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Wizz Air-Manager: „Die Flugbranche steht vor einer dramatischen Situation"

Kerosinpreise explodieren, Kriege belasten die Branche – Wizz Air-Manager Ian Malin erklärt, wie die Airline die Krise meistert.

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Wizz Air-Manager: „Die Flugbranche steht vor einer dramatischen Situation"

Die Luftfahrtbranche steht unter Druck: Zwei Kriege ohne absehbares Ende, explodierende Kerosinpreise und hunderte noch ausstehende Flugzeuglieferungen setzen den Airlines zu. Ian Malin, Manager bei Wizz Air, spricht im Interview mit der Wirtschaftswoche Klartext über die Lage – und zeigt sich trotz allem zuversichtlich.

Der Preis für Kerosin lag zuletzt bei rund 1.800 US-Dollar pro Tonne – verglichen mit etwa 600 US-Dollar noch einen Monat zuvor. Malin macht keinen Hehl daraus, was das bedeutet: „Wenn die Ölpreise auf diesem Niveau bleiben, wird alles teurer, von Plastik bis hin zu Flugtickets." In den USA geben Fluggesellschaften diese Mehrkosten bereits direkt an die Passagiere weiter.

Besonders hart trifft es Airlines, die ihre Kerosin-Einkaufspreise nicht abgesichert haben – und jene, die noch mit älteren, verbrauchsintensiven Maschinen fliegen. Wizz Air hingegen sieht sich in einer vergleichsweise komfortablen Position: Das Unternehmen hat für das laufende Geschäftsjahr 86 Prozent seines Treibstoffbedarfs abgesichert, für das kommende Quartal 71 Prozent zu einem Preis von rund 700 US-Dollar pro Tonne.

Keine Treibstoffzuschläge – aber höhere Preise kommen

Treibstoffzuschläge lehnt Wizz Air dennoch ab. Der Grund: Solche Aufschläge seien schwer wieder abzuschaffen, wenn die Preise sinken. Stattdessen setzt die Airline auf eine umfassende Absicherungsstrategie, um die Weitergabe der Kraftstoffkosten an die Verbraucher möglichst lange hinauszuzögern. Zusätzlich schützt das Unternehmen, dass ein Großteil seiner Einnahmen und Leasingverpflichtungen in US-Dollar läuft.

Trotz dieser Absicherung gab Wizz Air zuletzt eine Gewinnwarnung heraus. Malin relativiert jedoch: Die Warnung sei „größtenteils buchhalterischer Natur" gewesen – bedingt durch Wechselkursänderungen und Flugstreichungen im Zuge des Rückzugs aus Abu Dhabi. Finanziell bewege sich das Unternehmen im Rahmen seiner Prognosen.

Der Abschied aus Abu Dhabi war eine der schwierigsten Entscheidungen des vergangenen Jahres. Noch ein Jahr zuvor hatte Wizz Air den Markt als Wachstumsregion angepriesen und bis zu zehn Prozent der Kapazität dort eingeplant. Malin begründet den Rückzug mit zunehmenden geopolitischen Risiken in der Region, die zu viel Managementkapazität gebunden hätten. „Dadurch haben wir bis zu einem gewissen Grad den Fokus auf unseren Daseinszweck verloren", sagt er.

Rückzug aus dem Nahen Osten – Fokus auf Kernmärkte

Die freigewordenen Kapazitäten fließen nun vor allem in Strecken zwischen Italien, Spanien und Osteuropa. Wizz Air sieht einen starken Tourismusboom in Ländern wie Rumänien und Albanien und will erschwingliche Alternativen für Reisende bieten, die sich teurere Destinationen nicht mehr leisten können.

Auf dem Nordatlantik hingegen will Wizz Air vorerst nicht mit regulären Linienflügen antreten. Zwar hat die Airline Verkehrsrechte für die USA erhalten, doch Malin erklärt, das Effizienzmodell der Airline passe nicht zu einem Markt, in dem etablierte Carrier günstige Tickets durch teure Premium-Plätze quersubventionieren. Stattdessen setzt Wizz Air auf das Chartergeschäft – etwa mit Sonderflügen zur Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Dafür kommen elf neue Airbus A321XLR zum Einsatz.

Triebwerksprobleme fast überwunden – Flotte wird effizienter

Ein weiteres Kapitel, das die Airline belastet hat: Triebwerksprobleme, die zeitweise bis zu 55 der damals 180 Flugzeuge am Boden hielten. Inzwischen sind nur noch 30 von 261 Maschinen betroffen. Bis 2027 soll das Problem vollständig gelöst sein. Dann will Wizz Air über eine nahezu einheitliche Flotte aus A321neo-Flugzeugen verfügen – ausgestattet mit der neuen Advantage-Version der GTF-Triebwerke, die als besonders effizient gilt.

Malin blickt optimistisch in die Zukunft: In fünf Jahren sieht er Wizz Air als Europas am schnellsten wachsende Fluggesellschaft – möglicherweise sogar weltweit. Das Wachstumspotenzial liege vor allem in den Kernmärkten Zentraleuropas, wo die Menschen im Schnitt noch deutlich weniger reisen als in Westeuropa. Steigt die Wirtschaftsleistung, steigt auch die Reisenachfrage – und Wizz Air will davon profitieren.

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