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Luftfahrtbranche kämpft mit Lieferengpässen und geopolitischen Spannungen

IATA-Chef warnt vor anhaltenden Störungen in der Lieferkette. Politische Turbulenzen bedrohen globale Luftfahrtstandards.

Luftfahrtbranche kämpft mit Lieferengpässen und geopolitischen Spannungen

Die internationale Luftfahrtbranche steht vor erheblichen Herausforderungen. Am Vorabend der Singapore Airshow warnte Willie Walsh, Generaldirektor der International Air Transport Association (IATA), dass Lieferkettenprobleme die globalen Fluggesellschaften noch längere Zeit beeinträchtigen werden. "Diese Störung hat weiterhin erhebliche Auswirkungen", betonte Walsh auf dem Changi Aviation Summit.

Die Flugzeughersteller Airbus und Boeing kämpfen seit der COVID-19-Pandemie mit massiven Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig müssen Triebwerkshersteller wie GE Aerospace und Pratt & Whitney konkurrierende Anforderungen aus der Montage neuer Flugzeuge und der Wartung bestehender Flotten unter einen Hut bringen. Die Situation verschärft sich durch geopolitische Spannungen, insbesondere durch US-Importzölle, die den internationalen Luftfrachtverkehr durcheinanderwirbeln.

Die Auswirkungen der politischen Veränderungen zeigen sich besonders deutlich im Frachtgeschäft. Während die Luftfrachtlieferungen zwischen Asien und Nordamerika im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent sanken – der erste Rückgang dieser Art seit längerer Zeit – stiegen die Volumina zwischen Europa und Asien um 10,3 Prozent. "Die Auswirkungen des geopolitischen Wandels waren im Luftfrachtgeschäft viel offensichtlicher als im Passagiergeschäft", erklärte Walsh.

Asien-Pazifik als Wachstumsmotor

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Region Asien-Pazifik die weltweit am schnellsten wachsende Region für den Flugverkehr. Angetrieben von China und Indien wird für 2026 ein Wachstum des Passagieraufkommens von 7,3 Prozent prognostiziert. Doch Toshiyuki Onuma, der neu gewählte Präsident des Verwaltungsrats der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), warnte eindringlich: "Ein System, das für 4 Milliarden Passagiere ausgelegt ist, kann die dreifache Anzahl ohne Transformation nicht unterstützen."

Gleichzeitig steht die Branche vor der Herausforderung, bis 2050 Netto-Null-Kohlenstoffemissionen zu erreichen. "Wir müssen die Fortschritte beschleunigen", forderte Onuma vor dem 350-köpfigen Publikum von Luftfahrtführern.

Zertifizierungsstreit bedroht globale Standards

Besondere Sorgen bereitet der Luftfahrtbranche ein Streit um die Flugzeugzertifizierung. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche Kanada aufgefordert, bestimmte in den USA entwickelte Gulfstream-Geschäftsreiseflugzeuge zu zertifizieren, andernfalls drohten Zölle. Diese Forderung könnte ein jahrzehntealtes System globaler Luftfahrtnormen, bekannt als Chicago Convention, gefährden.

"Über die Zertifizierung kann nicht verhandelt werden", stellte ein hochrangiger Regulierungsbeamter gegenüber Reuters klar. Die ICAO will nach Angaben von Onuma "technisch neutral" bleiben, würde aber Mitgliedstaaten auffordern, Verstöße gegen die Chicago Convention zu korrigieren.

EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas warnte vor der "Instrumentalisierung" von Lieferketten, während Großmächte ihre geopolitischen Agenden verfolgen. Seine Kommentare spiegelten Bedenken der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie wider, die das Schicksal grenzüberschreitender Lieferketten betreffen, welche unter Globalisierungsstrategien aufgebaut wurden.

Seltene Erden als kritischer Faktor

Ein besonderer Druckpunkt bleiben Seltene Erden, die ein wesentlicher Bestandteil von Jet-Triebwerken sind. China dominiert das globale Angebot dieser Metalle, was trotz eines Handelsabkommens zwischen den USA und China weiterhin für Unsicherheit sorgt. Führungskräfte der Luft- und Raumfahrt sehen darin ein erhebliches Risiko für die Branche.

Dennoch betonte ICAO-Präsident Onuma die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit: "Nur gemeinsam können wir einen Sektor erreichen, der sicherer, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger ist." Die Singapore Airshow wird zeigen, ob die Branche trotz aller Widrigkeiten zu koordinierten Lösungen finden kann.

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