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Wall Street im Fokus: Inflation und Nahost-Krieg belasten Märkte

Händler kämpfen mit widersprüchlichen Signalen zur Deeskalation – der CPI-Bericht wird zum entscheidenden Inflationstest.

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Die Wall Street steht in der kommenden Woche vor einem entscheidenden Test: Der Verbraucherpreisindex (CPI) für März soll zeigen, wie stark der Energieschock infolge des Nahost-Krieges die US-Inflation bereits angeheizt hat. Händler ringen derweil mit widersprüchlichen Signalen über eine mögliche Deeskalation des Konflikts, der vor über einem Monat mit US-israelischen Militärschlägen gegen den Iran begann.

Der S&P 500 (.SPX) konnte in der feiertagsbedingt verkürzten Woche eine fünf Wochen andauernde Verlustserie beenden und verzeichnete einen moderaten Gewinn. Zuvor hatte der Leitindex Anfang der Woche sein schwächstes Quartal seit 2022 abgeschlossen – belastet durch den anhaltenden Krieg und den damit verbundenen Anstieg der Energiepreise seit Ende Februar. Gegenüber seinem Allzeithoch vom Ende Januar notiert der S&P 500 zuletzt noch rund 6% im Minus.

„Es wird schwierig sein, die Aufmerksamkeit des Marktes vom Nahen Osten, den Ölpreisen und den entstandenen Risiken abzulenken", erklärte Matthew Miskin, Co-Chef-Anlagestratege bei Manulife John Hancock Investments. „Die Märkte waren so kurzsichtig auf geopolitische Risiken fokussiert und darauf, wie sich das Ganze entwickeln wird."

Ölpreis überschreitet 110 Dollar – Benzinpreise auf Dreijahreshoch

Der Rohölpreis ist zum zentralen Taktgeber der Märkte geworden. US-Rohöl stieg am Donnerstag auf über 110 Dollar pro Barrel – nachdem der Rohstoff bereits Anfang der Woche erstmals seit 2022 die Marke von 100 Dollar überschritten hatte. Seit Jahresbeginn hat US-Rohöl damit einen Preisanstieg von rund 90% verzeichnet. Als direkte Folge kletterte der durchschnittliche US-Benzinpreis in dieser Woche zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren über 4 Dollar pro Gallone.

Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus, eine kritische Schifffahrtsroute für Öl im Nahen Osten, auf der der Verkehr nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist. Diese strategische Engstelle kontrolliert den Zugang zum Persischen Golf und ist für rund 20% der weltweiten Ölversorgung von entscheidender Bedeutung – auch für Europa und damit indirekt für deutsche Verbraucher und Unternehmen.

„Der Markt orientiert sich am Ölpreis", betonte Doug Huber, stellvertretender Chief Investment Officer bei der Wealth Enhancement Group. „Inflationserwartungen, Anleihemärkte – alles hängt an der Entwicklung des Ölpreises."

CPI-Bericht am 10. April als erster Inflationstest

Der für den 10. April angesetzte CPI-Bericht für März gilt als erster konkreter Stresstest für die Auswirkungen des Energieschocks auf die Verbraucherpreise. Laut einer Reuters-Umfrage vom Donnerstag wird ein monatlicher Anstieg erwartet. Die französische Großbank BNP Paribas geht davon aus, dass die erste Phase der Ölpreisübertragung im März bereits über die Kraftstoffpreise stattgefunden hat: „Wir gehen davon aus, dass die erste Phase der Weitergabe der Ölpreise im März über Kraftstoffe erfolgt ist", heißt es in einer Mitteilung der Bank im Vorfeld des Berichts.

Neben dem geopolitischen Druck belasten weitere Faktoren die Stimmung an den Aktienmärkten. Sorgen über Disruptionen durch Künstliche Intelligenz sowie Schwächen im Bereich der Privatkredite verstärken die allgemeine Unsicherheit. Für deutsche Anleger ist die Lage besonders relevant: Ein anhaltend hoher Ölpreis würde nicht nur die US-Inflation anheizen, sondern auch die Energiekosten in Europa weiter in die Höhe treiben und die Erholung der exportorientierten deutschen Wirtschaft bremsen.

Die kommende Woche dürfte damit richtungsweisend für die weitere Entwicklung an den globalen Kapitalmärkten werden – sowohl hinsichtlich des geopolitischen Verlaufs als auch der Inflationsdynamik in den USA.

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