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Warnsignale am Aktienmarkt: Experten sehen erste kurzfristige Risse

Trotz neuer Rekordhochs bei Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq warnen erfahrene Strategen vor wachsenden Divergenzen und einem möglichen Herbstrücksetzer.

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Warnsignale am Aktienmarkt: Experten sehen erste kurzfristige Risse

Mehrere renommierte Marktexperten schlagen Alarm: Obwohl die großen US-Indizes zuletzt neue Allzeithochs markiert haben, zeigen sich unter der Oberfläche erste besorgniserregende Risse. Ed Clissold, Chefstratege für US-Aktien bei Ned Davis Research, weist auf eine auffällige Divergenz hin, die Anleger nicht ignorieren sollten.

Konkret hat die Multicap-Advance/Decline-Linie von Ned Davis Research – ein Indikator, der die Anzahl der täglich gestiegenen Aktien abzüglich der gefallenen misst – ihren letzten Höchststand bereits am 20. April erreicht. Seitdem haben Dow Jones Industrial Average, S&P 500 und Nasdaq Composite zwar mehrere neue Rekordhochs verzeichnet, doch die Marktbreite zieht nicht mehr mit. Zudem haben seit dem 30. März nur fünf der elf S&P-500-Sektoren neue Höchststände erreicht.

Was Divergenzen für den Markt bedeuten

Clissold ordnet diese Entwicklung differenziert ein: „Die meisten Divergenzen lösen sich nach oben auf. Nach einer Phase der Konsolidierung brechen sowohl die gängigen Indizes als auch die Marktbreite zu neuen Höchstständen aus." Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht: „Fast allen zyklischen Höhepunkten gehen jedoch Divergenzen voraus, weshalb diese nicht ignoriert werden sollten."

Der Stratege skizziert dabei ein klares Risikoszenario: „Sollten sich die Divergenzen im Zuge einer Sommerrally nicht auflösen, ist eine größere Korrektur im Herbst wahrscheinlicher." Für deutsche Anleger, die in US-Aktien investiert sind, ist dies ein wichtiges Signal – denn eine Korrektur an der Wall Street würde erfahrungsgemäß auch europäische Märkte belasten.

Dabei gibt es durchaus positive Zeichen. Die gleichgewichtete Version des S&P 500 ist im Jahr 2026 um 9,3 Prozent gestiegen und liegt damit in etwa gleichauf mit dem marktkapitalisierungsgewichteten Pendant. Auch Small Caps entwickeln sich stark: Der Russell 2000 ist seit Jahresbeginn um beeindruckende 20 Prozent gestiegen – ein Zeichen, dass die Rally nicht ausschließlich von wenigen Mega-Cap-Titeln getragen wird.

Momentum-Aktien auf Allzeithoch – ein Warnsignal?

Dennoch sticht ein Faktor besonders heraus: Momentum-Aktien, von denen viele mit dem Thema Künstliche Intelligenz verknüpft sind, übertreffen den Rest des Marktes bei Weitem. Der iShares MSCI USA Momentum Factor ETF (MTUM) ist in diesem Jahr um 35 Prozent gestiegen. Seine relative Performance gegenüber dem gleichgewichteten S&P 500 hat damit die Höchststände von 2020 übertroffen und neue Allzeithochs erreicht.

Tavis McCourt, Stratege bei Raymond James, sieht darin ein klares Warnsignal: „Klar ist, dass wir vor einem erheblichen Rückschlag beim Faktor Momentum stehen, auch wenn der Auslöser hierfür derzeit noch unbekannt ist. Historisch gesehen zeigten sich die Aktienmärkte bei derart ausgeprägter Momentum-Outperformance sehr instabil, wenngleich es üblicherweise eines Rückgangs der Gewinnerwartungen bedarf, was wir momentan eindeutig nicht sehen."

Auch Jim Paulsen, ehemaliger Chef-Anlagestratege der Leuthold Group, äußert Besorgnis. Er räumt zwar ein, dass der KI-getriebene Aufschwung in den kommenden Monaten durchaus weiterlaufen könnte, empfiehlt Anlegern aber dennoch Vorsicht: „Anleger sollten angesichts der Warnsignale, die ich derzeit beobachte, in Erwägung ziehen, ihr Portfolio für die absehbare Zukunft etwas bärischer auszurichten."

Für Privatanleger bedeutet das konkret: Die aktuelle Marktlage erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Eine breitere Streuung des Portfolios, eine kritische Überprüfung von Momentum-lastigen Positionen sowie das Beobachten der Marktbreite in den kommenden Wochen können helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

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