AMD-Aktie: Warum ein 130-faches KGV Anleger abschreckt
The Motley Fool sieht AMD technologisch aufgeholt, hält die Aktie aber schlicht für zu teuer.

Die Aktie von Advanced Micro Devices (Ticker: AMD) ist nach Einschätzung von The Motley Fool derzeit keine Kaufempfehlung – obwohl das Unternehmen im KI-Wettlauf deutlich aufgeholt hat. Der Grund liegt nicht in der Technologie, sondern in der Bewertung: Ein erhebliches Wachstum sei bereits im Kurs eingepreist, sodass ein Einstieg zum aktuellen Zeitpunkt als zu kostspielig erscheint. Der Beitrag wurde am 25. Oktober 2026 veröffentlicht.
In den frühen Phasen des KI-Wettlaufs hatte AMD zu kämpfen. Die Technologie des Chipherstellers war mangelhaft und blieb hinter der Konkurrenz zurück. Der Autor des Beitrags räumt ein, dass AMD auf technologischer Ebene nicht vollständig aufgeholt habe – betont aber, dass die Produkte inzwischen weitaus wettbewerbsfähiger seien und als tragfähige Alternativen zu anderen KI-Recheneinheiten dienten, etwa denen von Nvidia.
Trotz dieser verbesserten Ausgangslage plant der Analyst vorerst keinen Kauf. Seine Begründung ist eindeutig: Die Aktie ist nach praktisch allen Bewertungsmaßstäben teuer. Wer heute einsteigt, zahlt für Wachstum, das die Börse längst vorweggenommen hat.
Die Details
Die gebräuchlichste Methode zur Bewertung einer Aktie ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dabei werden die Gewinne der vergangenen zwölf Monate herangezogen, um den Aktienkurs zu bewerten. Bei einem großen Tech-Unternehmen wie AMD, das am KI-Wettlauf beteiligt ist, würde man laut dem Beitrag erwarten, dass es mit dem 25- bis 35-Fachen der Gewinne bewertet wird. Davon ist AMD weit entfernt.
Mit dem 130-Fachen der Gewinne ist AMD eine sehr teure Aktie. Der Analyst nimmt den Einwand an, dass sich die Gewinnmargen im Vergleich zu einigen Quartalen zuvor rapide verbessern. Doch auch bei Bewertung anhand der erwarteten zukünftigen Gewinne – was optimierte Quartale einschließen sollte – bleibt die Aktie sehr teuer. Das vorwärtsgerichtete KGV liegt bei 67. Das ist ein sehr hohes Niveau und liegt deutlich über den früheren Bewertungen von AMD.
Ein weiteres Argument von AMD-Bullen verweist auf das Jahr 2027, das für AMD stark ausfallen soll. Der Autor bestreitet nicht, dass es ein gutes Jahr für das Unternehmen wird. Seine These lautet jedoch, dass das gesamte Wachstum für 2027 bereits in der AMD-Aktie eingepreist ist. Zum aktuellen Stand hat AMD bei einem KGV von 32 zum nächsten Jahr bereits anderthalb Jahre Wachstum in seiner Aktie eingepreist.
Sollte AMD also alle Analystenerwartungen erfüllen und die Aktie bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse des kommenden Jahres seitwärts handeln, würde AMD zu einem vernünftigen KGV von 32 zum rückwärtigen Gewinn gehandelt werden. Das ist aus Sicht des Analysten heutzutage einfach zu viel Wachstum, für das man einen Aufpreis zahlen müsste – insbesondere mit Blick auf den Hauptkonkurrenten Nvidia, der mit dem 27-Fachen des rückwärtigen Gewinns gehandelt wird.
Zum Kursverlauf: Die AMD-Aktie notierte an der NASDAQ zum Stand 16:00 Uhr ET am 23. Oktober 2026 und legte zuletzt um 1,74 Prozent zu.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Skepsis gegenüber der Bewertung steht in einem auffälligen Kontrast zur jüngeren Kursentwicklung. Bereits am 16.08.2026 berichtete aktien.news, dass die AMD-Aktie mit einem Kursanstieg von rund 6,50 Prozent in den Fokus von Investoren und Marktbeobachtern rückte. Als Hauptgrund nannte Motley Fool damals den rasant steigenden Aktienkurs. AMD gehört zu den bedeutendsten Halbleiterunternehmen der Welt und ist vor allem als Hersteller von Prozessoren (CPUs) und Grafikprozessoren (GPUs) bekannt, im direkten Wettbewerb mit Branchenriesen wie Intel und Nvidia.
Am 23.08.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse von The Motley Fool mit einem überraschenden Schluss: Ausgerechnet der kleinere Konkurrent AMD könnte Nvidia in den nächsten drei Jahren an der Börse übertreffen. Nvidia bleibe zwar der Goldstandard und habe sich als Komplettanbieter für KI-Infrastruktur positioniert, mit End-to-End-Lösungen in Rack-Maßstab und eigenen CPUs auf Arm-Basis. Dennoch sah die Analyse Aufholpotenzial für AMD.
Am 17.09.2026 meldete aktien.news, dass sich die AMD-Aktie in starker Verfassung zeige. Der Chiphersteller profitierte von einer klaren Botschaft führender Technologieunternehmen: Die Befürchtung einer Verlangsamung der KI-Nachfrage wurde entschieden zurückgewiesen. Laut der damaligen Analyse von Investor's Business Daily bewegte sich der AMD-Kurs auf kurzfristige Hochs zu, das Papier notierte bei 512,50 US-Dollar und legte um 1,65 Prozent zu.
Am 11.10.2026 folgte der Hinweis, dass sich AMD im Jahr 2026 als eine der volatilsten Aktien am gesamten Markt erwiesen habe. Motley Fool veröffentlichte damals ein massives Update für AMD-Anleger, das auf Aktienkursen vom Nachmittag des 7. Oktober 2026 basierte und am 9. Oktober 2026 erschien.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist AMD seit Jahren ein viel beachteter Wert, da das Unternehmen im hart umkämpften Halbleitermarkt eine zentrale Rolle spielt. Die aktuelle Analyse lenkt den Blick von der Technologie-Story auf die Bewertungsfrage. Wer die Aktie hält oder kaufen möchte, muss sich bewusst machen, dass der Markt bereits eine erhebliche Gewinnsteigerung vorwegnimmt.
Der Vergleich mit Nvidia ist dabei zentral: Während AMD mit dem 130-Fachen der vergangenen Gewinne und dem 67-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet wird, liegt Nvidia beim 27-Fachen des rückwärtigen Gewinns. Diese Differenz erklärt, warum der Analyst trotz verbesserter Produkte Abstand von einem Engagement nimmt. Es handelt sich ausdrücklich um eine Einschätzung eines einzelnen Analysehauses, nicht um eine allgemeine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Der Autor erwartet für die kommenden zwei Jahre zwei mögliche Szenarien. Erstens könnte es zu einem signifikanten Ausverkauf kommen. Zweitens könnte die Aktie unterperformen, während sie in ihre Bewertung hineinwächst. Keine dieser beiden Optionen bewertet er als attraktiv – weshalb er sich von AMD-Aktien distanziert. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob AMD die Analystenerwartungen erfüllt und ob das stark erwartete Jahr 2027 die hohen Vorgaben tatsächlich bestätigt.
Kurz erklärt
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt und zeigt, wie teuer eine Aktie im Verhältnis zu ihren Erträgen ist.
- Vorwärtsgerichtetes KGV: Bewertungskennzahl, die nicht vergangene, sondern erwartete künftige Gewinne als Grundlage nimmt.
- Bewertung: Der vom Markt zugeschriebene Preis eines Unternehmens im Verhältnis zu seinen Fundamentaldaten wie Gewinn oder Wachstum.
- Volatilität: Das Ausmaß der Kursschwankungen eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum.
