Bank of America: Aktie bricht nach Umsatzverfehlung und Millionengeldstrafe ein
Die Bank of America verfehlt im dritten Quartal 2026 die Erwartungen und wird vom US-Finanzministerium mit einer Rekordstrafe belegt.

Die Aktie der Bank of America (Ticker BAC) ist am Mittwoch im frühen Handel um 7 Prozent eingebrochen. Auslöser waren enttäuschende Quartalszahlen und eine Strafe des US-Finanzministeriums in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar wegen Geldwäsche und Verstößen gegen Sanktionen. Der Gewinn der Bank wurde durch die Strafzahlung erheblich belastet.
Der Bankenriese meldete für das dritte Quartal 2026 einen Gewinn von 91 Cent je Aktie. Analysten hatten im Vorfeld 1,09 US-Dollar erwartet. Die Strafe des Finanzministeriums drückte das Ergebnis je Aktie um 17 Cent. Der Nettogewinn belief sich auf 6,9 Milliarden US-Dollar.
Auch beim Umsatz verfehlte das Institut die Markterwartungen. Die Erlöse lagen bei 30,0 Milliarden US-Dollar und damit 3 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Konsens der von Visible Alpha verfolgten Analysten lag jedoch bei 30,39 Milliarden US-Dollar. Die Bank begründete die Lücke mit rückläufigen Einnahmen aus dem Investmentbanking und dem Handel.
Die Details
Die Sanktionen des US-Finanzministeriums gegen die Bank of America sind umfangreich. Die Behörde erklärte, ihre Untersuchung habe ein „Versäumnis zur Minderung und Meldung prioritärer Risiken für die nationale Sicherheit“ aufgedeckt. Dabei ging es um mehr als 5 Milliarden US-Dollar an verdächtigen Transaktionen.
Zusätzlich stimmte die Bank of America einer Vergleichszahlung in Höhe von 11,6 Millionen US-Dollar zu. Diese betrifft fast 500 „offensichtliche Verstöße gegen mehrere Sanktionsprogramme“, darunter Sanktionen gegen Russland und den Iran.
US-Finanzminister Scott Bessent kommentierte die Maßnahmen deutlich: „Wenn eine Bank dieser Größe ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung der Geldwäsche und zur Einhaltung von Sanktionen nicht nachkommt, reichen die Konsequenzen weit über ihre eigenen Mauern hinaus und setzen das gesamte US-Finanzsystem erheblichen Risiken illegitimer Finanzströme aus.“ Das Finanzministerium sprach in diesem Zusammenhang von rekordhohen Durchsetzungsmaßnahmen gegen die Bank of America.
Die Bank wies ihrerseits auf laufende Bemühungen hin, die Kontrollen zu verbessern. „Compliance im Bereich der Finanzkriminalität ist ernst zu nehmen, und wir sind dafür verantwortlich, dies richtig zu machen“, erklärte ein Sprecher von Bank of America gegenüber Investopedia. Die Bank investiere „wesentliche Personal- und Ressourcenkapazitäten in unsere laufenden Sanierungsmaßnahmen“.
Der Ausverkauf beschränkte sich nicht auf Bank of America. Die Aktien von Morgan Stanley (MS), die am Morgen ebenfalls ihre Ergebnisse vorstellten, rutschten um etwa 2 Prozent ab. Die Aktien von BlackRock (BLK) stiegen nach der Vorlage der Firmenergebnisse dagegen um nahezu 4 Prozent.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Warnung vor einem schwachen Investmentbanking hatte die Bank of America bereits im September ausgesprochen. Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass CEO Brian Moynihan die Erwartungen für das dritte Quartal gedämpft hatte. Auf der Barclays Global Financial Services Conference teilte er mit, die Gebühren im Investmentbanking dürften im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als zehn Prozent auf 1,6 bis 1,8 Milliarden US-Dollar sinken – nach zwei Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Die Erträge aus dem Handelsgeschäft würden voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres von 5,4 Milliarden US-Dollar stagnieren.
Diese Prognose stand in starkem Kontrast zum zweiten Quartal, in dem die Bank noch einen deutlichen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren verzeichnet hatte. Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Moynihans Warnung die globalen Finanzmärkte erschütterte und eine breite Neubewertung der Nachhaltigkeit des jüngsten Kapitalmarktbooms auslöste. Hinzu kamen bestehende Ängste vor steigenden Anleiherenditen, Inflation und der Geldpolitik der Zentralbanken. Die nun vorgelegten Q3-Zahlen bestätigen die damalige Prognose in mehreren Punkten.
Den Gegenpol bildet das erste Quartal 2026. Bereits am 15.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of America damals die Erwartungen von Analysten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertraf. Als treibende Kräfte nannte das Institut das Aktiengeschäft sowie den Handel; CEO Moynihan bezeichnete das Privatkundengeschäft als „gesund“. Der Nettogewinn kletterte um 17 Prozent auf 8,6 Milliarden US-Dollar, was einem Ergebnis je Aktie von 1,11 Dollar entsprach – das höchste Ergebnis je Aktie seit fast zwei Jahrzehnten. Die Erlöse stiegen um 7,2 Prozent auf 30,43 Milliarden US-Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in US-Bankaktien investiert sind, zeigt der Tag eine doppelte Belastung des Sektors. Einerseits leidet das operative Geschäft unter der Schwäche im Investmentbanking und im Handel, die sich in der Umsatzverfehlung niederschlägt. Andererseits kommt mit der Geldwäsche- und Sanktionsstrafe ein regulatorisches Risiko hinzu, das direkt auf den Gewinn durchschlägt.
Bemerkenswert ist die Höhe der Belastung: Allein 17 Cent des Ergebnisses je Aktie gingen auf die Strafzahlung zurück. Mit dem Einbruch am Mittwoch liegen die Aktien von Bank of America im Jahresverlauf etwa 9 Prozent im Minus. Wer die Aktie hält, muss zugleich die laufenden Sanierungsmaßnahmen bei der Compliance im Blick behalten, in die die Bank nach eigenen Angaben erhebliche Ressourcen investiert.
Die unterschiedliche Reaktion der Branche am selben Tag macht deutlich, dass die Probleme nicht pauschal den gesamten Finanzsektor treffen. Während Morgan Stanley und Bank of America nachgaben, legte BlackRock zu. Das unterstreicht, wie wichtig die individuelle Betrachtung der Geschäftsmodelle bleibt. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Die Bank of America hat nach eigener Darstellung wesentliche Personal- und Ressourcenkapazitäten in ihre laufenden Sanierungsmaßnahmen investiert, um die aufgedeckten Compliance-Mängel zu beheben. Das US-Finanzministerium sprach von rekordhohen Durchsetzungsmaßnahmen, was auf eine verschärfte Aufsicht über Geldwäsche- und Sanktionskontrollen hindeutet.
Derweil bestätigen die aktuellen Zahlen die im September 2026 vom Management selbst abgegebene Prognose zum Investmentbanking und zum Handelsgeschäft. Wie sich diese beiden Bereiche im weiteren Jahresverlauf entwickeln, bleibt der zentrale Faktor für die Gewinnentwicklung der Bank. Konkrete Termine für das kommende Quartal nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Geldwäsche: Das Einschleusen illegal erlangter Gelder in den legalen Finanzkreislauf, um deren Herkunft zu verschleiern.
- Sanktionsprogramme: Von Staaten verhängte Verbote wirtschaftlicher Transaktionen gegen bestimmte Länder, Personen oder Organisationen.
- Ergebnis je Aktie (EPS): Der auf eine einzelne Aktie entfallende Anteil am Gewinn eines Unternehmens.
