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Äthiopien baut Mega-Flughafen für 110 Millionen Passagiere jährlich

Bishoftu International Airport soll 2030 fertiggestellt werden – Investitionschancen für deutsche Unternehmen

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Äthiopien baut Mega-Flughafen für 110 Millionen Passagiere jährlich

In Bishoftu, etwa 40 Kilometer von Addis Abeba entfernt, entsteht eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte Afrikas. Auf einer Fläche von knapp 4.000 Hektar – vergleichbar mit 6.000 Fußballfeldern – wird ein Flughafen gebaut, der jährlich bis zu 110 Millionen Passagiere abfertigen soll. Das wären nahezu doppelt so viele wie am Frankfurter Flughafen.

Das Projekt umfasst bis zu vier Start- und Landebahnen sowie Kapazitäten für 270 Flugzeuge. Der neue Airport soll nicht nur Passagiere befördern, sondern auch zum führenden Luftfracht-Drehkreuz in Afrika werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund elf Milliarden Euro.

Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines trägt 30 Prozent der Projektkosten. Für die restliche Finanzierung laufen derzeit Ausschreibungen für internationale Investoren. Unternehmen aus dem Nahen Osten, den USA, China und Europa haben bereits Interesse signalisiert – darunter auch deutsche Firmen. Im August 2026 soll feststehen, welche Investoren und Baufirmen zum Zuge kommen.

Nachhaltiges Konzept mit natürlicher Belüftung

Die Architektur des Bishoftu International Airport setzt auf Nachhaltigkeit. Die vier Terminalflügel sind x-förmig angeordnet und verfügen über offene Fassaden, die eine natürliche Belüftung ermöglichen. Lamellen spenden Schatten und reduzieren den Energiebedarf für Klimatisierung erheblich.

Zwischen den Terminals entstehen großzügige Gartenanlagen mit Pflanzen aus verschiedenen Regionen Äthiopiens. Diese sollen nicht nur das Mikroklima verbessern, sondern auch als Erholungszonen für Reisende dienen. Geplant sind zudem Hotels, Restaurants, Geschäfte sowie Fitness- und Wellnessbereiche.

Mesfin Tasew, Geschäftsführer von Ethiopian Airlines, begründet das Projekt mit der rasanten Wachstumsstrategie der Airline: "Mit dem derzeitigen Flughafen können wir unserer Strategie nicht gerecht werden. Deshalb haben wir uns für diesen neuen Mega-Flughafen entschieden." Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen.

Chancen für deutsche Exportindustrie

Karin Mulder, Vizepräsidentin der KfW IPEX-Bank, sieht erhebliche Exportchancen für deutsche und europäische Industriebetriebe. Die Tochter der staatlichen Förderbank hat bereits Erfahrungen in Äthiopien gesammelt: Gemeinsam mit der französischen Entwicklungsbank investierte sie rund 120 Millionen Euro in das Luftfrachtterminal am bestehenden Bole International Airport.

Bei diesem Projekt kam unter anderem ein mittelständisches Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen zum Einsatz, das die Innenausstattung mit Hochregalen und Kühltechnik realisierte. Ähnliche Aufträge könnten beim neuen Mega-Airport folgen und deutschen Firmen Zugang zum wachsenden afrikanischen Luftfahrtmarkt verschaffen.

Für Äthiopien ist der neue Flughafen mehr als nur Infrastruktur – es ist ein Prestigeprojekt. Nach der Eröffnung des Nil-Staudamms im September 2024, dem größten Wasserkraftwerk Afrikas, will das Land erneut seine Fähigkeit unter Beweis stellen, Großprojekte erfolgreich umzusetzen.

Umsiedlungen als Schattenseite

Das Projekt hat jedoch auch Schattenseiten: Tausende Menschen mussten ihre Heimat verlassen, um Platz für die Baustelle zu schaffen. Die meisten von ihnen sind Landwirte, die Gemüse anbauten oder Vieh hielten. Zwar erhielten viele neue Häuser von Ethiopian Airlines, doch ihr Land – in Afrika Symbol für Identität und über Generationen vererbt – haben sie verloren.

Derzeit arbeiten zwei chinesische Konstruktionsfirmen auf der Baustelle. Wo heute noch Bagger Fundamente ausheben und Staubwolken durch die Luft wehen, soll in wenigen Jahren ein hochmoderner Flughafen stehen. Ein weiterer Entwicklungsschritt für Äthiopien und den gesamten afrikanischen Kontinent.

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