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Webasto braucht Millionen für Sanierung

Autozulieferer kämpft mit Kapitalbedarf, Stellenabbau und Marktrückgang

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Webasto braucht Millionen für Sanierung

Der Autozulieferer Webasto benötigt frisches Kapital, um seine Sanierung fortzusetzen. Ein Sanierungsgutachten, das den kreditgebenden Banken vorgelegt wurde, bescheinigt dem Unternehmen grundsätzlich Wettbewerbsfähigkeit und Refinanzierungsfähigkeit. Dennoch sind weitere strukturelle Anpassungen erforderlich. Das Unternehmen aus dem oberbayerischen Stockdorf steht vor der Herausforderung, bis zu 200 Millionen Euro an zusätzlichem Eigenkapital aufzubringen. Im vergangenen Jahr hatte Webasto bereits Werke geschlossen und rund 1600 Arbeitsplätze abgebaut.

Mit einem Umsatz von zuletzt 4,6 Milliarden Euro und mehr als 18.000 Mitarbeitern zählt Webasto zu den großen familiendominierten Autozulieferern in Deutschland. Die Eigentümerfamilien Baier und Mey hatten in der Vergangenheit erwirtschaftete Gewinne weitgehend im Unternehmen belassen, doch diese Reserven reichen offenbar nicht aus, um den aktuellen Kapitalbedarf zu decken. Die Finanzierungslücke soll entweder durch die Eigentümer selbst oder durch neue Investoren geschlossen werden.

Webasto produziert unter anderem Standheizungen, Batteriesysteme und Glaspanoramadächer, wobei letztere mit 79 Prozent den größten Umsatzanteil ausmachen. Das Unternehmen profitierte lange Zeit vom Wachstum des chinesischen Marktes, auf den zeitweise fast 40 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen. Doch der Rückgang der Verkaufszahlen deutscher Automarken in China führte zu sinkenden Einnahmen. Hinzu kamen Probleme beim Produktionsanlauf in den USA sowie ein gescheiterter Versuch, sich im Markt für Ladesäulen zu etablieren. Nach hohen Verlusten gab Webasto dieses Geschäft Anfang 2024 wieder auf.

Die allgemeine wirtschaftliche Lage belastet die Autozulieferindustrie zusätzlich. Die schwache Konjunktur in Deutschland sowie der Preisdruck durch Autohersteller verschärfen die Situation. Seit dem Sommer 2024 befindet sich die Branche in einer Krise. Unternehmen wie ZF, Bosch und Continental haben in den vergangenen Monaten Zehntausende Stellen abgebaut und suchen nach strategischen Neuausrichtungen. Zwei Drittel der 25 wichtigsten europäischen Zulieferer befinden sich laut Beraterkreisen in finanziellen Schwierigkeiten.

Obwohl Volkswagen ein bedeutender Kunde von Webasto ist, wird eine direkte finanzielle Beteiligung seitens des Konzerns ausgeschlossen. Standheizungen von Webasto sind in mehreren VW-Modellen verbaut, darunter der Porsche Taycan und der VW T-Roc. Trotz der engen Geschäftsbeziehungen müsse Webasto seine aktuellen Herausforderungen eigenständig bewältigen.

Seit dem Herbst 2024 verhandelte Webasto mit acht Kernbanken über ein Stabilisierungsabkommen und erzielte kurz vor Weihnachten eine vorläufige Einigung. Dennoch bleibt die Eigenkapitalquote kritisch. Um den Sanierungsprozess zu beschleunigen, wurde Anfang Januar Johann Stohner als Chief Restructuring Officer in den Vorstand berufen. Der Sanierungsexperte erstellte das vorliegende Gutachten, das eine nachhaltige Verbesserung der Lage bis spätestens 2028 vorsieht. Eine weitere Reduzierung der Belegschaft ist eingeplant, während ab 2027 wieder mit Nettogewinnen gerechnet wird.

Die kommenden Wochen werden entscheidend für die Zukunft von Webasto sein. Geschäftsführer Holger Engelmann und Sanierungsvorstand Stohner müssen Investoren für eine Kapitalerhöhung gewinnen, um das Vertrauen der Banken zu sichern. Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld herausfordernd. Der Automarkt in Europa stagniert, deutsche Hersteller verlieren in China weiter Marktanteile, und die US-Handelspolitik könnte neue Belastungen mit sich bringen.

WebastoFinanzkriseSanierungAutoindustrie

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