Apple-Aktie: Melius nennt 5-Billionen-Rallye die am wenigsten geliebte
Melius Research sieht Apples Kursanstieg auf 5 Billionen Dollar als „am wenigsten geliebte Rallye in der Geschichte" – und traut der Aktie weiteres Potenzial zu.

Apple hat nach Einschätzung von Melius Research eine Rallye hingelegt, die an den Märkten kaum Zuneigung erfuhr. Die US-Investmentbank bezeichnet den Anstieg des iPhone-Konzerns auf einen Marktwert von 5 Billionen US-Dollar als die „am wenigsten geliebte Rallye in der Geschichte". Dennoch geht Analyst Ben Reitzes davon aus, dass die Gewinne weiter anhalten können.
In einer Notiz an Kunden erklärte Reitzes, Hedgefonds führten vor allem Speicherpreise, Gegenwind im Servicesegment und die hohe Bewertung als Bedenken an. Die Aktie notiert derzeit beim 36-Fachen des für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinns je Aktie (EPS). Im Jahresverlauf ist sie um 26 Prozent gestiegen und lässt damit Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Nvidia hinter sich.
Melius bekräftigte seine Kaufempfehlung sowie sein Kursziel von 370 US-Dollar für AAPL. Nach den Quartalszahlen am 2. November sieht die Bank für dieses Kursziel noch Luft nach oben.
Die Details
Rückenwind erwartet Melius vor allem von einer Anhebung der Gewinnschätzungen. Diese soll durch nachhaltige Steigerungen des durchschnittlichen Verkaufspreises (ASP) und Vorteile aus der Produktmischung zustande kommen. Zusätzlich sieht die Bank mehrere Möglichkeiten, das Wachstum im Servicesegment wieder zu beschleunigen.
Reitzes hob in diesem Zusammenhang die Rolle des neuen CEO John Ternus hervor, der die Entwicklung beschleunigen und das Produktportfolio erweitern soll. „Apple braucht mehr gezielte Produkteinsätze, um bei einem Umsatzvolumen von 480 Milliarden US-Dollar messbare Fortschritte zu erzielen und eine massive installierte Basis von über 2,5 Milliarden Geräten zu nutzen, die das Wachstum der Services ankurbeln muss", sagte er.
Zu den möglichen neuen Produkten zählt Melius ein HomeView-Gerät mit Roboterarm, das 2027 kommen soll, AirPods mit Kamerafunktion sowie ein neu gestaltetes iPhone zum 20. Jahrestag des Geräts. Darüber hinaus rechnet die Bank mit weiteren tuck-in-M&A-Transaktionen unter der Leitung des neuen M&A-Chefs Steve Smith.
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Wahrnehmung von Apple als „Anti-KI-Investment". Das Unternehmen profitiere davon, weil es über erhebliche Kapazitäten für Aktienrückkaufprogramme verfüge und Geräte anbiete, die KI-Modelle beliebiger Anbieter ausführen können. Reitzes ergänzte, dass Metas Entscheidung, Muse Spark Open für Apple-Silizium zu optimieren, die Hardwarearchitektur von Apple validiere.
Der Analyst fasst seine Haltung so zusammen: „Die Performance von Apple im Jahr 2026 ist das Paradebeispiel dafür, wie der Markt einen capex-armen Ansatz belohnt, der gegenüber bestimmten KI-Modellen neutral ist." Und weiter: „Kurz gesagt könnte Apple für eine Weile weiterhin ein guter Rückzugsort bleiben."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.05.2026 berichtete aktien.news, dass Apple unter den großen US-Tech-Konzernen mit starken Quartalszahlen besonders hervorstach. Der iPhone-Konzern lieferte solide Ergebnisse, ohne hunderte Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren zu müssen. Der Gewinn pro Aktie stieg im zweiten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 22 Prozent — ein Signal, dass das Unternehmen auch ohne massive Kapitalausgaben profitabel wächst.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news, dass Apple erstmals kurzzeitig eine Marktkapitalisierung von 5 Billionen US-Dollar erreichte. Dies gelang dem Unternehmen nur einen Tag, nachdem es Nvidia als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt überholt hatte. Die Apple-Aktie kletterte auf ein Tageshoch von 342,89 US-Dollar, bevor sie leicht zurückfiel, und schloss bei 340,08 US-Dollar — knapp unterhalb der historischen Schwelle. In diesem Jahr legte die Aktie damals um 25 Prozent zu und ließ die Mega-Cap-Konkurrenten deutlich hinter sich.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt die Analyse vor allem eines: Die Bewertung von Apple ist ambitioniert. Das 36-Fache des erwarteten EPS für die kommenden zwölf Monate ist ein hoher Wert, den Hedgefonds laut Reitzes als Risiko einstufen. Gleichzeitig verweist Melius auf die Kapazitäten des Konzerns für Aktienrückkäufe, die den Kurs stützen können.
Bemerkenswert ist die Einordnung als „Anti-KI-Investment". Während viele Technologiekonzerne hohe Summen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stecken, fährt Apple einen capex-armen Ansatz. Der Markt belohnt dieses Vorgehen nach Einschätzung von Melius, wie die relative Outperformance gegenüber Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Nvidia zeigt.
Anleger sollten beachten, dass die genannten Produkte — etwa das HomeView-Gerät mit Roboterarm, AirPods mit Kamera oder das neu gestaltete iPhone — bislang Erwartungen und Pläne sind, keine bestätigten Umsätze. Das Kursziel von 370 US-Dollar sowie die Kaufempfehlung sind die Einschätzung einer einzelnen Research-Einheit und keine Gewähr für die künftige Entwicklung. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Melius blickt auf die Quartalszahlen am 2. November, nach denen die Bank für ihr Kursziel von 370 US-Dollar weiteres Aufwärtspotenzial sieht. Für das Jahr 2027 erwartet sie die Einführung eines HomeView-Geräts mit Roboterarm. Weitere Produktideen sind AirPods mit Kamerafunktion und ein neu gestaltetes iPhone zum 20. Jahrestag. Zudem rechnet die Bank mit weiteren tuck-in-Übernahmen unter dem neuen M&A-Chef Steve Smith und mit einer Beschleunigung des Services-Wachstums.
Kurz erklärt
- EPS: Der Gewinn je Aktie gibt an, wie viel Gewinn auf eine einzelne Aktie eines Unternehmens entfällt.
- ASP: Der durchschnittliche Verkaufspreis beschreibt den mittleren Preis, den ein Unternehmen pro verkaufter Einheit erzielt.
- Tuck-in-M&A: Damit sind kleinere Zukäufe gemeint, die ein Unternehmen in bestehende Geschäftsbereiche integriert.
