absehbaren Zeitraum. Bei Meta sieht er das langfristige Aufwärtspotenzial durch KI weiterhin als nicht ausreichend im Kurs abgebildet. Zudem geht er davon aus, dass die Investitionen von Meta in Recheninfrastruktur notwendig sind und langfristig attraktive Renditen generieren könnten.
Kurz erklärt
- Verbraucherpreisindex (VPI): Ein Maßstab dafür, wie sich die Preise für Waren und Dienstleistungen für private Haushalte im Zeitverlauf verändern.
- Federal Reserve: Die Zentralbank der Vereinigten Staaten, die unter anderem die Geldpolitik und die Zinssätze steuert.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Eine Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
- Hedgefonds: Ein Investmentfonds, der häufig flexiblere und komplexere Strategien als klassische Fonds verfolgt.
