Weihnachtsgeschäft entscheidet über Gewinn: ROFU Kinderland startet neu
Der Spielwarenhändler ROFU Kinderland wagt nach der Insolvenz den Neustart, während der Handel auf ein stabiles Weihnachtsgeschäft hofft.

Das Weihnachtsgeschäft ist für den deutschen Einzelhandel die wichtigste Phase des Jahres. In den Monaten November und Dezember erwirtschaften viele Händler bis zu 20 Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes. Damit entscheidet das Jahresendgeschäft maßgeblich darüber, ob ein Unternehmen das Geschäftsjahr mit Gewinn oder Verlust abschließt. Für Spielwarenhändler gilt das in besonderem Maße, denn ihre Kunden kaufen Geschenke überwiegend in den letzten Wochen des Jahres.
Wie die Branche auf die kommenden Wochen blickt, zeigt eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE). Rund 300 Handelsunternehmen wurden dafür befragt. Fast ein Drittel der Händler zeigt sich zuversichtlich, und beinahe ein Viertel ist sicher, dass der Geschenkkauf das Geschäft tragen wird. HDE-Präsident Alexander von Preen ordnet die Stimmung so ein: "Das Weihnachtsgeschäft bleibt trotz eines schwierigen Umfelds und vieler Ungewissheiten stabil. Weihnachten zeigt sich krisenfest."
Ganz so gelassen sehen viele Händler die kommenden Wochen allerdings nicht. Im Nicht-Lebensmittelhandel erwarten 56 Prozent der Unternehmen ein schlechteres Geschäft als zuvor. Als Grund nennt von Preen die Belastungen: "Viele Handelsunternehmen sehen sich vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit steigenden Kosten für Energie, Personal und ausufernder Bürokratie konfrontiert. Das trägt nicht zu einer optimistischen Einschätzung der Geschäftslage bei."
Der Spielwarenhändler ROFU Kinderland startet nach der Insolvenz neu
Ein besonders drastisches Beispiel für die Krise im Spielwarenhandel liefert ROFU Kinderland. Das Unternehmen aus Hoppstädten-Weiersbach verkauft seit mehr als 40 Jahren Spielwaren und war zuletzt mit Filialen in sechs Bundesländern vertreten. Im Januar beantragte der Händler Insolvenz. Als Ursachen nennt die Quelle gestiegene Kosten, die Kaufzurückhaltung der Kunden und ein schwaches Weihnachtsgeschäft.
Obwohl ein Investor gefunden wurde, mussten 27 Filialen geschlossen werden. Mehr als 600 Mitarbeitende verloren dadurch ihre Stelle. Im Juli wurde das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen, nachdem die Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt hatten. In der Folge begann das Unternehmen, Filialen mit einem überarbeiteten Konzept wieder zu eröffnen. Neue Standorte entstehen in Heilbronn, Neunkirchen und Heppenheim.
Für den Neustart holte sich ROFU Verstärkung aus der Branche. Achim Weniger war 40 Jahre lang bei VEDES tätig, zuletzt im Vorstand. VEDES ist eine Einkaufsgenossenschaft, der etwa 800 Spielwaren-Einzelhändler angehören. Weniger beschreibt die Ausrichtung des Unternehmens so: "Unser Fokus liegt auf der Zukunft und dem Neustart. Wir verändern interne Prozesse und stellen das Unternehmen neu auf, um langfristig erfolgreich zu sein."
Neben dem stationären Geschäft arbeitet ROFU auch am Onlineauftritt. Der Online-Shop wurde überarbeitet, und das Unternehmen setzt auf Kooperationen in der Logistik. Der Internethandel wächst zum Jahresschluss deutlich: Der Onlinehandel legt im Weihnachtsgeschäft um vier Prozent zu und erreicht 23 Milliarden Euro Umsatz. Insgesamt entfallen auf die letzten zwei Monate des Jahres rund 130 Milliarden Euro Umsatz im deutschen Einzelhandel.
Der Spielwarenhandel leidet unter Preisdruck und neuen Wettbewerbern
Die Probleme von ROFU stehen nicht für sich allein. Die gesamte Spielwarenbranche befindet sich unter Druck. Zu den Belastungen zählen Billigware aus Fernost, ein wachsender Gebrauchtmarkt und ein allgemeiner Preisdruck. Hinzu kommt das Preisdiktat von Marktführern und die Konkurrenz durch digitale Unterhaltung, die traditionellen Unternehmen zusetzt.
Auch bekannte Traditionsmarken melden zuletzt schlechte Nachrichten: Schleich, Playmobil, Haba und Rolly Toys sind davon betroffen. Ein weiterer Faktor ist die gesunkene Geburtenrate, durch die es weniger Kinder und damit weniger Kunden gibt. Klassische inhabergeführte Spielwarengeschäfte können unter diesen Bedingungen selten mithalten. Mehr als 150 dieser Geschäfte haben bereits geschlossen.
Frühere aktien.news-Berichte ordneten die Weihnachtslage bereits ein
Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Stimmung im deutschen Einzelhandel wenige Wochen vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts angespannt war. Der Bericht verwies auf eine gestiegene Zahl von Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr und darauf, dass mehr als jede zehnte Ladenfläche in den Innenstädten leer steht. Die KI-Analysten von Hase & Igel aus Oldenburg prognostizierten damals, dass die kommenden Monate für viele Händler – stationär wie online – trotz Black Friday und Weihnachtsgeschäft ernüchternd ausfallen könnten.
Auch der Blick über den Atlantik war Thema. Am 30.09.2026 meldete aktien.news unter Berufung auf eine Prognose der Unternehmensberatung Bain & Company, dass die Einzelhandelsumsätze im US-Weihnachtsgeschäft erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten sollen. Das Wachstum von 4,5 Prozent wird demnach maßgeblich vom stationären Handel getragen, auf den 70 Prozent der Ausgaben entfallen.
Am 09.10.2026 folgte ein weiterer Bericht: Die Amerikaner wollten in der Weihnachtssaison so viel Geld ausgeben wie nie zuvor. Ein erheblicher Teil dieses Zuwachses sei jedoch reine Preisentwicklung, getrieben durch Inflation und Zölle, und nicht automatisch Ausdruck größerer Kauflaune. Für deutsche Anleger ist dieser Befund relevant, weil der private Konsum in den USA als zentrale Stütze der weltweiten Konjunktur gilt.
Die Branchenentwicklung verlangt von Privatanlegern einen genauen Blick
Für Anleger zeigt sich an diesem Bild, wie stark die Geschicke vieler Handelsunternehmen vom Jahresendgeschäft abhängen. Ein gutes Weihnachtsgeschäft kann das Ergebnis eines ganzen Jahres drehen, ein schwaches es ins Minus ziehen. Wer in Einzelhandelsaktien investiert ist, sollte deshalb die Umsatzentwicklung im November und Dezember besonders aufmerksam verfolgen.
Aufschlussreich ist auch die Spaltung innerhalb der Branche. Während der Onlinehandel mit einem Plus von vier Prozent auf 23 Milliarden Euro zulegt, rechnen 56 Prozent der Nicht-Lebensmittelhändler mit einem schlechteren Geschäft. Diese Schere zwischen digitalem Wachstum und stationärer Schwäche ist ein wiederkehrendes Muster. Anleger sollten daher genau prüfen, ob ein Unternehmen eher von der Onlineverschiebung profitiert oder unter ihr leidet.
Der Fall ROFU veranschaulicht zudem, wie schnell ein Traditionsgeschäft in Schieflage geraten kann. Selbst mehr als 40 Jahre Erfahrung und ein Netz von Filialen in sechs Bundesländern schützten nicht vor der Insolvenz. Ein abgeschlossenes Sanierungsverfahren und ein neues Konzept sind keine Garantie für dauerhaften Erfolg – sie sind der Ausgangspunkt für einen weiteren Versuch.
Für die kommenden Wochen stehen Weihnachtsgeschäft und Neueröffnungen im Mittelpunkt
Kurzfristig richten sich alle Blicke auf das laufende Weihnachtsgeschäft, das in den Monaten November und Dezember seinen Höhepunkt erreicht. Der HDE verweist in diesem Zusammenhang auf geplante Ausgaben von 262 Euro pro Befragten. Der Onlinehandel wird nach den vorliegenden Angaben mit einem Umsatzplus von vier Prozent auf 23 Milliarden Euro zum Wachstumstreiber.
Bei ROFU Kinderland steht der Ausbau der wiedereröffneten Standorte im Mittelpunkt. Nach dem Abschluss der Sanierung in Eigenverwaltung im Juli verfolgt das Unternehmen die Neueröffnungen in Heilbronn, Neunkirchen und Heppenheim weiter. Begleitet wird der Neustart von einem überarbeiteten Online-Shop und Kooperationen in der Logistik.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Handelsgeschäfts
- Eigenverwaltung: Ein Insolvenzverfahren, bei dem das Unternehmen die Sanierung unter Aufsicht eines Sachwalters selbst vorantreibt.
- Insolvenzplan: Ein Verfahren, mit dem Gläubiger die Entschuldung und den Fortbestand eines Unternehmens regeln.
- Einkaufsgenossenschaft: Ein Zusammenschluss selbstständiger Händler, die gemeinsam einkaufen, um bessere Konditionen zu erhalten.
