Aktien mit großen Vorhandelsschwankungen: Moderna, Deckers und AT&T
Moderna, Deckers und US-Telekomwerte bewegen sich vor der Börseneröffnung deutlich — ein SpaceX-Bericht und schwache Quartalszahlen treiben die Kurse.

Die Aktien mit den größten Vorhandelsschwankungen standen am Freitagmorgen an Wall Street im Fokus. Im Zentrum: ein Biotech-Schwergewicht nach der Veröffentlichung teilweise geleakter Impfstoff-Daten, ein Schuhhersteller mit verfehlten Quartalszahlen und der gesamte US-Telekomsektor. Auslöser der Bewegung bei AT&T, T-Mobile und Verizon war ein Bericht über neue Ambitionen des Raumfahrtunternehmens SpaceX im Mobilfunkmarkt.
Die Nachrichtenlage stammt aus dem CNBC-World-Bericht vom 23. Oktober 2026. Auffällig ist, dass sich die Kursbewegungen vielfach gegen die eigentliche Nachrichtenlage entwickelten: Mehrere Unternehmen legten am späten Donnerstag solide oder sogar starke Zahlen vor und gerieten dennoch unter Druck. Umgekehrt profitierten die Betreiber von Mobilfunkmasten von Gesprächen, die für die etablierten Netzbetreiber zum Risiko werden könnten.
Besonders heftig traf es Moderna. Der Kurs fiel am Freitagmorgen um 5,7 Prozent, nachdem er am Donnerstag bereits um 25 Prozent eingebrochen war. Hintergrund war die Veröffentlichung teilweise geleakter Daten zu dem vielbeachteten Krebsimpfstoff, den das Unternehmen gemeinsam mit Merck entwickelt. Bemerkenswert: Beide Aktien blieben auch dann schwach, als die am Donnerstag veröffentlichten vollständigen Daten für Patienten bedeutsam erschienen und im Vergleich zu den Erwartungen der Wall Street positiv ausfielen.
Die Details
Beim Schuhhersteller Deckers ging es am Freitagmorgen um 6,7 Prozent nach unten. Das Unternehmen hatte am späten Donnerstag seine Quartalszahlen für das zweite Geschäftsjahr vorgelegt, die hinter den Analystenerwartungen zurückblieben. Der Umsatz des am 30. September endenden Quartals belief sich auf 1,43 Milliarden Dollar, verglichen mit den von Wall Street erwarteten 1,51 Milliarden Dollar. Auch der Umsatz der Top-Marken, darunter HOKA und UGG, verfehlte die Erwartungen von FactSet.
Im Telekomsektor sorgte ein Bericht von Bloomberg News für Bewegung. Demnach steht SpaceX in privaten Verhandlungen über die Anmietung von 80.000 Mobilfunkmasten. SpaceX versuche, den vierten landesweiten Wireless-Anbieter aufzubauen, indem es sein Starlink-Direkt-zu-Gerät-Netzwerk mit bodengestützter Infrastruktur kombiniere, berichtete Bloomberg unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Folge: AT&T verlor 4,2 Prozent, Verizon sank um 3,6 Prozent, während T-Mobile um 4,3 Prozent zulegte. Profiteure waren die Mastbetreiber: Crown Castle stieg um 7,6 Prozent, American Tower legte um 5,5 Prozent zu. Crown Castle sei eines der an den Verhandlungen beteiligten Unternehmen, so Bloomberg.
Unterstützung erhielt SpaceX selbst durch eine Aufwertung an Wall Street. PhillipCapital hob die Bewertung der Aktien von "Verkaufen" auf "Kaufen" an und erhöhte sein Kursziel von 75 auf 250 Dollar, wobei überraschende Gewinne im KI-Geschäft genannt wurden. Das neue Kursziel entspricht einer Steigerung von 70 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Ebenfalls im Vorhandel auffällig: Bloom Energy verlor 2,5 Prozent. Der Anbieter von Energietechnologie-Lösungen für Rechenzentren hatte am späten Donnerstag seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt. Umsatz und Gewinn übertrafen die Erwartungen, und das Unternehmen hob seine Guidance für den Gewinn pro Aktie für das Gesamtjahr 2026 an. Der im Quartal gemeldete negative Free Cash Flow sorgte bei den Investoren jedoch für Befürchtungen.
Comfort Systems fiel um 3,6 Prozent, obwohl das Unternehmen am späten Donnerstag beim Umsatz und beim Gewinn im dritten Quartal die Erwartungen übertraf. Die Margen des Anbieters von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik lagen allerdings unter den Erwartungen. Als Ausgleich dazu stieg der Auftragseingang des Unternehmens im dritten Quartal im Jahresvergleich um 90 Prozent.
Bei Western Digital ging es am Freitagvormittag im Vorhandel um 3,4 Prozent nach unten, obwohl das Unternehmen am späten Donnerstag starke Quartalszahlen meldete. Der Anbieter von Datenspeichergeräten übertraf die Umsatzprognosen und kündigte eine Dividendensteigerung an. Das Management sagte, das Geschäftsjahr 2027 sei gut gestartet, doch bestehen breitere Bedenken seitens der Investoren hinsichtlich der Nachfragehöhe und der KI-getriebenen Ausgaben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Vorstoß von SpaceX in den Mobilfunkmarkt ist kein neues Thema. Bereits am 9. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von AT&T, T-Mobile und Verizon nachgeben, nachdem SpaceX einen weiteren Schritt in Richtung eigenem Mobilfunkanbieter unternommen hat. Schon damals hieß es, der Vorstoß von Elon Musks Raumfahrtunternehmen in den Mobilfunkmarkt setze die etablierten US-Telekomriesen unter Druck und schüre Sorgen.
Am selben Tag meldete aktien.news auch, wie sich die US-Börsen auf Wochensicht schlugen: Der technologielastige Nasdaq Composite stieg um 0,5 Prozent, der Referenzindex S&P 500 um 0,3 Prozent und der Blue-Chip-Index Dow Jones Industrial Average um 0,2 Prozent. Auf Wochensicht lagen alle drei großen Indizes im Plus – der S&P 500 um 0,6 Prozent, der Dow um 0,1 Prozent, der Nasdaq geringfügig höher. Der Nasdaq steuerte damals auf seinen vierten Wochengewinn in Folge zu.
Ein weiterer Baustein der damaligen Berichterstattung war ein Umsatzbericht von OpenAI, der etwas Schwung aus dem hochgehandelten Sektor der künstlichen Intelligenz nahm. CNBC bestätigte, dass OpenAI Anlegern mitteilte, bis Ende September annualisierte Einnahmen in Höhe von 50 Milliarden Dollar erzielt zu haben; ein Wert von 68 Milliarden Dollar war im vergangenen Monat weit verbreitet gemeldet worden. Zudem berichtete aktien.news am 9. Oktober 2026 unter Berufung auf Investor's Business Daily vom 8. Oktober 2026 von einem Kaufsignal bei Apple, das dem Gesamtmarkt Halt geben konnte, während spekulative KI-Werte unter Druck gerieten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Handelstag vor allem eines: Die Reaktion auf Quartalszahlen hängt längst nicht mehr nur vom reinen Ergebnis ab. Bloom Energy, Comfort Systems und Western Digital übertrafen jeweils die Erwartungen – und wurden dennoch abverkauft. Bei Bloom Energy war es der negative Free Cash Flow, bei Comfort Systems die Marge, bei Western Digital die Sorge um die Nachfrage und die KI-getriebenen Ausgaben. Wer in solchen Titeln engagiert ist, sollte deshalb nicht nur die Gewinn- und Umsatzzeilen im Blick behalten.
Im Telekomsektor verschiebt der Bloomberg-Bericht die Kräfteverhältnisse, falls sich die Gespräche bestätigen. Während die Netzbetreiber unter Druck gerieten, profitierten die Eigentümer der Infrastruktur. Anleger, die in Crown Castle oder American Tower investiert sind, könnten von einer neuen Nachfrage nach Mastkapazitäten profitieren. Ob und wann die Gespräche zu einem Abschluss kommen, ist nicht bekannt. Ein Kursziel von 250 Dollar für SpaceX, wie von PhillipCapital genannt, ist eine Analystenprognose und keine Zusage – die Begründung stützt sich auf Gewinne im KI-Geschäft.
Ausblick
Konkrete Termine nennt die Quelle nur wenige. Western Digital hat nach eigenen Angaben ein gutes Geschäftsjahr 2027 begonnen, und die Investoren behalten die Nachfrage sowie die KI-getriebenen Ausgaben im Blick. Bloom Energy hat seine Guidance für den Gewinn pro Aktie für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Beim Krebsimpfstoff von Moderna und Merck liegen die vollständigen Daten seit Donnerstag vor; die Bewertung durch den Markt fiel trotz der als bedeutsam eingestuften Ergebnisse negativ aus. Ob SpaceX die Verhandlungen über die 80.000 Mobilfunkmasten abschließt, bleibt offen – Bloomberg berichtet lediglich über Gespräche, beruhend auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen.
Kurz erklärt
- Vorhandel: Der Handel mit Aktien vor der offiziellen Eröffnung der Börse, in dem bereits auf Nachrichten reagiert wird.
- Free Cash Flow: Der Geldbetrag, der einem Unternehmen nach Abzug der Investitionen aus dem operativen Geschäft verbleibt.
- Kursziel: Die von Analysten erwartete Kurshöhe einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
