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Accenture-Aktien steigen 22 Prozent: Beratungsriese entkräftet die KI-Befürchtungen

Der weltgrößte börsennotierte Berater überzeugt mit beschleunigtem Umsatzwachstum und steigendem Gewinn – die Aktie legt kräftig zu.

• 5 Min
Accenture-Aktien steigen 22 Prozent: Beratungsriese entkräftet die KI-Befürchtungen

Die Aktien von Accenture sind am Donnerstag um 22 Prozent gestiegen. Auslöser war die Ankündigung des weltweit größten börsennotierten Beratungsunternehmens, dass seine Umsätze in diesem Jahr beschleunigt wachsen könnten. Damit entkräftete der Konzern Befürchtungen, die künstliche Intelligenz (KI) könnte die Nachfrage nach seinen Dienstleistungen zerstören.

Der Kurssprung hob die Marktkapitalisierung des Beratungsunternehmens auf mehr als 135 Mrd. US-Dollar. Das ist eine bemerkenswerte Wende: Während eines post-pandemischen Booms in der Beratungsbranche hatte der Börsenwert noch über 200 Mrd. US-Dollar gelegen, zu Beginn dieses Jahres war er auf weniger als 80 Mrd. US-Dollar gesunken.

Accenture beschäftigt 800.000 Mitarbeiter. Im Zwölfmonatszeitraum bis August verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg des Gewinns um 8 Prozent. Der Konzern profitierte von Kostensenkungen und gab an, dass KI dabei hilft, den Umsatz pro Mitarbeiter zu steigern.

Die Details

Für das Geschäftsjahr meldete Accenture Umsätze in Höhe von 74,2 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 4 Prozent und wurde von einem stärker als erwarteten letzten Quartal getragen. Der Nettogewinn für das im August endende Geschäftsjahr belief sich auf 8,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 8 Prozent. Unterstützt wurde dieses Ergebnis durch Stellenabbau und andere Kostenreduzierungsmaßnahmen, die bereits vor einem Jahr eingeleitet worden waren.

Der scheidende Eindruck eines schrumpfenden Geschäfts täuscht also. In den vergangenen drei Monaten hat Accenture mehr als 15.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, wodurch die globale Belegschaft auf mehr als 814.000 Mitarbeiter angewachsen ist. Das Unternehmen hatte seine Aktien im Juni auf ein Neun-Jahres-Tief fallen sehen, weil Anleger befürchteten, KI könne die Nachfrage nach Beratern auslöschen.

Julie Sweet, Chief Executive Officer von Accenture, erklärte, das Unternehmen gewinne in einem schwierigen Markt Marktanteile von Wettbewerbern. „Unsere Kunden sind der Ansicht, dass ihnen die KI helfen wird, mehr zu erreichen als zuvor möglich innerhalb des gesamten Unternehmens, aber sie befinden sich sehr unterschiedlich weit in ihrer Vorbereitungsphase“, sagte sie. „Ein Großteil unseres heutigen Wachstums stammt weiterhin aus dem Aufbau ihres digitalen Kerns. . . Viele beginnen gerade erst ihre KI-Reise.“

Sweet räumte ein, dass sich die Belegschaft langsamer entwickeln dürfte als in der Vergangenheit. Accenture werde weiterhin Einstellungsmaßnahmen auf Entry-Level-Ebene ausbauen, das Gesamtwachstum der Mitarbeiterzahlen werde jedoch aufgrund der KI verlangsamt. „Wir sehen einen Anstieg des Umsatzes pro Person, was man teilweise aufgrund der KI erwarten würde“, sagte sie gegenüber Analysten auf einer Telefonkonferenz. Zusätzlich erlaubte das Unternehmen seinen Mitarbeitern, nicht genutzten Urlaub in die nächste Periode zu übertragen, um sie dazu zu bewegen, die Arbeit für Kunden in den letzten Wochen des Geschäftsjahres abzuschließen.

Der Optimismus steht im Kontrast zur Stimmung in der Branche. Wettbewerbsberatungen haben in den letzten Monaten eine anhaltend schwache Nachfrage hervorgehoben. Deloitte berichtete vergangene Woche, dass die Tech-Beratung im vergangenen Jahr sein am langsamsten wachsendes Segment war.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die jüngste Kurserholung ist umso bemerkenswerter, weil die Aktie erst im Sommer massiv unter Druck geraten war. Bereits am 18.06.2026 berichtete aktien.news, dass Accenture mit seinem Quartalsbericht die Erwartungen der Wall Street verfehlt und die Aktie damit belastet hatte – enttäuscht habe das Unternehmen gleich auf zwei Fronten, mit einer schwächeren Umsatzprognose als erwartet und der Ankündigung eines komplexen Akquisitionsplans. Am selben Tag meldete aktien.news, dass die Aktie des globalen Technologiedienstleisters um rund 16 Prozent auf nahezu 131 US-Dollar abrutschte, weil Umsatz und Neuaufträge hinter den Erwartungen zurückblieben und die Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert wurde.

Am 19.06.2026 berichtete aktien.news von einem der schlechtesten Börsentage seit Jahren: Trotz solider Quartalsergebnisse – der Gewinn pro Aktie war im dritten Geschäftsquartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent gestiegen – sorgten der gedämpfte Ausblick und die milliardenschwere Übernahmeankündigung für einen deutlichen Kurseinbruch. Der Bericht warf grundlegende Fragen über die Zukunft des Beratungsgeschäfts im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz auf. Erst am 21.09.2026 hellte sich das Bild auf: Damals berichtete aktien.news, dass Accenture-Aktien nach der Bekanntgabe einer strategischen Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic zulegten. Beide Unternehmen planen, über die nächsten fünf Jahre jeweils rund eine Milliarde Dollar in Bemühungen zur KI-Sicherheit zu investieren.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall Accenture, wie stark die Bewertung von Beratungsunternehmen inzwischen an der KI-Frage hängt. Vorherige Technologie-Revolutionen haben Beratungsfirmen gestärkt, weil sie Aufträge gewannen, um Unternehmen bei der Anpassung zu begleiten. Investoren befürchten jedoch, dass die KI keinen ähnlichen Impuls liefern könnte, wenn Kunden ihre Ausgaben auf interne KI-Projekte verlagern und erwarten, dass Berater Projekte mit weniger Personal und zu niedrigeren Raten abschließen. Genau diese Sorge hatte den Kurs im Juni auf ein Neun-Jahres-Tief gedrückt.

Der Analyst Surinder Thind von Jefferies ordnete die Zahlen als „deutlich über den Erwartungen“ ein. „Obwohl das allgemeine Wachstum im Vergleich zu historischen Niveaus noch immer gedämpft bleibt, ist vielleicht am wichtigsten, dass die Guidance darauf hindeutet, dass sie sich nicht verschlechtert, wie es die KI-Befürchtungen nahelegen würden“, sagte er. Für Anleger ist damit vor allem eines relevant: Die Guidance wurde nicht weiter gesenkt.

Ausblick

Accenture hat für das laufende Geschäftsjahr ein Ziel von 3 bis 6 Prozent Wachstum festgelegt. Die Wall Street hatte für den Mittelwert dieser Spanne etwa 4 Prozent erwartet. Der Konzern gab an, dass seine Umsätze im kommenden Jahr trotz der Bedenken darüber, wie die KI die Beratungsbranche verändert, schneller steigen könnten. Beim Personal will Accenture weiterhin auf Entry-Level-Ebene einstellen, während das Gesamtwachstum der Mitarbeiterzahlen wegen der KI langsamer ausfallen dürfte.

Kurz erklärt

  • Umsatz pro Mitarbeiter: Kennzahl, die den Umsatz eines Unternehmens ins Verhältnis zur Zahl seiner Beschäftigten setzt.
  • Marktkapitalisierung: Börsenwert eines Unternehmens, der sich aus dem Aktienkurs und der Zahl der ausgegebenen Aktien ergibt.
  • Guidance: Die offizielle Prognose eines Unternehmens für die künftige Umsatz- und Gewinnentwicklung.
  • Geschäftsjahr: Der Zeitraum, für den ein Unternehmen bilanziert und der nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen muss.
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