Anleger reduzieren Wetten auf Fed-Zinserhöhung im Oktober nach Warsh-Kommentaren
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im Oktober ist auf 15 Prozent gefallen – nach 28 Prozent am Vortag.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bei ihrer Sitzung Ende Oktober die Zinsen anhebt, ist an den Finanzmärkten deutlich gesunken. Auslöser war der jüngste öffentliche Auftritt von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh, der kaum Hinweise auf die künftigen Schritte der Zentralbank gab. Anleger werteten dies als weiteres Signal dafür, dass die Fed bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober nicht eilig sein wird, die Leitzinsen anzuheben.
Laut Daten der CME Group sehen Investoren nun eine 15-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Fed ihre Zinsen bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober erhöht. Am Vortag hatte dieser Wert noch bei 28 Prozent gelegen. Damit hat sich die Erwartungshaltung innerhalb eines Handelstages nahezu halbiert.
Zuvor waren die Chancen auf eine Zinserhöhung im Oktober nach den am Mittwoch veröffentlichten, deutlich höheren Inflationszahlen stark gestiegen. Seither haben sie sich jedoch wieder eingependelt. Mehrere Funktionäre der Fed hatten in den vergangenen Wochen signalisiert, dass sie es für angemessen halten, mit einer erneuten Zinsanhebung zu warten.
Die Details
Im Zentrum der aktuellen Marktbewegung steht der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh. Der Notenbankchef ließ in seinen öffentlichen Äußerungen wenig über die künftigen Schritte der Zentralbank erahnen. Genau diese Zurückhaltung interpretierten die Märkte als Hinweis auf einen abwartenden Kurs.
Die konkreten Zahlen liefert das FedWatch-Tool der CME Group, das die Wahrscheinlichkeiten für Zinsentscheidungen auf Basis des Handels mit Zinsfutures berechnet. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober aktuell bei 15 Prozent. Am Vortag waren es noch 28 Prozent.
Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Neubewertung. Noch nach den am Mittwoch veröffentlichten Inflationszahlen, die deutlich höher ausfielen, waren die Chancen auf einen Zinsschritt im Oktober stark gestiegen. Diese Bewegung hat sich inzwischen wieder eingependelt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kommunikation der Fed selbst. Mehrere Funktionäre der Notenbank haben in den vergangenen Wochen signalisiert, dass sie es für angemessen halten, mit einer erneuten Zinsanhebung zu warten. Gleichzeitig preisen die Märkte bereits eine nächste Erhöhung im Dezember ein.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Phase erhöhter Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der Fed. Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Notenbank die Leitzinsen auf ihrer damaligen Sitzung unverändert belassen hatte. Nicht die Entscheidung selbst, sondern die anschließenden Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh sorgten damals für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten. Investoren zweifelten zunehmend an seiner Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation. Auf der Sitzung stimmten drei Ratsmitglieder für eine Zinserhöhung, doch Warsh dämpfte diese Erwartungen in der anschließenden Pressekonferenz.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Warsh vor seiner ersten großen Bewährungsprobe stand. Nach einer überraschend hawkischen Grundsatzrede in Jackson Hole begann das Federal Open Market Committee (FOMC) seine zweitägige Sitzung zur Festlegung der Leitzinsen. Die Erwartungen der Finanzmärkte waren damals klar: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent rechneten Investoren mit einer kleinen Zinserhöhung. Es wäre die erste Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren gewesen.
Am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Fed unter Warsh einen vorsichtigen Kurs steuert. Nachdem die Zentralbank den Leitzins im vergangenen Monat um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 % angehoben hatte, deutete die Kommunikation hochrangiger Entscheidungsträger darauf hin, dass ein weiterer Schritt bei der kommenden Sitzung am 27. und 28. Oktober unwahrscheinlich ist. Fed-Vizechef Philip Jefferson und der Präsident der New York Fed, John Williams, betonten in separaten Reden, dass die Notenbank über ausreichend Zeit verfüge, um die wirtschaftliche Lage zu bewerten.
Bereits am 02.10.2026 hatte aktien.news berichtet, dass ein schwächer als erwarteter Arbeitsmarktbericht für September die Einschätzung der Händler bezüglich einer Zinserhöhung im Oktober verändert hatte. Eine weitere Anhebung des Leitzinses galt an den Märkten damals bereits als äußerst unwahrscheinlich. Der gedämpfte Beschäftigungsbericht folgte auf einen am Mittwoch veröffentlichten Inflationsbericht, der ebenfalls unter den Erwartungen lag.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die gesunkene Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Zinserhöhung ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten. Zinsentscheidungen der Fed wirken sich unmittelbar auf die Renditen von US-Staatsanleihen aus, beeinflussen aber auch die globalen Aktienmärkte und den US-Dollar. Ein abwartender Kurs der Notenbank kann die Volatilität an den Märkten kurzfristig dämpfen.
Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit hoch. Die Marktteilnehmer preisen bereits eine nächste Erhöhung im Dezember ein, was zeigt, dass die Erwartung eines längerfristig restriktiven Kurses nicht verschwunden ist. Anleger sollten daher die Kommunikation der Fed-Funktionäre und die kommenden Konjunkturdaten genau verfolgen.
Die Diskrepanz zwischen den stark gestiegenen Inflationszahlen vom Mittwoch und der gesunkenen Zinserhöhungswahrscheinlichkeit verdeutlicht, wie stark die Märkte derzeit auf einzelne Signale reagieren. Für Anleger bedeutet das: Kurzfristige Marktbewegungen können erheblich ausfallen, auch ohne dass sich die fundamentalen Rahmenbedingungen ändern.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist die Sitzung des Federal Open Market Committee am 27. und 28. Oktober. Dort wird die Fed über den weiteren Kurs der Leitzinsen entscheiden. Die aktuellen Markterwartungen deuten darauf hin, dass eine Erhöhung bei dieser Sitzung unwahrscheinlich ist.
Darüber hinaus preisen die Märkte bereits eine nächste Zinserhöhung im Dezember ein. Ob es dazu kommt, hängt von der weiteren Entwicklung der Inflations- und Arbeitsmarktdaten ab, die bis dahin veröffentlicht werden. Die Fed-Funktionäre haben zuletzt mehrfach betont, dass sie sich Zeit für die Bewertung der wirtschaftlichen Lage nehmen wollen.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld beschaffen können.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, die einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
- FedWatch-Tool: Ein Instrument der CME Group, das aus dem Handel mit Zinsfutures die Markterwartungen für künftige Zinsentscheidungen ableitet.
- FOMC: Das Federal Open Market Committee ist das Gremium der Fed, das über die Geldpolitik und die Leitzinsen entscheidet.
