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Aktien passen sich an neues Normal für US-Staatsanleiherenditen an

Steigende Renditen bei 10-jährigen Treasuries müssen kein Problem für Aktien sein – entscheidend ist der Grund.

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Aktien passen sich an neues Normal für US-Staatsanleiherenditen an

Ein Anstieg der Rendite für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren aus dem Bereich von 4,0 bis 4,5 Prozent auf 4,5 bis 5,0 Prozent hat an den Finanzmärkten reflexartige negative Reaktionen ausgelöst. Die traditionelle Börsentheorie besagt, dass höhere risikofreie Zinssätze die Bewertungen von Aktien durch steigende Unternehmenskreditkosten und den Abzinsungssatz für zukünftige Cashflows unter Druck setzen. Doch Aktienmärkte handeln nicht isoliert von den Zinssätzen – sie reagieren auf die Gründe, warum sich diese Zinsen bewegen.

Wenn ein Renditeanstieg durch eine robuste wirtschaftliche Expansion und nicht durch Stagflation getrieben wird, tolerieren Aktien nicht nur höhere Renditen, sondern gewinnen sogar an Wert. Der innenwirtschaftliche makroökonomische Hintergrund zeigt, warum Aktien in der Lage sind, eine 10-Jahres-Treasuries-Rendite von 4,5 bis 5,0 Prozent zu absorbieren und darüber hinaus zu steigen.

Zinsen steigen aus zwei Gründen

Zinsen steigen aus zwei Hauptgründen: einer restriktiven Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation oder einer expandierenden Wirtschaftsleistung. Das aktuelle reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA liegt im dritten Quartal laut der GDPNow-Prognose der Federal Reserve Bank of Atlanta vom 17. September bei einem starken Tempo von 5,1 Prozent. Kombiniert mit einer Basis-Inflationsrate von rund 2,5 Prozent erreicht das prognostizierte nominale BIP-Wachstum nahezu 7 Prozent.

Solange das nominale BIP-Wachstum höher ist als die Rendite für 10-Jahres-Treasuries, die derzeit bei etwa 5 Prozent liegt, kann der Aktienmarkt konstruktiv bullisch bleiben. Der Umsatz der Unternehmen folgt dem nominalen Wirtschaftswachstum und nicht allein dem realen BIP. Wenn die nominale Wirtschaftsleistung um nahezu 7 Prozent expandiert, können Unternehmen ausreichende Umsatzexpansionen generieren, um eine Zins-Hurdle-Rate von 4,5 bis 5,0 Prozent zu absorbieren.

Historische Perspektive: Höhere Zinsen sind kein Neuland

Historisch gesehen bleiben die Gewinnmargen der Unternehmen stabil, solange das Wachstum der Top-Line-Umsätze den risikofreien Zinssatz übertrifft. Die Renditen für 10-Jahres-Treasuries lagen vor der Großen Rezession von 2008 höher, als moderne Anleger es gewohnt sind. Zwischen 1997 und 2006 lagen die Renditen routinemäßig durchschnittlich zwischen etwa 5,0 und 5,5 Prozent.

Die Aktienmärkte tolerierten diese höheren Zinsen damals nicht nur – sie erlebten zwei der stärksten strukturellen Bullenmärkte der Geschichte. Der Dotcom-Boom von 1995 bis 1999 sah die 10-Jahres-Rendite in einem Bereich von 5,2 bis 7,1 Prozent, während der S&P 500 Gewinne von 220 Prozent bzw. annualisierte Renditen von 25 Prozent verzeichnete. In der wirtschaftlichen Expansionsphase von 2003 bis 2007 stieg die 10-Jahres-Rendite von 3,3 auf 5,2 Prozent, was breites globales Wirtschaftswachstum und die Ausweitung der Unternehmensgewinnmargen widerspiegelte.

Gewinnwachstum überkompensiert Bewertungsabschlag

Die Marktstimmung vor der FOMC-Sitzung dieser Woche wird dominiert vom phänomenalen Gewinnwachstum im Vergleich zur Multiplikationskontraktion aufgrund höherer Staatsanleiherenditen. Während der kürzlich beobachtete Anstieg der 10-Jahres-Renditen um 50 Basispunkte das vorläufige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 leicht komprimieren kann – von 22x auf 20x – liefert eine robuste wirtschaftliche Aktivität eine Gewinnexpansion, die diesen Bewertungsabschlag weit überwiegt.

FactSet hat seine neuesten Prognosen für das dritte Quartal am 11. September veröffentlicht. Für das dritte Quartal 2026 beträgt die geschätzte Gewinnwachstumsrate für den S&P 500 28,7 Prozent. Sollte dies die tatsächliche Wachstumsrate sein, markiert es das dritte Quartal in Folge mit einem Gewinnwachstum von über 25 Prozent für den Index. Alle elf S&P-Sektoren werden voraussichtlich ein jahresvergleichsbasiertes Wachstum melden, fünf davon ein zweistelliges Wachstum, angeführt von den Sektoren Energie, Informationstechnologie, Kommunikationsdienste und Materialien.

Bewertungen bleiben im historischen Rahmen

Das vorläufige 12-Monats-KGV für den S&P 500 beträgt 19,1 und liegt damit unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 19,8, aber nahe am 10-Jahres-Durchschnitt von 19,0. Bisher meldeten die ersten beiden Unternehmen des S&P 500 mit Q3-Ergebnissen einen positiven EPS-Überraschungseffekt, und beide Unternehmen meldeten einen positiven Umsatz-Überraschungseffekt.

Mit Blick auf das Quartalsende in zwei Wochen sind die Märkte historisch betrachtet nicht teuer. Wenn die Gewinne des S&P 500 mit zweistelligen Raten wachsen, führt eine milde Kontraktion der KGV-Verhältnisse zu einer positiven Rendite für Aktien. Gewinne sind der entscheidende Motor für Aktienkurse, und ein starkes BIP stellt sicher, dass die Unternehmensgewinne auf solidem Fundament bleiben.

Unternehmen sitzen auf hohen Cash-Reserven

Die Unternehmen des S&P 500 halten zudem kollektive Cash-Reserven, die 1,8 Billionen US-Dollar übersteigen. Bei kurzfristigen Money-Market-Raten und 10-Jahres-Treasuries, die nahezu 5 Prozent abwerfen, erwirtschaften Unternehmen erhebliche Zinserträge aus ihren Cash-Beständen, was höhere Refinanzierungskosten effektiv ausgleicht.

Ein hauptsächliches Argument gegen höhere Renditen ist die Belastung durch steigende Zinsaufwendungen für Unternehmensschulden. Allerdings haben US-Unternehmen mit großem Marktkapitalisierung jahrelang Schulden zu historisch niedrigen festen Zinssätzen refinanziert. Über 75 Prozent der Unternehmensschulden im S&P 500 sind in langfristige, niedrig verzinsliche Festzinsschuldtitel mit gestaffelten Laufzeiten strukturiert.

Fazit: Vitalität statt Belastung

Aktienmärkte performen außergewöhnlich gut in einem Zinsregime von 4 bis 5 Prozent, da dies eine gesunde, rezessionsfreie Wirtschaft widerspiegelt. Hohe Renditen, die durch wirtschaftliche Vitalität verursacht werden, sind normalerweise ein Katalysator für einen Bullenmarkt. Zwar gibt es gewisse Anzeichen von Inflation in den Bereichen Energie, Lebensmittel, Reisen und Wohnen – der allgemeine CPI lag zuletzt bei 0,4 Prozent monatlich und 3,4 Prozent jährlich. Der Kern-CPI (ohne Lebensmittel und Energie) stieg im Monatsvergleich um 0,3 Prozent, wobei sein jährliches Tempo leicht auf 2,4 Prozent abnahm.

Dennoch markiert eine Bewegung der 10-Jahres-Treasuries-Rendite auf nahezu 5,0 Prozent eine Rückkehr zu historischen Normen. Getrieben durch nominale Inflation, ein vorwärtsgerichtetes BIP-Wachstum von über 4 Prozent, zweistelliges Unternehmensgewinnwachstum und durch KI induzierte Margenausweitungen, können Aktien höhere Zinsen absorbieren und neue Rekordhochs erreichen.

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