Prognose: 200 Dollar monatlich in Nvidia bis 2035 angelegt
Wer monatlich 200 Dollar in Nvidia-Aktien investiert, könnte bis 2035 ein deutlich größeres Vermögen aufbauen.

Ein monatlicher Sparplan von 200 Dollar in Nvidia-Aktien – über neun Jahre hinweg konsequent durchgezogen – könnte Anlegern bis Dezember 2035 ein deutlich größeres Vermögen bescheren als die reine Einzahlungssumme. Das ist die zentrale These einer aktuellen Analyse des US-Finanzportals Motley Fool. Wer im nächsten Monat startet und bis Ende 2035 durchhält, spart allein aus Einzahlungen 22.000 Dollar an, verteilt auf 110 Monate.
Die entscheidende Frage ist allerdings, welche realistische Rendite sich aus dieser Strategie erwarten lässt. Denn die Nvidia-Aktie hat in der jüngsten Vergangenheit einen starken Anstieg verzeichnet. Die Antwort hängt maßgeblich vom Geschäftsmodell des Chipherstellers und davon ab, wie viel Anleger bereit sind, für dessen Zukunft zu zahlen.
Vom Training zur Inferenz
Die Prognose stützt sich auf ein Szenario für das Jahr 2035: Künstliche Intelligenz ist dann vom Rand der Gesellschaft in den Alltag übergegangen. Terminvereinbarungen, Bestellungen am Drive-Thru oder Fragen zur Steuererklärung – vieles davon dürfte über KI-Chatbots laufen. Organisationen werden laut der Analyse noch stärker auf KI-gestützte Werkzeuge zurückgreifen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Verbrauchererwartungen an Geschwindigkeit, Genauigkeit und 24/7-Verfügbarkeit zu erfüllen.
Um diese Anwendungen anzutreiben, benötigen KI-Hyperscaler eine weitaus größere Zahl teurer Grafikprozessoren (GPUs) – die „Gehirne" der modernsten KI-Anwendungen. Nvidia-Chef Jensen Huang sagte dazu kürzlich, KI habe ihren Wendepunkt erreicht. Gemeint ist damit, dass KI-Systeme zunehmend vom Lernen über die Welt (Training) zur Problemlösung (Inferenz) übergehen. Die Analyse zieht einen Vergleich zu früheren Technologien wie Elektrizität, Telekommunikation und dem Internet: Aus einer anfänglichen Neugierde werde ein Motor rapiden Wachstums und schließlich unverzichtbare Infrastruktur.
Drei Szenarien für den Sparplan
Die Modellrechnung zeigt eine große Bandbreite möglicher Ergebnisse für dieselben 22.000 Dollar an Einzahlungen. Bei einer negativen jährlichen Rendite von 5 Prozent blieben dem Anleger nur 17.677 Dollar. Bei einer jährlichen Rendite von 20 Prozent stiege der Gesamtwert auf mehr als 61.930 Dollar. Zum Vergleich: Nvidia hat in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 63 Prozent (CAGR) erzielt.
Diese historische Performance dürfte sich jedoch kaum wiederholen lassen. Nvidia ist inzwischen das größte Unternehmen der Welt und macht allein rund 7 Prozent des gesamten Werts des US-Aktienmarkts aus. Ein solches Wachstumstempo über das kommende Jahrzehnt sei daher unvernünftig anzunehmen, heißt es in der Analyse.
Zwei offensichtliche Risiken
Die Autoren benennen zwei wesentliche Risiken für das weitere Wachstum. Erstens könnte Nvidia trotz der Nachfrage nicht genügend Komponenten oder Produktionskapazitäten beschaffen, um diese vollständig zu bedienen. In der jüngsten Quartalsbilanzierung erwähnte Huang, dass „unsere gesamte Lieferkette herausgefordert ist". Nvidia könne letztlich nur so schnell wachsen, wie es seine Lieferanten und Foundry-Partner zulassen.
Zweitens könnten Kunden und Konkurrenten – in einigen Fällen dieselben Unternehmen – ihre Strategien ändern. KI-Hyperscaler geben enorme Summen aus, um die Infrastruktur auszubauen. Drosseln ein oder mehrere dieser Unternehmen ihre Ausgaben, könnte das Nvidias Umsatzspitze belasten. Auch wachsender Wettbewerb könnte die Margen erodieren lassen: Direkte Rivalen wie AMD gewinnen mit neuen Produkten an Boden, und selbst Nvidias größte Kunden wie Alphabet, Amazon und Microsoft investieren stark in eigene KI-Chips, unter anderem in Partnerschaft mit Broadcom und Marvell Technology.
Lohnt sich die monatliche Investition?
Die Analyse rechnet mit einem mittleren Szenario: einer jährlichen Rendite von 10 Prozent über die kommenden 110 Monate. Bei dieser Rate würde sich der Gesamtwert der Position auf knapp 35.000 Dollar erhöhen. Diese Wachstumsrate setzt voraus, dass Nvidia weiterhin mit Lieferkettenherausforderungen konfrontiert bleibt, diese aber nicht katastrophaler Natur sind. Zudem geht sie davon aus, dass Nvidia trotz zunehmenden Wettbewerbs einen signifikanten Wettbewerbsvorteil bei Datenzentrum-Prozessoren behält.
Für deutsche Privatanleger bleibt festzuhalten: Die Gewohnheit, monatlich 200 Dollar zu sparen, ist vollständig kontrollierbar – die Ergebnisse sind es nicht. Dennoch zahlt sich ein konsequenter Investor bereits seinem zukünftigen Ich aus, so das Fazit. Selbst wenn Nvidia weit hinter seinen jüngsten Renditen zurückbleibt, würde eine marktentsprechende Rendite von 10 Prozent demnach noch erhebliche Vorteile bringen.
